Süddeutsche Zeitung

RB schlägt Bochum:"So kann man auch in Madrid gewinnen"

Lesezeit: 2 min

Leipzig überzeugt im "ekligen" Auswärtsspiel in Bochum und zieht daraus Zuversicht für die große Aufgabe am Mittwoch: Fürs Weiterkommen in der Champions League muss ein Sieg im Bernabéu gegen Real Madrid her.

Von Ulrich Hartmann

Was haben das kleine Ruhrstadion in Bochum und das große Estadio Santiago Bernabéu in Madrid gemeinsam? Beide sind besonders stimmungsvoll, für Gastmannschaften schwierig zu bespielen und derzeit binnen fünf Tagen Station jener Leipziger Fußballer, die sowohl in der Bundesliga als auch in der Champions League massiv um ihre Saisonziele kämpfen. Bei RB stecken sie voller Vorfreude auf das Achtelfinal-Rückspiel am Mittwoch bei Real Madrid, wo sie allerdings eine 0:1-Hinspiel-Niederlage wettmachen müssen, weshalb sich am Samstag ein herausforderndes Bundesliga-Spiel im Ruhrstadion beim widerborstigen VfL Bochum als gelungene Stressprobe entpuppte.

In Erwartung eines rustikalen Gegners hatte Leipzigs Trainer Marco Rose seinen Spielern "Frustrationstoleranz" empfohlen, und genau die demonstrierten sie auch. Nachdem sie sich nämlich knapp 70 Minuten lang schwergetan hatten und nicht über einen jederzeit bedrohlichen 1:1-Zwischenstand hinausgekommen waren, öffnete sich die verstopfte Ketchupflasche mit dem 2:1-Treffer durch den eingewechselten Loïs Openda in der 68. Minute explosionsartig und brachte binnen der nächsten vier Minuten und 41 Sekunden zwei weitere Treffer zum letztlich klaren 4:1 (1:1)-Sieg hervor. "So gewinnt man ein ekliges Auswärtsspiel in Bochum!", verkündete hernach wie der Dozent eines Mentalitätssymposiums der Außenverteidiger David Raum und schlussfolgerte kühn: "So kann man auch in Madrid gewinnen."

Das Spiel im Bernabéu droht für die Leipziger das letzte Champions-League-Spiel in dieser Saison zu werden, weshalb ihnen umso wichtiger erscheint, sich in der Bundesliga erneut für die europäische Meisterklasse zu qualifizieren. Doch der Rückrundenauftakt misslang mit nur sieben Punkten aus sechs Spielen, und selbst nach dem Sieg in Bochum hinken sie den ebenfalls siegreichen Konkurrenten VfB Stuttgart und Borussia Dortmund weiter hinterher. "Das war ein schwerer Sieg in einem schweren Auswärtsspiel", interpretierte der Trainer Marco Rose den Erfolg darum auch als psychologischen Wegweiser. "Spiele in Bochum sind immer speziell, der VfL ist maximal unangenehm."

Trotz weitgehend sächsischer Dominanz und zahlreicher Chancen stand es zur Pause bloß 1:1, weil nach Bochums Führung durch Maximilian Wittek (7.) nur Dani Olmo per Traumschuss zum Ausgleich traf (30.). Mitte der zweiten Halbzeit aber, nach einem Dreierwechsel in der 65. Minute, setzten sich die Leipziger alsbald ab. Der für das Spiel in Madrid zunächst geschonte Openda (68.), ein von Xavi Simons erzwungenes Eigentor des Bochumers Ivan Ordets (71.) und Yussuf Poulsen (72.) schafften blitzartig klare Verhältnisse. Mit den Treffern der eingewechselten Openda und Poulsen erhöhten die Leipziger die Zahl ihrer Joker-Tore in dieser Saison auf zehn.

Leipzig will die Dortmunder in den kommenden Spielen unter Druck setzen

Für die Leipziger war es die erste von vier Partien, in denen sie nacheinander auf die letzten vier Klubs der Bundesliga-Tabelle treffen. Darmstadt, Köln und Mainz heißen die nächsten Gegner. Das eröffnet die Möglichkeit, Stuttgart und Dortmund in der Tabelle weiter zu belästigen. "Bislang hatten wir nicht genug gute Ergebnisse für eine komfortablere Tabellensituation", hatte Rose vor dem Bochum-Spiel gesagt, und selbst nach dem Sieg änderte sich nichts an seiner akzeptierten Rollenverteilung: "Wir sind die Jäger." Bis auf einen Punkt bleiben sie an jenen Dortmundern dran, die sie Ende April in Leipzig empfangen. Den direkten Vergleich mit den enteilten Stuttgartern haben sie Ende Januar auswärts 2:5 verloren.

Für Openda, den 24 Jahre alten Belgier, im vergangenen Sommer aus Lens gekommen, bedeutete sein erstes Spiel im Ruhrstadion zugleich, erstmals im 24. Bundesliga-Spiel für Leipzig nicht in der Startelf gestanden zu haben. Er trug es mit Fassung, wohl auch angesichts seines 17. Bundesliga-Treffers nur 160 Sekunden nach seiner Einwechslung. "Ich bin happy mit der Mentalität der Mannschaft", sagte er hinterher auf Englisch, "genau die brauchen wir so auch in Madrid." Im Bernabéu hat Openda schon mal gespielt: 2019 mit dem FC Brügge, es gab in der Gruppenphase der Champions League ein 2:2. Dieses Ergebnis, das weiß Openda, würde am Mittwoch nicht genügen.

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