100 Meter bei der WMUsain Bolt sieht noch keinen neuen Bolt

Lesezeit: 4 Min.

„Ich weiß, dass etwas Großes passieren wird“, sagt Noah Lyles (links), der Olympiasieger von Paris. Für die WM in Tokio aber gilt der vor einem Jahr zweitplatzierte Kishane Thompson (rechts) als Favorit über 100 Meter.
„Ich weiß, dass etwas Großes passieren wird“, sagt Noah Lyles (links), der Olympiasieger von Paris. Für die WM in Tokio aber gilt der vor einem Jahr zweitplatzierte Kishane Thompson (rechts) als Favorit über 100 Meter. Andrea Staccioli/Insidefoto/Imago
  • Die 100 Meter der Männer versprühen heute weniger Glanz als zu der Zeit von Usain Bolt, dessen Weltkrekorde über 100 und 200 Meter noch heute Bestand haben.
  • Olympiasieger Noah Lyles hat eine durchwachsene Saison hinter sich und ist aktuell nur die Nummer Zwölf der Welt.
  • Jamaikas Kishane Thompson reist mit der schnellsten Zeit des Jahres von 9,75 Sekunden zur WM nach Tokio.
Von der Redaktion überprüft

Dieser Text wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Acht Jahre nach seinem Rücktritt sucht die Leichtathletik noch immer nach einer Werbefigur, wie sie der Jamaikaner war. Die 100 Meter sind heute weniger pompös – dafür umso spannender.

Von Saskia Aleythe

Usain Bolt ist noch immer der Star. Ein Sprinter ist der 39-Jährige schon seit einigen Jahren nicht mehr, was nicht heißt, dass man dem Jamaikaner vor den Weltmeisterschaften in Tokio nicht eine standesgemäße Bühne bieten kann. Ein Sponsor hatte in Tokio zur Presserunde mit Bolt geladen, zig internationale Medienvertreter folgten, und sie bekamen dabei einen kleinen Hinweis auf die neuesten Technologien: Mit den Schuhmodellen von heute wäre Usain Bolt bei seinem seit 2009 bestehenden Weltrekord über 100 Meter von 9,58 Sekunden eine Zeit von 9,42 Sekunden gelungen, haben Wissenschaftler berechnet. Ob Bolt nun beunruhigt sei, was die heutige Sprintergeneration mit seinem Rekord und den schnellen Sohlen anstellen könnte? „Nein, bin ich nicht“, sagte er, „ich sehe aktuell nichts, was sie tun können, um den Rekord zu brechen.“

Ein Usain Bolt ist nun mal nicht beunruhigt, dazu gibt es aktuell trotz mancher Tüftelei auch wenig Anlass. Seine Weltrekorde über 100 und 200 Meter – mittlerweile schon 16 Jahre alt – sind bisher nicht annähernd in Gefahr geraten. Erstaunlich in einer Welt der Leistungssprünge. Acht Jahre nach seinem Rücktritt sucht die Leichtathletik auch noch immer nach einem Zugpferd, wie Bolt eines war: locker, leicht, oft unbesiegbar. Die heutige Sprintergeneration ist eine andere. Allerdings bedeutet das nicht, dass der Titelkampf über 100 Meter, der schon an diesem Sonntag im Olympiastadion von Tokio ausgetragen wird, deswegen weniger spannend wäre: Olympiasieger Noah Lyles hat eine durchwachsene Saison hinter sich, da gibt es so einige, die ihre Chance auf WM-Gold wittern.

Medaillenspiegel und alle Entscheidungen
:Zeitplan der Leichtathletik-WM 2025 in Tokio

Vier Jahre nach den Olympischen Spielen kommt die Leichtathletik-Elite zurück nach Tokio. Alle Entscheidungen sowie der Medaillenspiegel der Leichtathletik-WM 2025 im Überblick.

Von Marko Zotschew und Michael Schnippert

Der schnellste Mann von Paris ist aktuell nur die Nummer zwölf in der Welt, mit 9,90 Sekunden. Erst Mitte Juli stieg der US-Amerikaner nach einer Verletzung in die Sommersaison ein, nur vier Wettkämpfe über die kurze Sprintdistanz hat Lyles seitdem absolviert. „Ich liebe es zu laufen und an Wettkämpfen teilzunehmen. So eine Saison mit so wenigen Rennen hatte ich noch nie“, stellt er fest. Sein Selbstbewusstsein hat er trotz allem nicht verloren. „Ich weiß, dass etwas Großes passieren wird. Mein Körper zeigt mir, dass er sich an die Geschwindigkeit gewöhnt“, sagte er Ende August beim Diamond-League-Meeting im polnischen Chorzow. Dort wurde er allerdings von dem Mann bezwungen, der ihm am engsten an den Fersen klebt: Kishane Thompson aus Jamaika.

Jamaikas Thompson reist mit der schnellsten Zeit des Jahres an

In Paris im vergangenen Jahr schnupperte Thompson schon mal am Olympiasieg, zeitgleich mit Lyles war der 24-Jährige über die Ziellinie geschossen. Es vergingen lange Momente, in denen das ganze Stadion nicht wusste, wer das Rennen gewonnen hatte. Der Computer spuckte schließlich einen Vorteil von 0,005 Sekunden für Noah Lyles aus, 9,784 zu 9,789 Sekunden, es war das knappste Finale der Geschichte. „Ich bin ein bisschen enttäuscht, aber gleichzeitig bin ich auch glücklich“, sagte Thompson damals. Es war seine erste internationale Medaille überhaupt.

Nun, ein Jahr später, ist Thompson der Mann, der mit der schnellsten Zeit des Jahres nach Tokio angereist ist. Im Juni gelang ihm bei den jamaikanischen Meisterschaften ein Lauf, der die Sprintbegeisterten verblüffte: 9,75 Sekunden, seit zehn Jahren hatte kein Sprinter mehr so ein Rennen geboten. Die sechstschnellste Zeit jemals, besser als Lyles je gelaufen ist (9,79). Ist Thompson also aktuell schon der schnellste Mann der Welt? „Um ehrlich zu sein, ich kann es deutlich besser“, sagte Thompson nach seinem Lauf. Und das meinte er vermutlich genau so: Ein Mann für Trash Talk ist er nicht.

Charakterlich könnten der Jamaikaner und Noah Lyles kaum weiter auseinander liegen. Lyles kehrt sein Innerstes nach außen, spricht offen über die Krankheiten, die ihn seit seiner Jugend begleitet haben. Über Asthma, ADHS und die Depressionen, die er immer wieder bewältigen muss. Über Thompson ist nur wenig bekannt, außer dass er 2024 seinen Vater verlor. Er steht nicht gerne im Mittelpunkt. So ist für alle Geschmäcker etwas dabei, wenn es in Tokio um die Medaillen geht: Der Showman Lyles spielt gerne mit dem Publikum, Thompson konzentriert sich auf den Sport.

In Australien schauen alle auf einen 17-Jährigen

Und es gibt noch andere, die den Titel des schnellsten Mannes der Welt gerne für sich beanspruchen würden: Lyles’ Teamkollege Kenneth Bednarek etwa, bei Olympia in Tokio und Paris jeweils Zweiter über die 200 Meter und in enger Rivalität mit Lyles verbunden, oder Jamaikas Oblique Seville, der Lyles in diesem Jahr in der Diamond League zweimal hinter sich ließ. Der Zweikampf zwischen Jamaika und den USA wird die 100 Meter in Tokio bestimmen.

Über die doppelte Distanz fallen die Blicke hingegen nicht nur auf die ersten Medaillenanwärter, sondern auch auf einen 17-Jährigen: Der Australier Gout Gout löste in diesem Jahr mit einer Zeit von 20,02 Sekunden und seinem aufrechten Laufstil schon die ersten Bolt-Vergleiche aus (wie vor drei Jahren der US-Amerikaner Erriyon Knighton, der jetzt vom Internationalen Sportgerichtshof Cas wegen Trenbolondopings für vier Jahre gesperrt wurde). In Tokio misst sich Gout erstmals mit den Großen. Der Australier wird in der Heimat schon als Olympiasieger für die Heimspiele 2032 in Brisbane gehandelt. „Er ist sehr talentiert mit den Zeiten, die er rennt, und er macht es wirklich gut“, lobte Bolt ihn in Tokio. Aber jugendliches Können in WM- oder Olympiamedaillen umzuwandeln, sei doch noch mal etwas anderes. „Du musst den richtigen Trainer haben, die richtigen Leute um dich herum und fokussiert genug sein.“

Ein wertvoller Tipp, den man als junger Sprinter mit neuen Hightech-Schuhen einfach mal mitnehmen kann.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Weitspringerin Malaika Mihambo
:Rückkehr der Feinmechanikerin

Weitspringerin Malaika Mihambo kehrt bei der Leichtathletik-WM an den Ort zurück, an dem sie Olympiasiegerin wurde. Vier Jahre später ist sie als Sportlerin gereift. Ihr Credo: Situationen anzunehmen, wie sie kommen.

Von Saskia Aleythe

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: