Leichtathletik:Gesperrt wegen Rassismus-Verdacht

Mancini, 29, ist U23-Rekordhalter im 60-Meter-Lauf. Nach einem positiven Test auf Nandrolon wurde er 2012 für zwei Jahre wegen Dopings gesperrt. (Foto: imago)

Gegen den Schweizer Sprinter Pascal Mancini wird nach Äußerungen auf Facebook ein Disziplinarverfahren eröffnet.

Der Schweizer Sprinter Pascal Mancini ist vom Verband für die Leichtathletik-Europameisterschaften in Berlin (6. bis 12. August) gesperrt worden, nachdem er rechtsextreme und als rassistisch empfundene Äußerungen auf seiner Facebook-Seite gepostet hatte. Der 29-Jährige habe damit wiederholt gegen eine Vereinbarung verstoßen, die Veröffentlichung seiner politischen Ansichten zu unterlassen, teilte der Schweizer Leichtathletik-Verband mit. "Der Zentralvorstand ist der Ansicht, dass die Verfehlungen des Athleten in Verbindung mit seiner bekannten Gesinnung nicht zu tolerieren sind", begründete Swiss Athletics. Gegen Mancini wird ein Disziplinarverfahren eröffnet, ihm wurde die Lizenz entzogen.

Er hatte nach Angaben der Neuen Zürcher Zeitung Äußerungen des prominenten belgischen Nazi-Kollaborateurs Léon Degrelle verbreitet. Außerdem hatte er auf Facebook ein Affen-Video aus Anlass des Sieges der Franzosen bei der Fußball-WM gepostet. Mancini wollte in der 4x100-Meter-Staffel und im 100-Meter-Lauf antreten, am Sonntag war er als Einzel- und Staffelläufer festgelegt worden, die Situation nach einem Antrag der Geschäftsleitung aber neu beurteilt worden. Die Staffelmitglieder und auch der Staffeltrainer befürchteten zu viel Unruhe.

Mancini wies die Vorwürfe zurück und sieht sich als Opfer einer Medien-Kampagne. "Wäre ich ein Rassist, würde ich es sagen", sagte er der NZZ. Fehler gemacht habe er keinen. Angesprochen auf die von ihm geposteten Zitate sagte er: "Ich wusste nicht, dass das ein SS-Führer und Neonazi war." Bereits 2014 war er mit nationalistischen Gesten aufgefallen. Danach musste er Ende 2016 eine über den normalen Verhaltenskodex hinausgehende Vereinbarung unterschreiben, die ihm untersagt, als Leichtathlet rassistische und diskriminierende Inhalte zu verbreiten.

© SZ vom 02.08.2018 / MOS, DPA - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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