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RB Leipzig:Standpauke für die Spieler

Eintracht Frankfurt v RB Leipzig - Bundesliga

Leipzig-Trainer Julian Nagelsmann.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Tabellenführer RB Leipzig verliert in der Bundesliga bei Eintracht Frankfurt mit 0:2.
  • In der ersten Hälfte sind die Leipziger klar überlegen. Doch nach dem Seitenwechsel ändert sich die Lage.
  • Coach Julian Nagelsmann ist nicht zufrieden damit, wie sich manche seiner Spieler gerade im Training präsentieren.

Julian Nagelsmann ist nicht gerade als verdruckster Typ, sondern eher als Mann der klaren Worte bekannt. Und nach der überraschenden 0:2 (0:0)-Niederlage bei Eintracht Frankfurt offenbarte er das mal wieder nachdrücklich. Es war nach einer Serie von acht Siegen und einem Remis in neun Liga-Spielen die erste Niederlage seit Ende Oktober, der Vorsprung des Tabellenführers war damit geschmolzen - und Nagelsmann ziemlich angefressen.

"Jeder für sich muss die Entscheidung treffen: Wollen wir das Gipfelkreuz erreichen oder bleiben wir ein bisschen drunter stehen und genießen die schöne Aussicht?", sagte er.

Nagelsmann ist nicht zufrieden, wie sich manche seiner Spieler gerade im Training präsentieren. Das Ganze beginne im Kopf, es sei im Spiel nicht einfach, wenn man im Training nicht an die Grenzen gehe, und beim üblichen Elf gegen Elf am Mittwoch etwa habe er zu wenig Elan und Engagement gesehen. "Wir haben nicht die Qualität von Bayern und Dortmund. Deshalb müssen wir jede Trainingsminute besser nutzen als Bayern oder Dortmund, um näher heranzukommen."

Seine Mannschaft, sagte Frankfurts Trainer Adi Hütter, habe sich gar nichts zugetraut

Eine ziemliche Standpauke für seine Spieler war das - und eine Warnung für die nächsten Wochen. Denn die Leipziger sind zwar immer noch Tabellenführer. Aber diese Niederlage in Frankfurt war nun nicht gerade eine gute Basis für die beiden schweren Spiele, die in den nächsten Wochen anstehen: bei Borussia Mönchengladbach und gegen den FC Bayern.

Dabei waren die Leipziger am Samstag in der ersten Hälfte klar überlegen gewesen. Die Frankfurter versuchten sich wie schon vor einer Woche gegen Hoffenheim mit einer sehr kompakten Formation, inklusive der Viererkette, die Trainer Adi Hütter seit der Winterpause bevorzugt. Aber dennoch hatte RB einige Gelegenheiten, insbesondere in der Anfangsphase. Nach sechs Minuten gab es einen ersten Kopfball durch Dayot Upamecano, kurz danach scheiterte Timo Werner an Frankfurts Torwart Kevin Trapp (8.). Und in der 17. und der 18. Minute parierte dieser auch noch gegen Christopher Nkunku und Patrik Schick.

Seine Mannschaft hätte zur Pause auch 0:2 oder 0:3 zurückliegen können, erklärte Trainer Hütter hinterher. Sehr, sehr ungefährlich sei sie gewesen, weil sie zu schlampig gespielt habe - und außerdem hätte sie sich gar nichts zugetraut.

Doch nach dem Seitenwechsel änderte sich plötzlich die Lage. Leipzig vertändelte erst eine Überzahl-Situation und verteidigte danach bei einem Einwurf schlecht - und dann landete der Ball bei Frankfurts Rechtsverteidiger Almamy Toure. Das ist einer der Gewinner von Hütters System-Umstellung, weil er nun seinen Stammplatz hinten rechts sicher hat. In dieser 48. Minute aber war er mit aufgerückt und traf mit einem sehenswerten Distanzschuss zum 1:0 ins Netz. Vergangene Woche hätte er eine ähnliche Chance vergeben und sei daraufhin von der Mannschaft ein bisschen gefoppt worden, berichtete Kollege Djibril Sow hinterher; da habe Toure es diesmal besser machen müssen.

Die Bilanz der Eintracht nach der Winterpause: zwei Spiele, sechs Punkte

Verblüffenderweise fand Leipzig nach dem Rückstand gar nicht mehr ins Spiel. Zu wenig Struktur bemängelte Nagelsmann bei seiner Mannschaft, die Frankfurter hingegen begannen nun auf Konter zu lauern. Und nachdem Filip Kostic - im neuen System nun nicht mehr der Einzelkämpfer auf der linken Außenbahn, sondern ein bisschen entlastet durch Evan N'Dicka - schon zwei vergebliche Läufe absolviert hatte, war er in der Nachspielzeit zur Stelle. Der eingewechselte Angreifer Goncalo Paciencia passte den Ball schön in die Mitte, und da schob Kostic zum Endstand ein.

"Das Tor war sicherlich ein Knackpunkt", sagte SGE-Trainer Adi Hütter. Seine Mannschaft hat nun aus den beiden ersten Spielen nach der Winterpause sechs Punkte geholt. Das hatte ihr kaum jemand zugetraut angesichts der beiden schweren Gegner Hoffenheim und Leipzig - und unter dem Eindruck der Auftritte vor der Winterpause, als Frankfurt aus sieben Spielen nur einen einzigen Punkt gewonnen hatte.

Nun ist die Stimmung am Main wieder merklich besser, auch wenn Hütter sich nicht allzu offensiv gab. "Das tut uns sehr gut", sagte er: "Aber wir haben schon noch einen weiten Weg, um wieder dahin zu kommen, wo wir schon mal waren."

© SZ vom 26.01.2020/chge
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