Zuschauermangel bei Länderspielen In Leipzig leuchten leere Sitzränge

Große Lücken im Oberrang: In Leipzig war das Stadion wieder einmal nicht voll bei einem Länderspiel.

(Foto: dpa)
  • In Leipzig bleiben bei einem Länderspiel der deutschen Nationalelf erneut viele Plätze im Stadion leer.
  • Der deutsche Fußballbund hat dafür seine eigene Erklärung - auf Schalke gegen Holland soll am Montag aber alles besser werden.
Von Saskia Aleythe, Leipzig

Nach einem Sieg wie dem gegen Russland stellt sich auch Reinhard Grindel gerne vor die Presse. Das 3:0 war kaum eine halbe Stunde alt, als der DFB-Präsident im Leipziger Stadion beschwingt über die schönen Szenen der verjüngten Nationalmannschaft sprach, die sich grade abgespielt hatten. Und weil es eh schon Thema der letzten Tage war, äußerte sich Grindel dann auch zum Thema Zuschauerzahlen. Der 57-Jährige sagte: "Ich habe gerade gehört, dass es sich in Gelsenkirchen gut entwickelt hat", er meinte die Vorverkäufe für das Nations-League-Spiel am Montag, "ich glaube schon, dass wir ziemlich ans 'Ausverkauft' herankommen."

Dass man in Leipzig nicht an das Prädikat "ausverkauft" herankommen würde, hatte sich zu Beginn der Woche bereits abgezeichnet, gerade mal 30 000 Karten konnte der Verband im Vorverkauf loswerden. Dass der Stadionsprecher schließlich von 35 300 Fans in er Arena sprach, überraschte dann schon fast angesichts der zahlreichen leeren Sitzschalen, die im Oberrang leuchteten.

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42 000 Zuschauer fasst das Leipziger Stadion bei Länderspielen. Doch für die geringere Fanbegeisterung haben sie sich Erklärungen zurecht gelegt beim DFB. Grindel sagte auch, in Bezug auf die Anstoßzeiten: "20.45 Uhr während der Woche ist für viele Familien schwierig. Wir hatten heute knapp 36 000, das ist das, was RB bei vergleichbaren Spielen auch hat." Womit er die Stoßrichtung der DFB-eigenen Interpretation vorgab.

Dass eine deutsche Nationalmannschaft im Fußball die Arenen nicht mehr voll kriegt, bedeutet freilich noch keine Staatskrise - es ist aber doch ein Indikator dafür, dass man sich auch als aufmerksamkeitsverwöhnter Kicker nicht völlig vom Leistungsprinzip lösen kann. "Man kann nicht erwarten, dass die Fans uns in dieser Situation die Bude einrennen", hatte Bundestrainer Joachim Löw schon am Mittwoch selbstkritisch gesagt: "Das liegt teilweise auch an unseren Leistungen in diesem Jahr."

Fußballfans wollen Tore sehen, davon hatte es in diesem Jahr nicht allzu viele gegeben. Umso zufriedener war dann auch der eingewechselte Thomas Müller, der zwar selber nichts zum Torekonto hinzufügen konnte, aber seine Teamkollegen hervorhob. Leroy Sané, Niklas Süle und Serge Gnabry netzten ein - drei Tore, die Müller gefielen. "Wir haben genau das erreicht, was wir wollten: Auch mal wieder Tore schießen und das Publikum mitnehmen", sagte der Bayern-Stürmer. Das bedankte sich mit ein paar Runden Laola trotz ausgedünnter Ränge, zu Beginn der Partie hatten noch hauptsächlich russische Fans das Stadion mit Leben gefüllt.

Am Montag gegen die Niederlande wird es um noch mehr gehen als um einen Sieg fürs Selbstbewusstsein. Nach dem 0:3 Anfang Oktober in Amsterdam erwartet die deutsche Mannschaft einen sehr viel stärkeren Gegner. Um neue Fannähe zu demonstrieren, hatte sich der DFB zuletzt volksnah gegeben, Autogramm-Viertelstündchen und Schulfragestunden abgehalten, das könnte ja auch nützlich sein, will man Eintrittskarten verkaufen. Sollten die 54 000 Plätze im Schalker Stadion am Montag tatsächlich besetzt werden, wäre das eine recht schnelle Wiedergeburt deutscher Fanliebe nach einem Sommer der Enttäuschungen.

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