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Leichtathletik:Comeback mit deutschem Rekord

Langstreckenläuferin Konstanze Klosterhalfen

Ist wieder ihr eigenes Maß: Konstanz Klosterhalfen überrundete bei einem Meeting in Texas alle Konkurrentinnen.

(Foto: Michael Kappeler/dpa)

Rund ein Dreivierteljahr hatte Konstanze Klosterhafen wegen einer Verletzung pausiert. Bei ihrer Rückkehr unterbietet sie prompt die nationale Bestmarke über 10 000 Meter - in ihrem ersten Rennen über diese Distanz überhaupt.

Konstanze Klosterhalfen hat in ihrem allerersten Rennen über die 10 000 Meter gleich den deutschen Rekord gebrochen. Die 24-Jährige aus Leverkusen gewann am vergangenen Samstag den Wettbewerb bei einem Freiluft-Meeting in Austin/Texas in 31:01,71 Minuten. Damit unterbot die WM-Dritte von 2019 über 5000 Meter die fast 30 Jahre alte Bestmarke der Berlinerin Kathrin Ullrich, die im Juni 1991 in Frankfurt 31:03,62 Minuten gelaufen war.

Klosterhalfen schaffte bei schwülem Wetter und Wind auch die Olympia-Norm, die bei 31:25,00 Minuten liegt. "Ich kann's nicht glauben", sagte sie, dabei sei sie auch "ein bisschen nervös" wegen der Länge des Rennens gewesen. Die Ausnahmeläuferin überrundete bei ihrem Erfolg sämtliche anderen Teilnehmerinnen. Klosterhalfen hält mittlerweile auf mehreren Distanzen die deutschen Bestmarken, im Freiluft-Bereich über die Meile, die 3000, die 5000 und nun auch die 10 000 Meter.

Die starke Frühform der 24-Jähirgen überrascht auch deshalb, weil sie wegen einer Überlastungsreaktion im Becken im vergangenen Sommer kein Rennen bestritten hatte. Sie sei immer noch im Aufbautraining und lasse sich da nicht stressen, hatte sie vergangene Woche in einem Podcast des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) gesagt: "Das Hauptziel ist, gesund zu bleiben."

Klosterhalfen trainiert noch immer im US-Staat Oregon

Die zweimalige Hallen-EM-Zweite trainiert nach wie vor in Portland im US-Bundesstaat Oregon bei Pete Julian. Julian war jahrelang ein enger Vertrauter von Alberto Salazar gewesen, der während der WM 2019 für vier Jahre wegen Dopingvergehen gesperrt wurde. Salazar hat dagegen vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas Einspruch eingelegt, das Verfahren soll demnächst verhandelt werden. Die ehemalige Salazar-Athletin Mary Cain hatte ihrem Trainer zudem seelischen und körperlichen Missbrauch vorgeworfen und dabei auch Pete Julian mangelnde Unterstützung attestiert. Die Vorwürfe wurden von einer Reihe einstiger NOP-Mitglieder und Betreuer gestützt.

Das von Salazar geleitete Nike Oregon Project (NOP), dem sich Klosterhalfen vor zwei Jahren angeschlossen hatte, ist mittlerweile geschlossen, "aber die Infrastruktur wie Laufbahn, Fitnesscenter usw. am Nike-Headquarter besteht natürlich weiterhin und wird von Konstanze auch genutzt", hatte Klosterhalfens Management im vergangenen Jahr gesagt. Kurz zuvor war es zu einem Austausch zwischen der Athletin, ihrem Mentor Oliver Mintzlaff (dem Fußballmanager von RB Leipzig) und dem DLV gekommen. Die Athletin habe bekräftigt, dass sie weiter in Amerika mit Julian trainieren möchte, bestätigte DLV-Generaldirektor Idriss Gonschinska damals: "Es ist eine Entscheidung, die sie getroffen hat und die wir respektieren."

"Ich bin sehr glücklich und überwältigt", sagte Klosterhalfen nun nach ihrem Comeback. "Der Wind hat etwas gestört, und ich habe gehofft, dass sie schneller Musik spielen, damit ich auch schneller werde." Ob für sie in Tokio ein Doppelstart über 10 000 und 5000 Meter in Frage käme, darauf wollte sie sich nicht festlegen: "Bis Olympia ist noch ein weiter Weg."

© SZ/dpa/jkn/cca
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