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Gesa Krause:Erwacht aus dem Schlummerstatus

ISTAF Leichtathletik 2019 Berlin Deutschland 01 September 2019 ISTAF Leichtathletik 2019

Plötzlich Weltbestzeit: Läuferin Gesa Felicitas Krause (links, neben der am Ende zweitplatzierten Bahrainerin Winfred Mutile Yavi) lief in Berlin so schnell wie noch niemand über 2000

(Foto: imago)
  • Gesa Krause zeigt sich vor der WM in Katar in blendender Form.
  • Beim Istaf in Berlin ist sie der Hingucker - sie läuft die 2000 Meter Hindernis in 5:52,80 Minuten.
  • "Das Können schlummert ja oft lange in einem", sagt sie.

Von Johannes Knuth, Berlin

Die Helfer hatten das Meiste schon aus dem Innenraum geschafft, Startblöcke, Sprungmatten, die mobilen Fontänen, die zuvor noch Feuer gespuckt hatten. Man übersah fast die Läuferin, die inmitten der Aufräumarbeiten in blauem Shirt und blauer Hose über die blaue Bahn im Berliner Olympiastadion sauste. Gesa Krause hatte zwei Stunden zuvor die 2000 Meter Hindernis in 5:52,80 Minuten hinter sich gebracht, so schnell wie zuvor noch niemand in einem vergleichbaren Rennen, weltweit.

Und jetzt noch ein knackiges Training? Naja, sie sei eher intensiv ausgelaufen, sagte Krause später, so halte sie das nach jedem Rennen - bis aufs Berliner Istaf, aber das bilde ja traditionell den Jahresabschluss der Leichtathleten. Nur eben nicht in diesem Jahr, da rollt die WM im Wüstenemirat Katar erst Ende September los. So lag über allem auch der tiefe Ernst, dass etwas Größeres noch bevorsteht.

Das spätsommerliche Berlin hatte am Sonntag sogar sein Bestes getan, um die Athleten schon mal ins Schwitzen zu bringen. Und die deutschen Vertreter, die sich auch in Doha Großes ausrechnen können, präsentierten sich durchaus ansprechend. Weitspringerin Malaika Mihambo gewann mit 6,99 Metern und schonte sich noch ein wenig für den zweiten Teil des Diamond-League-Finales am Freitag in Brüssel, sie ist in dieser Freiluft-Saison noch immer unbesiegt. Der 4x100-Meter-Staffel der Frauen gelang in 41,67 Sekunden eine Weltjahresbestzeit.

Für Olympia 2020 nimmt sie in Kauf, dass sie oft ihr "ganzes Leben in zwei Koffern" mit sich trägt

Mateusz Przybylko, der Hochsprung-Europameister von 2018, der zuletzt so verkrampft aufgetreten war, dass er seine Saison hatte beenden wollte, schaltete diesmal "den Kopf aus", wie er sagte - schon gewann er, mit 2,30 Metern. Und selbst wenn ein Unterfangen missriet, ging es doch auf, wie bei Alina Reh, die über 5000 Meter stürzte, sich aufrappelte und spontan als Tempomacherin für Hanna Klein einsprang. Die lief so zur WM-Norm, in 15:19,74 Minuten. Aber der größte Hingucker war natürlich Gesa Krause.

"Das Können schlummert ja oft lange in einem", sagte sie am Tag darauf in einem Berliner Hotel, und um dieses Können zu erwecken, muss man "manchmal eine Barriere brechen". Das war ihr schon am Donnerstag in Zürich gelungen, als sie ihren deutschen Rekord über 3000 Meter Hindernis auf 9:07,51 Minuten gedrückt hatte. Und dann, drei Tage später: Weltbestzeit über die kürzere Nebenstrecke, zehn Sekunden unter der alten Marke.

Die Istaf-Macher hatten die Distanz spontan ins Programm genommen, weil Krause das besser in die WM-Vorbereitung passte. Und auch wenn ihre Zeit nicht als Weltrekord in die Geschichtsbücher eingehen wird, weil die Distanz nicht zum Standardrepertoire der Leichtathletik zählt (und die Kenianerin Beatrice Chepkoech die Strecke bei ihrem unwirklichen Weltrekord über 3000 Meter Hindernis sogar in 5:49,81 geschafft hatte) - "so etwas hat man in seinem Leben nicht so oft", sagte Krause feierlich, ehe sie mit angemessener Seriosität hinzufügte: "Ich habe sicher noch nicht alles ausgeschöpft. Ich bin noch nicht satt."

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