Leichtathletik Den ursprünglichen Pokal hat Wieland zurückgegeben

Gernot Weigl erklärt das so: "Am Anfang war alles hoch konspirativ, wir als Veranstalter durften keine Namen nennen." Es gehe da um Persönlichkeitsrechte, das habe ihm der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) so mitgeteilt. Von Schusters Sperre habe auch er zuerst von einem Journalisten erfahren, später kam die Bestätigung durch den DLV, verbunden mit der Aufforderung, die Ergebnisliste anzupassen. Als auch der zweite Fall klar war, habe er noch überlegt, das Ganze öffentlich zu machen, sich aber dagegen entschieden. Coco Wieland hätte es "das Emotionale an ihrem Sieg" auch nicht wiedergegeben.

Schon im Jahr zuvor habe es Dopingproben in München gegeben, erinnert sich der Organisator, 2016 seien es dann acht gewesen, vier von Männern, vier von Frauen. "Man kann vermuten, dass die Nada (Nationale Anti-Doping-Agentur) als selbständige Organisation mehr in den Breitensport reinleuchten will", sagt Weigl. Er sei mehr als überrascht gewesen von dem doppelten Treffer 2016. "Das war ungläubiges Staunen", sagt er. "Für uns, wo es nur um einen Pokal geht, war das unverständlich. Natürlich wollen wir alle sauberen Sport." Weigl verwendet das Wort "Betrug". Andererseits vermutet er, dass viele Hobbyläufer gar nicht wüssten, dass auch sie bei solchen Rennen Anti-Doping-Richtlinien unterworfen sind und auf verbotene Substanzen achten müssten. Sicherheitshalber hat er die AGB seines Marathons überarbeitet. 2017 seien sogar zwölf Proben genommen worden, "Gott sei Dank alle sauber".

Viel verändert hat sich für Coco Wieland nicht. Auch der dritte Platz sei ihr damals "wurscht" gewesen, wie sie sagt. Sie meint damit, dass es ihr nie um eine Platzierung ging. "Ich wollte die Zwei stehen haben." Schneller sein als drei Stunden. Das gelang. Ihre Geschichte ist durch den Sieg in München nicht erstaunlicher geworden, als sie es ohnehin war: Bis zum 40. Lebensjahr wollte sie einen Marathon schaffen, das habe sie sich mal zum Ziel gesetzt. Bis dahin fuhr sie nur Mountainbike mit ihrem Mann. Mit 39 begann sie zu trainieren, ohne Verein, ohne Trainer. Eine zahnmedizinische Fachangestellte, Ehefrau, Mutter - und Raucherin. 2009 lief sie in München nach 3:43 Stunden ins Ziel. Mit dem Rauchen hörte sie fünf Jahre später auf, 1. September 2014, das Datum weiß sie genau. "Ich bin eine sportliche Spätzünderin", sagt sie. Ihr Talent? "Ich glaube, es liegt an meiner Disziplin." Klar investiere sie nun viel in den Sport, verzichte auf vieles. Ihre sportlichen Ziele seien ihr wichtig geworden. Die Familie unterstützt das.

Sie hat sich inzwischen dem Triathlon zugewandt. Nach drei Staffelteilnahmen will sie in diesem Sommer den Langdistanz-Klassiker in Roth allein bestehen, der Marathon ist nur Schlussetappe. "In den letzten Jahren habe ich immer gesagt: Wenn nur das Schwimmen nicht wäre...", erzählt sie. Seit einem Jahr kann sie kraulen und trainiert täglich für ihr neues Ziel. "Wenn ich etwas will, muss ich das machen - ich freue mich schon riesig." Nach der letzten Staffel in Roth 2017 hat sie dort im Auto übernachtet. Hat, die 42,195 Kilometer in den Knochen, den Wecker auf 3.30 Uhr morgens gestellt und sich zur Anmeldung für 2018 in eine eineinhalb Kilometer lange Schlange eingereiht: "Beim Aufstehen dachte ich, mich tritt ein Pferd."

Am München Marathon 2017 nahm Coco Wieland nicht teil. Aber sie war dort. Im Rahmen der Siegerehrungen erhielt sie einen neuen Pokal für den Sieg von 2016, nebst überdimensioniertem Brot. "Eine lila Vase, der ursprüngliche Pokal war schöner", findet sie. Aber den hat sie zurückgegeben. "Den will ich nicht haben", sagt sie. Dazu muss sie nicht lange nachdenken.

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