Leichtathletik-EM:Mihambo gewinnt Gold im Weitsprung

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7,22 Meter im zweiten Versuch - ein außergewöhnlicher Sprung, sogar für Olympiasiegerin Malaika Mihambo. (Foto: Oliver Weiken/dpa)

Am letzten Tag der Leichtathletik-EM von Rom ist Malaika Mihambo nicht zu schlagen. Die Deutsche gewinnt mit der Weltjahresbestleistung von 7,22 Metern – es ist der zweitweiteste Sprung ihrer Karriere.

Malaika Mihambo ist zurück auf Europas Weitsprung-Thron. Die Olympiasiegerin flog zum Abschluss der Leichtathletik-EM in Rom mit dem zweitbesten Sprung ihrer Karriere auf 7,22 Meter und gewann damit nach 2018 ihren zweiten Europameister-Titel. Ihre DLV-Kollegin Mikaelle Assani (Baden-Baden) verpasste mit 6,91 Metern als Vierte haarscharf das Podium. Mihambo tankte mit der ersten deutschen Goldmedaille in Italien weiteres Selbstvertrauen für die Olympischen Spiele. In Paris will die 30-Jährige als erste Weitspringerin der Geschichte ihr zweites Olympia-Gold in Serie holen. Assani, die ihre persönliche Bestleistung auf der als Steg in rund drei Metern Höhe angelegten Anlage im Stadio Olimpico einstellte und erst im letzten Durchgang vom Bronzerang purzelte, darf sich in Frankreich zumindest Außenseiterchancen ausrechnen.

„Es ist irgendwo der Wahnsinn. Ich habe mich echt gefreut. Ich habe eine kleine Gänsehaut bekommen, weil es der zweitweiteste Sprung in meinem Leben war. Es ist eine sehr besondere Meisterschaft mit einer außergewöhnlichen Leistung. Ich bin sehr happy“, sagte die zweimalige Weltmeisterin im ZDF.

Hinter Mihambo, die mit ihrer Weltjahresbestleistung die US-Amerikanerin Tara Davis-Woodhall (7,18) im Ranking ablöste, ging Silber an die Italienerin Larissa Iapichino (6,94). Bronze holte Agate de Sousa. Die Portugiesin erzielte wie Assani 6,91 Meter, konnte aber den besseren zweitbesten Sprung gegenüber der Deutschen vorweisen.

Vor zwei Jahren in München hatte Mihambo geschwächt von einer Coronavirus-Infektion Silber gewonnen. „Für mich ist es auf jeden Fall eine Meisterschaft, die ich sehr ernst nehme“, hatte Mihambo im Vorfeld der EM dem Sportinformationsdienst gesagt: „Aber natürlich ist klar, dass in Paris dann im Sommer der absolute Höhepunkt gesetzt wird.“ Und dafür ist Deutschlands Leichtathletik-Star auf einem sehr guten Weg, schon in der Qualifikation war sie erstmals in diesem Jahr über die 7-Meter-Marke gesprungen. Im Finale startete sie vorsichtig mit 6,70 Meter, ließ dann im zweiten Versuch aber ihren Fabelsprung folgen.

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Malaika Mihambo zeigt trotz Einschränkung einen starken Wettkampf - doch es reicht knapp nicht für den Titel. Am Ende ist die kürzlich an Corona erkrankte Weitspringerin derart verausgabt, dass ihr Kreislauf kollabiert.

Von Karoline Kipper

Ihr Heimtrainer Uli Knapp sprach im ZDF von einem „annähernd perfekten“ Versuch: „Wir warten wirklich seit drei, vier Jahren auf so einen Sprung. Die Zwischenmarke hat perfekt gestimmt, das Rhythmisieren war richtig und am Brett hat es genau gepasst“, sagte er und ergänzte: „Zum Glück war minus 1,4 Gegenwind, sonst wäre der ungültig gewesen.“ Nur bei ihrem WM-Triumph 2019 in Doha war Mihambo, die im fünften Versuch einen weiteren 7-Meter-Sprung (7,04) folgen ließ, bislang weiter gesprungen (7,30). Laura Raquel Müller war in der Qualifikation ausgeschieden, Weltmeisterin und Titelverteidigerin Ivana Spanovic war nicht am Start.

Speerwerfer Weber gewinnt Silber

Der deutsche Speerwerfer Julian Weber hat seinen EM-Titel in einem spannenden Wettkampf verloren, aber eine weitere deutsche Medaille in Rom gewonnen. Der Mainzer erzielte am Mittwoch gleich in seinem ersten Versuch 85,94 Meter und holte damit Silber. Der Titel am letzten Wettkampftag im Stadio Olimpico ging an den tschechischen Olympia-Zweiten Jakub Vadlejch, der Weber im letzten Versuch mit 88,65 m noch abfing. Bronze holte Oliver Helander (Finnland/85,75).

„Es ist natürlich ärgerlich, ich gönne es Jakub, er ist ein super Typ. Natürlich hätte ich meinen Titel gern verteidigt“, sagte Weber im ZDF: „Ich bin mega zufrieden mit Silber. Ich habe gezeigt, was ich kann - ich hätte gern noch mehr gezeigt. Jetzt ist noch etwas Zeit, weiter Gas zu geben und es dann bei Olympia zu zeigen.“ Trotz der missglückten Titelverteidigung untermauerte der Sportsoldat seine Ambitionen für die Olympischen Sommerspiele in Paris. An der Seine möchte Weber unbedingt eine Medaille gewinnen, nachdem ihm vor drei Jahren in Tokio als Vierter lediglich 14 Zentimeter gefehlt hatten.

Staffeln mit Bronze

Die deutsche 4x400-Meter-Staffel der Männer hat sich bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Rom die Bronzemedaille geholt und sogar Silber nur hauchdünn verpasst. Manuel Sanders, der Einzel-Siebte Jean Paul Bredau, Marc Koch und Hürden-Spezialist Emil Agyekum waren in 3:00,82 Minuten nur eine Hundertstelsekunde langsamer als Italien. Der Sieg ging in 2:59,84 Minuten an die belgische Auswahl. Die deutsche Frauen-Staffel mit Skadi Schier, Alica Schmidt, Luna Bulmahn und Eileen Demes kam in 3:27,11 Minuten auf Platz acht, es gewannen die Niederländerinnen mit Hürden-Europameisterin Femke Bol in 3:22,39 Minuten.

Das DLV-Quartett darf nach seinem EM-Auftritt darauf hoffen, es wie die schon qualifizierten anderen deutschen Staffeln zu den Olympischen Spielen nach Paris zu schaffen. 800-Meter-Läuferin Majtie Kolberg belegte den guten fünften Platz. Die 24-Jährige von der LG Kreis Ahrweiler lief nach 1:59,87 Minuten ins Ziel, das reichte nicht ganz für eine überraschende Medaille. Die britische Titelverteidigerin Keely Hodgkinson siegte in 1:58,65 Minuten.

Die deutsche 4x100-Meter-Staffel der Männer hat Bronze geholt. Kevin Kranz, der Einzel-Fünfte Owen Ansah, Deniz Almas und Lucas Ansah-Peprah kamen nach 38,52 Sekunden ins Ziel. Gold holten am Mittwoch in Rom überlegen die Gastgeber aus Italien um Olympiasieger und Einzel-Europameister Marcell Jacobs in 37,82 Sekunden. Die Niederländer wurden Zweite in 38,46 Sekunden. Zwei Jahre nach dem Gewinn des Europameistertitels wurde die veränderte deutsche 4x100-Meter-Staffel der Frauen Fünfte. Sophia Junk, Nele Jaworski sowie die München-Europameisterinnen Gina Lückenkemper und Rebekka Haase liefen am Mittwoch 42,61 Sekunden. Lückenkemper war auch im Einzel Fünfte geworden. Zu Gold stürmte diesmal das britische Quartett in 41,91 Sekunden vor den Staffeln aus Frankreich (42,15) und den Niederlanden (42,46).

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