Deutsche LeichtathletikFormsuche vor Tokio

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Schnellste Deutsche -  aber sie will mehr: Gina Lückenkemper sprintete in Dresden bei Gegenwind zum nationalen Titel.
Schnellste Deutsche -  aber sie will mehr: Gina Lückenkemper sprintete in Dresden bei Gegenwind zum nationalen Titel. (Foto: Sven Hoppe/dpa)
  • Deutsche Leichtathleten suchen bei den deutschen Meisterschaften in Dresden unter schwierigen Bedingungen nach Weltklasseleistungen für die bevorstehende WM in Tokio.
  • Gina Lückenkemper sichert sich den vierten nationalen Titel in Serie über 100 Meter, liegt aber mit ihrer Saisonbestleistung nur auf Rang 53 weltweit.
  • Julian Weber führt die Weltbestenliste im Speerwurf an, vermeldet aber körperliche Probleme. Konstanze Klosterhalfen ist währenddessen weit von einer WM-Teilnahme entfernt.
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Die deutschen Leichtathleten um Gina Lückenkemper und Julian Weber fahnden in Dresden bei schwierigen Bedingungen noch nach Weltklasseleistungen.

Von Saskia Aleythe, Dresden

Was leicht aussieht, ist oft am schwersten. Beim Sprint über 100 Meter etwa liegt die Kunst nicht einfach nur darin, schnell zu laufen. Sondern auch darin, es zum richtigen Zeitpunkt zu tun. Gina Lückenkemper hat das im vergangenen Jahr gemerkt: Da gelang ihr im September mit 10,93 Sekunden die neue Bestzeit, auf die sie sieben Jahre gewartet hatte. Blöd nur: Die Olympischen Spiele waren da gerade vorbei, statt eines ersehnten Finaleinzugs auf der größten Bühne gab es nur warmen Applaus beim Istaf-Meeting in Berlin. Andererseits: Im September topfit zu sein, könnte ihr in diesem Jahr helfen, wenn die Weltmeisterschaft in Tokio ansteht.

Eine Hoffnung, die die 28-Jährige auch bei den deutschen Meisterschaften in Dresden vorbrachte, denn momentan sind die Zeiten noch ausbaufähig: Mit 11,17 Sekunden sicherte sich Lückenkemper zwar den vierten nationalen Titel nacheinander, doch für ein WM-Finale würde das nicht reichen. Auch ihre Saisonbestleistung von 11,05 Sekunden bedeutet nur Rang 53 in der Welt. Allerdings: Bei viel Gegenwind waren die Zeiten in Dresden weniger aussagekräftig. „Das war hier der ernstzunehmende Formcheck für die WM. Es war so ärgerlich, dass alle Läufe mit Gegenwind waren“, sagte Lückenkemper. Sie ist eines der wenigen Aushängeschilder, die der Deutsche Leichtathletikverband (DLV) noch hat, und es zeigte sich an mehreren Stellen an diesem Wochenende: Bis zum WM-Start am 13. September muss sich im Team noch einiges tun.

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Mit vier Olympiamedaillen war der DLV vor einem Jahr aus Paris heimgekehrt: Neben Gold für Kugelstoßerin Yemisi Ogunleye und Silber für Zehnkämpfer Leo Neugebauer sowie Weitspringerin Malaika Mihambo hatte Lückenkemper mit der 4×100-Meter-Staffel Bronze gewonnen – eine Erinnerung, die das Team nun in auch in Japan beflügeln soll. „Wir haben das in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt, dass diese Frauen-Staffel was auf dem Kasten hat“, sagte Lückenkemper in Dresden, „ich bin nicht mehr allein auf weiter Flur.“ Olympiasiegerin Ogunleye siegte in Dresden mit 19,29 Metern ungefährdet, gleiches galt für Mihambo. Auch sie hatte mit 6,82 Metern und einem lädiertem Oberschenkel noch Steigerungspotenzial. Ein paar Wochen bleiben den Deutschen noch, um nachzujustieren. Die Schmach von der WM vor zwei Jahren soll sich nicht wiederholen: Damals reiste das Team erstmals ohne Plaketten nach Hause, unter dem Eindruck diverser Absagen waren sie nicht konkurrenzfähig. Große Leistungsentwicklungen wie etwa bei Hammerwerfer Merlin Hummel waren seitdem höchstens punktuell zu verzeichnen.

„Ich war komplett körperlich am Boden“, sagt Konstanze Klosterhalfen – für sie ist die WM-Teilnahme weit weg

In Dresden ärgerte der Wind auch Julian Weber: Der Speerwerfer ist derzeit der einzige deutsche Leichtathlet, der die Weltbestenliste anführt. Seine 91,06 Meter aus Doha im Mai wurden in diesem Jahr noch von keinem anderen in der Welt übertroffen. In Dresden war er davon mit 84,36 Metern auch aufgrund der Verhältnisse weit entfernt, trotzdem konnte er sich konkurrenzlos zum deutschen Meister krönen. Der zweitplatzierte Rio-Olympiasieger Thomas Röhler lag mit seiner Tagesbestweite fast sechs Meter hinter ihm. Weber hatte zuletzt Probleme mit den Adduktoren, „alles zwickt und zwackt so ein bisschen“, sagte er. Mit seiner Leistung konnte er sich in Dresden nicht ganz versöhnen, „es ärgert mich schon ein bisschen, ich wollte mehr zurückgeben.“ Nach seiner Bestleistung im Mai befindet er sich nun auf Orientierungssuche. Weite Würfe würde sein Körper gerade nicht zulassen, auch aufgrund des harten Trainings der letzten Wochen.

Trainingsbelastungen werden im Saisonverlauf unterschiedlich gesteuert, aber da konnte man schon hellhörig werden: Allzu oft waren deutsche Leichtathleten in der Vergangenheit verletzt ausgefallen, weil der Körper vor dem Höhepunkt streikte. Ganz eigene Erfahrungen hat Konstanze Klosterhalfen damit gemacht, die 2019 in Doha noch zu WM-Bronze über 5000 Meter gelaufen war, mittlerweile aber weit von ihrer Bestform entfernt ist. In Dresden kam sie als Dritte ins Ziel, mit 15:36,77 Minuten mehr als eine Minute über ihrer persönlichen Bestleistung. Mehrere Erkrankungen hatten sie in den vergangenen Jahren zurückgeworfen. „Ich war komplett körperlich am Boden“, sagte sie in Dresden, „weil ich einfach komplett im Übertraining war.“ Ein Zustand, den ihr Körper offenbar noch nicht verkraftet hat.

Gesund sei sie jetzt, sagte sie, aber den Abstand zur Spitze konnte sich Klosterhalfen nicht erklären. Seit Februar trainiert sie wieder in den USA bei Pete Julian, der sie im umstrittenen und inzwischen aufgelösten Nike Oregon Project schon betreut hatte. „Es hat sich so angefühlt, als hat er nie aufgehört, mit mir zusammenzuarbeiten“, sagte Klosterhalfen. Für sie liegt eine WM-Teilnahme trotzdem in weiter Ferne.

Was bleibt, sind vereinzelte Glanzpunkte, die so manche Schwachstellen im DLV überstrahlen sollen. Zehnkämpfer Leo Neugebauer hatte wie Doha-Weltmeister Niklas Kaul die WM-Norm schon vorab gemeistert, beide feilten in Dresden nur in einzelnen Disziplinen an ihrer Form. Neugebauer ist in seinem ersten Jahr als Profi nach seiner Collegezeit noch dabei, sich „an das neue Leben zu gewöhnen“, sagte er. Mit 8555 Punkten ist er derzeit nur die Nummer fünf der Welt, nach Paris war Neugebauer als Favorit gereist. Alte Zeiten mittlerweile, das spüren sie im deutschen Team: Die Sportwelt dreht sich immer weiter, mit ihnen oder ohne sie.

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