Leichtathletik:Enttäuscht in Eugene

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Leichtathletik: "Ich war wirklich bereit heute, ich kann nicht genau sagen, warum es dann nicht mehr ging": 800-Meter-Expertin Christina Hering.

"Ich war wirklich bereit heute, ich kann nicht genau sagen, warum es dann nicht mehr ging": 800-Meter-Expertin Christina Hering.

(Foto: Laci Perenyi/Imago)

Die Münchner 800-Meter-Läuferin Christina Hering scheidet im Halbfinale bei der Leichtathletik-WM in den USA aus - und macht einen ziemlich ratlosen Eindruck.

Von Andreas Liebmann

Für das Fernsehinterview gelang es Christina Hering immerhin zu lächeln. Froh sei sie, dabei gewesen zu sein, bilanzierte die 800-Meter-Läuferin von der LG Stadtwerke München, mutig habe sie zu Werke gehen wollen in ihrem Halbfinallauf bei der Leichtathletik-WM in Eugene. Gar nicht erst in die Lage geraten, von hinten alle überholen müssen, was nun mal schwer ist. Sie war dann aber selbst von allen überholt worden, trotz ihres mutigen Anfangs. Das sei nicht der Plan gewesen, stellte sie klar. Woran es lag, wisse sie nicht.

In der Mixed Zone ohne Kamera war der 27-Jährigen das Lächeln schwerer gefallen. Sie war nun mal ausgeschieden im Halbfinale. In einem Lauf, den sie selbst nach 2:01,57 Minuten als Achte und damit Letzte abschloss; in dem außer der kenianischen Siegerin Mary Moraa nur noch die Zweitplatzierte hauchdünn unter der Zweiminutenmarke blieb, der also "nicht bombastisch schnell" war; in dem sie lange die zweite Position hielt, günstig auf der Innenbahn - bis dann trotzdem eine nach der anderen außen an ihr vorbeizog. Als 23. von 26 Halbfinalistinnen schied sie schließlich aus, etwas langsamer noch als Majtie Kolberg von der LG Kreis Ahrweiler (20.), der zweiten Deutschen. Und Hering - war ratlos.

Herings Bestzeit von 1:59,41 Minuten ist nun schon knapp drei Jahre alt

Der Vorlauf hatte Kraft gekostet, klar, turbulent war er obendrein. Hinter der Münchnerin war es eingangs der Zielgeraden zu einem Sturz gekommen, der einige ins Straucheln gebracht und Hering selbst etwas nach außen befördert hatte. Dennoch hatte sie auf Rang zwei liegend dadurch sogar einige Schritte Vorsprung bekommen - wurde aber trotzdem noch eingeholt, verpasste die ersten drei Ränge, die die sichere Qualifikation bedeutet hätten, und musste hoffen, dass es noch über die Zeit reichen würde. Das tat es. Zumindest spürte sie im Ziel, dass dieser Vorlauf hart gewesen war. Doch nun, nach dem Halbfinal-Aus, musste sie feststellen, dass sie sich "nicht so am Ende" fühlte, wie es normal wäre, wenn man auf dieser Distanz alles gibt. Sie habe ihre Kräfte irgendwie nicht mobilisieren können. "Ich war wirklich bereit heute, ich kann nicht genau sagen, warum es dann nicht mehr ging", rätselte sie. Das müsse sie sacken lassen.

Christina Herings Bestzeit von 1:59,41 ist knapp drei Jahre alt. Vor einem Jahr bewies sie zuletzt, dass sie ihre Spezialstrecke an guten Tagen in weniger als zwei Minuten laufen kann (mit einer Zeit, die in Eugene zum Finaleinzug gereicht hätte). Nun muss die vielfache deutsche Meisterin weiter darauf warten, dass für sie bei einem Großereignis mal alles zusammenpasst. Am besten bei der Heim-EM Mitte August in München, diese Hoffnung bleibt.

Ihre Trainingskollegin Katharina Trost war in Eugene schon eine Woche vor Hering ausgeschieden, ebenfalls im Halbfinale auf der 1500-Meter-Distanz. Trost aber war zufrieden. Schließlich hatte sie im Vorlauf in 4:03,53 Minuten eine neue persönliche Bestzeit und damit einmal mehr einen bayerischen Rekord aufgestellt.

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