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Leichtathletik:Nach NOP-Aus: Klosterhalfen lässt Zukunft offen

Konstanze Klosterhalfen

Konstanze Klosterhalfen.

(Foto: dpa)
  • Konstanze Klosterhalfen lässt ihre Zukunft nach dem Aus des Nike Oregon Projects offen.
  • Sie wolle sowohl mit Nike als auch mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband Gespräche führen.
  • Die Entscheidung könne sie "komplett nachvollziehen", sie selbst könne aber "nur Positives" berichten.

Der Sportartikelkonzern Nike schließt die vielleicht umstrittenste Trainingsgruppe der Welt. Am Freitag bestätigte der Konzern, dass das Nike Oregon Project (NOP) aufgelöst wird. "Wir haben beschlossen, das Oregon-Projekt zu beenden, damit sich die Athleten auf ihre Trainings- und Wettkampfbedürfnisse konzentrieren können", heißt es in der Nike-Stellungnahme. Der Cheftrainer und Gründer des NOP, der Amerikaner Alberto Salazar, sowie der NOP-Arzt Jeffrey Brown waren Anfang Oktober auf Betreiben der amerikanischen Anti-Doping-Agentur Usada wegen diverser Doping-Vergehen für vier Jahre gesperrt worden.

Die Vorwürfe beziehen sich auf die Zeit von 2010 bis 2014. Usada-Chef Travis Tygart hatte festgestellt: "Die Athleten waren Versuchstiere, so muss man es sagen." In dem 250-seitigen Urteil ging es um "hochgradig gefährliche Medikamente" und verboten hohe Infusionen. Salazar bestreitet die Vorwürfe.

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Die deutsche WM-Bronzemedaillengewinnerin Konstanze Klosterhalfen trainierte seit Oktober 2018 beim NOP, allerdings nicht unter Salazar, sondern unter dessen Co-Trainer Pete Julian. Sie kündigte noch bei der WM in Doha an, trotz der Salazar-Sperre nach Oregon zurückkehren zu wollen. Am Freitag sagte sie in einer Stellungnahme, sie wolle sich nun mit Nike und ihrem Team besprechen.

Für das Aus zeigte Klosterhalfen Verständnis. "Es ist ein erster wichtiger Schritt, vor allem die aktuellen Athleten und deren Leistungen zu schützen, denn deren und meine sportliche Leistung ist seit der letzten Woche leider aufgrund der Umstände in den Hintergrund geraten", sagte Klosterhalfen, die vorab informiert wurde.

Klosterhalfen betonte, sie könne die Schließung "komplett nachvollziehen", auch wenn sie über das Team, die anderen Mitglieder und Julian "nur Positives berichten" könne. Nike machte keine Angaben, in welcher Form das Unternehmen künftig seine NOP-Athleten und -Trainer unterstützt und wo der Sitz sein werde. "Wir werden all unseren Athleten bei diesem Übergang helfen, wenn sie die für sie geeigneten Trainingsbedingungen auswählen", hieß es.

"Für mich ist der Beschluss, das Oregon Project nach der Salazar-Sperre zu beenden, eine folgerichtige Entscheidung im Sinne der Athleten und des Sports", sagte Jürgen Kessing, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Generaldirektor Idriss Gonschinska verwies auf die angekündigten "intensiven Gespräche" mit Klosterhalfen und deren Beratern. "Die Entscheidung, wie es weitergeht, wird letztlich Konstanze Klosterhalfen eigenverantwortlich treffen", sagte er aber auch.

Beim NOP trainierte bis 2017 unter anderem der viermalige Olympiasieger Mo Farah. Die Sportler des Projekts räumten auch bei der WM in Doha ab. Wäre das Team im Medaillenspiegel geführt, hätte es so oft Gold wie China geholt und läge auf Rang fünf der Wertung. Sieben der zwölf Ausdauerspezialisten aus Salazars Projekt waren in Doha am Start. Ihre Bilanz: dreimal Gold, einmal Silber - und Bronze für Klosterhalfen.

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