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Leichtathletik-Trainer Kollark:Seit der Wende arbeite er sauber, sagt Kollark

In Kollarks Mitarbeiterakte, die die Stasi unter dem Decknamen "Alexander" führte und die der SZ vorliegt, klingt das indes alles ein bisschen anders. In einem Eintrag vom April 1980 heißt es, dass ein Hochleistungsathlet, den Kollark betreut habe, aus dem Sport ausgeschieden sei. Kollark sei daher gezwungen, sich konkret mit seinen eigenen Nachwuchssportlern zu beschäftigen und diese an die Weltspitze heranzuführen. Und in einem Dokument vom Oktober 1983 wird Kollark für seinen großen Einsatz gelobt: weil er in den zurückliegenden Jahren, neben seiner Tätigkeit im Spitzenbereich, auch Trainer im Nachwuchsbereich vertreten habe, und das überaus erfolgreich.

Eigene Nachwuchssportler, Vertretung von Nachwuchstrainern - ein Konflikt zu Kollarks bisherigen Angaben, oder nicht?

Auf eine schriftliche Anfrage hin teilt Kollarks Anwalt mit, dass dieser "die von Ihnen gesehenen Widersprüche zwischen den Angaben in seiner eidesstattlichen Erklärung und dem Inhalt von Stasi-Unterlagen nicht kommentieren wird". Überhaupt müssten die Einträge aus Kollarks Opferakte stammen, das dürfe man gar nicht verwenden. Im Übrigen bleibe Kollark bei seinen Angaben.

Unter dem Begriff Nachwuchssport wurde in der DDR die komplette sportliche Ausbildungszeit eines jungen Menschen verstanden, ab dem Kinder- und Jugendalter bis zum Übergang in den Seniorenbereich im Alter von 18, 19 Jahren. Das Politbüro bekräftigte 1969, man müsse den Nachwuchs so fördern, dass er bereits im Jugendalter zu Weltklasseleistungen befähigt sei. Die Athleten wurden meist vor ihrem ersten internationalen Wettkampf gedopt, in der Regel unwissentlich; im Turnen teils schon sehr früh, in der Leichtathletik eher ab 16, 17.

Dass Kollark, ab 1972 Trainer im SCN, grundsätzlich Tabletten an seine Athleten verteilt habe, geht auch aus den Akten hervor. Ab 1980 habe er demnach Oral-Turinabol beziehungsweise "u.M", unterstützende Mittel, wie sie die Stasi nannte, ausgereicht. Das steht in der Akte von Klaus Böhm, einem ehemaligen Neubrandenburger Sportarzt, der als "IM Fuchs" schnüffelte. Kollark habe auch bereitwillig und aus innerer Überzeugung an die Stasi berichtet, von 1984 bis '89. Er soll den jungen Trainer Thomas Springstein beobachtet haben, später verurteilt wegen Minderjährigen-Dopings; er berichtete, wenn Betreuer die "u.M" nicht einsetzten und gab Auskünfte über sexuelle Vorzüge von Athleten ("nymphomanischer Einschlag").

Nach der Wende trainierte Kollark Kumbernuss und die dreimalige Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch, obwohl seine Stasi-Mitarbeit seit 1994 bekannt war. Als der NDR vor den Olympischen Spielen 2008 erstmals über Kollarks Dopingverstrickung in Böhms Notizen berichtete, strich der DLV ihn aus dem Aufgebot. Kollark klassifizierte die Vorwürfe als "alte Kamellen", zu denen er sich "weder in die eine noch in die andere Richtung äußern werde". Der DLV ließ Kollarks Vertrag später auslaufen, der Trainer ging nach China, angefressen.

Seit der Wende arbeite er sauber, natürlich, das hat Kollark immer wieder betont. Er betreut seine Athleten in Neubrandenburg, die Chinesen schlagen dort oft ihr Trainingslager auf. Claudine Vita betreut er auf Honorarbasis, die Athletin schätzt ihn als Trainer. "Ohne ihn wäre ich heute nicht da, wo ich bin, ich schaffe es auch nur mit ihm als Trainer zu den Olympischen Spielen nach Tokio", sagte sie zuletzt. Diese Entscheidung habe man zu akzeptieren, teilte der DLV vor der EM mit - der ansonsten gern für sich beansprucht, für die Sauberkeit des Sports zu stehen.

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