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Doping:Dritte Runde, letzte Runde und Endspurt

Dritte Runde

Die Russinnen schieben sich nach vorne, Tomaschowa und Kostezkaja. Tomaschowa, Weltmeisterin 2003 und 2005, brummte vor London eine mehr als zweijährige Sperre ab, weil sie eine Urinprobe einreichte, die nicht von ihr stammte. Sie hängt hinter Kostezkaja, die sich an die dritte Stelle schiebt. Ein Ellenbogenrempler hier, einer dort, niemand will eingekeilt sein, wenn jemand attackiert. Jede Sekunde kann jetzt richten, über Hero oder Zero.

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Jekaterina Kostezkaja wird 2014 gesperrt, für zwei Jahre, ebenfalls wegen verdächtiger Blutwerte. Seit vergangenem November sind alle russischen Leichtathleten von internationalen Wettkämpfen verbannt. Ob sie bei den Spielen in Rio antreten dürfen, ist ungewiss. Eine Kommission der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada hatte dem russischen Verband eine "tiefwurzelnde Kultur des Betrugs" attestiert. Eine Sammlung der schönsten Schweinereien: Athleten legten sich falsche Identitäten zu, um Tester zu täuschen. Funktionäre schufen ein Schattenlabor, das Dopingproben vortestete. Der Kreml "störte und beeinflusste" den Anti-Doping-Kampf, so steht es im Wada-Bericht. Der Kreml streitet alles ab.

Letzte Runde

Bulut führt noch immer, die anderen fallen langsam zurück. Ein Sturz, Ucency, die Amerikanerin kauert auf dem Boden, weint bitterlich. Fast hätte sie Aregawi mitgerissen, aber die Äthiopierin fängt sich, klemmt sofort wieder hinter der Spitze.

Kenia und Äthiopien dominieren seit Jahrzehnten die Mittel- und Langstrecke. Die Natur hat die Läufer aus den Hochebenen Ostafrikas mit leichten und wetterfesten Körpern ausgestattet. Allein in Kenia wurden seit London allerdings rund 40 Athleten positiv getestet, meistens von externen Prüfern, weil die Netze der nationalen Anti-Doping-Behörden durchlässig sind. Wenn überhaupt getestet wird. Am Dienstag beriet die Wada (nach Redaktionsschluss), ob man Kenias Leichtathletik als "nicht regelkonform" erklärt; die erfolgreichste Nation der WM 2015 könnte dann aus Rio ausgeladen werden. Aregawi, die mittlerweile für Schweden startete und 2013 für das Land Weltmeisterin über 1500 Meter wurde, flog Anfang März auf - mit Meldonium, einem in Osteuropa beliebten Präparat für Herzkranke, das die Durchblutung fördern soll. Weshalb es auch Athleten jahrelang konsumierten. Seit Januar 2016 ist das Mittel verboten. Sie dachte, es habe sich um ein Vitaminpräparat gehandelt, sagte Aregawi zuletzt.

Endspurt

Die Gegengerade, zum letzten Mal. Es ist der Moment, als Alptekin den Lauf an sich reißt. Sie prescht an die Spitze, als habe sie das Rennen gerade aufgenommen. Jamal zieht mit, Aregawi und Bulut im Schlepptau, aber es reicht nicht. Alptekin joggt die letzten Meter ins Ziel. Sie umarmt Bulut, die Zweite. Rowbury wird Sechste. Nach dem Rennen legt sich eine merkwürdige Stimmung über den Zielraum, die handelsüblichen Glückwünsche, die die Athleten austauschen, bleiben aus. Alptekin ist das egal, sie stößt ihre Hände in die Luft, als trommele sie gegen einen imaginären Boxsack. Für sie ist es der Höhepunkt einer Raketenkarriere. 2011 schied sie im WM-Halbfinale aus, 2012 dann EM-Gold, eine fabelhafte Bestleistung (3:56,62 Minuten), der Olympiasieg. Der erste für die Türkei in der Leichtathletik.

1500_doper

In Alptekins Fall bündelt sich vieles, was vom Aufstieg und Zerfall des Sports erzählt. Nach London informiert sie der türkische Verband über Unstimmigkeiten in ihrem Blutpass. Papa Massata Diack, damals Marketingberater der IAAF und Sohn von Präsident Lamine Diack, tritt an die Alptekins heran. Man könnte eine Sperre vermeiden, gegen Geld. Offenbar hat Gabriel Dollé, Leiter des Anti-Doping-Ressorts, Diack Junior die verdächtigen Werte gesteckt; wie im Fall russischer Leichtathleten, die sich dann von Sperren freikauften. Die Alptekins verhandeln mit Diacks Söhnen Papa und Khalid, sie bezahlen ihnen Flüge und Hotelkosten, aber der Deal scheitert. Ende 2015 wird Alptekin für acht Jahre gesperrt, sie verliert alles, Bestzeiten, Titel seit 2010, den Olympiasieg. Gegen Diack Senior, Dollé und andere Mitglieder der alten IAAF-Spitze wird seit Monaten von französischen Staatsanwälten ermittelt, wegen Erpressung und Korruption.