Leichtathletik-WM:Deutschland hofft auf den Nordwestwind

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Leichtathletik-WM: Auftakt gelungen: Kristin Pudenz trägt im Finale am Mittwoch die deutschen Medaillenhoffnungen. In der Qualifikation warfen zwei Landsfrauen sogar noch weiter.

Auftakt gelungen: Kristin Pudenz trägt im Finale am Mittwoch die deutschen Medaillenhoffnungen. In der Qualifikation warfen zwei Landsfrauen sogar noch weiter.

(Foto: Charlie Riedel/AP)

Bisher ist die Ausbeute für den Deutschen Leichtathletik-Verband bei der WM bescheiden - die Hoffnungen ruhen auf der zweiten Hälfte. Und anderem drei Diskuswerferinnen sind immerhin in Form.

Von Johannes Knuth, Eugene

Valarie Allman trommelte mit den Händen in der Luft, sie hüpfte über die Laufbahn: 68,38 Meter, weiter würde niemand mehr werfen in diesem Diskuswettkampf bei der WM in Eugene. Musste aber auch niemand, denn das hier war die Qualifikation, da sichert man sich einen von zwölf Finalplätzen, mit so wenig Krafteinsatz wie nötig. Für eine wie Allman, Olympiasiegerin von Tokio, Bestweite 71,16, für gewöhnlich eine lästige Pflicht.

Manchmal haben aber auch die Besten Sendepause, und kurz zuvor war der Diskus der Amerikanerin zwei Mal nicht im Sektor gelandet - ein Versuch blieb, um eine große Überraschung abzuwenden. Die 27-Jährige hat nicht nur eine der besten, sondern auch riskantesten Techniken, sie wirbelt rasant durch den Ring, mit einer weiteren Drehung, nachdem sie den Diskus losgelassen hat - eine Hommage an ihre Tanzkarriere. Nachdem Allman im dritten Versuch alles repariert hatte, gestand sie: Als Olympiasiegerin bei der Heim-WM aufzutreten, sei "ganz schön nervenzehrend".

Pudenz steht jetzt noch mehr im Mittelpunkt: "Da war ich noch ein bisschen mehr aufgeregt als die letzten Male."

Ihre Mitbewerberinnen aus Deutschland dürfte das nicht gestört haben. Deren Aufritt war, gemessen daran, so unspektakulär wie überzeugend. Kristin Pudenz, zuletzt mit 67,10 Metern als deutsche Meisterin prämiert, zog mit 64,39 ins Finale am Mittwoch ein, auch Claudine Vita (64,98) und Shanice Craft (64,55) übertrafen die geforderte Qualifikationsweite (64,00). Eine ganz schöne Knobelaufgabe war das, wobei es nicht schadete, dass im neuen Hayward Field der Wind aus Nordwesten durch eine offene Flanke hineinbläst, so dass die Werferinnen den Diskus mitunter auf ein schönes Polster betten können.

Im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) werden sie diese Arbeitsnachweise so oder so erleichtert registriert haben: Der Auftritt signalisierte auch so etwas wie den Aufbruch in eine zweite Phase dieser WM, in der sie auf deutlich bessere Erträge hoffen.

Der Zeitplan begünstigt den DLV auch diesmal nicht, die ersten Tage waren vielen Kräften vorbehalten, die gerade so oder per Nachrückverfahren ins Starterfeld gerutscht waren. Zur ganzen Wahrheit gehört nur auch, dass der DLV die WM als Zielwettkampf ausgerufen hat - sie entscheidet deutlich stärker über Förderplätze als die EM in rund drei Wochen - und in den ersten Tagen hatten nur wenige Starter ihr volles Können freigelegt. Platz zehn (Stabhochspringerin Jacqueline Otchere) und zwölf (Hochspringer Mateusz Przybylko) waren bis zum Montagabend die besten Erträge, der Dienstag versprach keine Besserung. Umso bedeutender das Diskusfinale der Frauen am Mittwoch.

"Uns ist bewusst, dass wir die erste deutsche Medaille holen können", sagte Vita nach der Qualifikation geradeheraus, "umso mehr kämpfen wir dafür." Das Wurf- und Stoß-Ressort im DLV habe sich bislang auch nicht in Finalform präsentiert, "daher war es für uns ein wichtiger Schritt, dass wir zeigen, wir können immer noch werfen", sagte Pudenz. Die 29-Jährige war nach einiger Anlaufzeit vor einem Jahr in der Weltspitze angekommen, als Olympiazweite in Tokio. Nun, vor der Qualifikation, war sie "noch ein bisschen mehr aufgeregt als die letzten Male", gestand sie, "weil ich ja doch ein bisschen mehr im Mittelpunkt stehe." Pudenz geht den Auftrag am Mittwoch aber nicht mit falscher Demut an, "wenn dreimal 70 Meter geworfen werden vorne, dann weiß ich: Das kann ich im Moment noch nicht", sagte sie. Aber wenn es bei 67 Metern um die Medaillen geht, will ich mit dazu gehören." Valarie Allman wird es zumindest zur Kenntnis genommen haben.

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