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Tod des Leicester-Klubpräsidenten:"Die Welt hat einen großartigen Mann verloren"

Nach dem Absturz kondolierten am Sonntag vor dem Stadion junge und alte Stadtbewohner.

(Foto: AFP)
  • Der thailändische Präsident von Leicester City, Vichai Srivaddhanaprabha, stürzt mit seinem Hubschrauber ab. Er und vier weitere Personen sterben.
  • Srivaddhanaprabha war in Leicester sehr populär, seit er den Klub 2016 überraschend zum Meistertitel geführt hat. Sein Tod versetzt die Stadt in tiefe Trauer.
  • "Für mich warst du eine Legende, ein unglaublicher Mann, der alles für mich, meine Familie und den Klub getan hat", sagt Stürmer Jamie Vardy.

Am frühen Sonntagmorgen kamen die Ersten zum Stadion am Filbert Way, um Blumengebinde und Kerzen abzulegen. Jemand hatte ein Bild der Hindu-Gottheit Ganesha an die Wand gelehnt. Reihen von blauweißen Schals des FC Leicester City waren davor drapiert, aber auch Trikots in den Farben von Aston Villa oder Manchester City. Das Wort "Danke" stand auf einer schlichten Karte.

Auch am Tag nach dem Absturz des Hubschraubers des Klubpräsidenten Vichai Srivaddhanaprabha war unklar, wie es zu der Katastrophe kommen konnte, die viele, die dem Verein und seinem Eigner nahestanden, Fans, Zuschauer, aber auch Angestellte von Leicester City, aus kürzester Distanz erleben mussten. Dass der Helikopter des Präsidenten nach jedem Heimspiel mit dem Chef an Bord vom Rasen abhob, war seit 2010, dem Jahr, als der thailändische Unternehmer Srivaddhanaprabha den Klub übernommen hatte, zur Tradition geworden.

Auch am Samstag, eine Stunde nach Abpfiff des 1:1 gegen West Ham, drehten sich wie üblich die Rotoren. Die Maschine, eine Agusta Westland AW169, überquerte das Stadiondach und begann dann unkontrolliert wie ein Kreisel zu trudeln, berichtete ein Augenzeuge dem Sender BBC Radio Leicester. Auch Peter Shilton, früher englischer Nationaltorwart und in Leicester geboren, sah, wie der Hubschrauber nach dem Aufprall um 20.30 Uhr in Flammen aufging, wie er später auf Twitter schrieb: "Ich bete für alle, die von dem Unglück betroffen sind." Leicesters Keeper Kasper Schmeichel soll als einer der Ersten zum Unglücksort gelaufen sein.

Jamie Vardie in tiefer Trauer

Die Absturzstelle liegt außerhalb der King Power Arena auf dem Stadiongelände in einem Teil des Parkplatzes, der von den Klubangestellten genutzt wird. Ob Passanten am Boden durch das Unglück verletzt wurden, blieb zunächst unklar, ebenso die Zahl der Helikopter-Passagiere und die Frage, ob Srivaddhanaprabha tatsächlich an Bord gewesen war. Erst am späten Sonntagabend bestätigte der Klub per Twitter und "mit tiefstem Bedauern und gebrochenem Herzen", dass Vichai Srivaddhanaprabha bei dem Absturz ums Leben gekommen ist, ebenso wie vier weitere Personen. Aiyawatt Srivaddhanaprabha, der Sohn des Klubeigners, der auch als Vizepräsident fungiert, war an diesem Samstagabend nicht im Stadion.

"Die Welt hat einen großartigen Mann verloren. Einen Mann voller Freundlichkeit und Großzügigkeit. Er hat Leicester geführt wie eine Familie", teilte der Klub mit. Auch Jamie Vardy, der englische Nationalstürmer von Leicester, machte seiner Trauer Luft: "Es ist schwierig, die richtigen Worte zu finden. Aber für mich warst du eine Legende, ein unglaublicher Mann, der alles für mich, meine Familie und den Klub getan hat", schrieb Vardy bei Instagram.

Dass Leicester, die Stadt und der Klub, dem thailändischen Gönner viel zu verdanken haben, steht außer Frage. Als "sehr, sehr großzügigen Menschen", beschrieb ihn am Sonntag Sven-Goran Eriksson, der erste Trainer, den Vichai Srivaddhanaprabha verpflichtet hatte, als er vor acht Jahren für 39 Millionen Pfund Sterling den Fußball-Zweitligisten übernahm - einen Klub mit großer Tradition, aber damals ohne nennenswerte Perspektive. In Thailand ist Srivaddhanaprabha mit Duty-Free-Läden zum Milliardär geworden, sein Unternehmen King Power betreibt unter anderem die Ladenflächen in Thailands größtem Flughafen Bangkok-Suvarnabhumi; nach diesem Geschäftserfolg ist auch das Stadion in Leicester benannt.

Klubpräsident Vichai Srivaddhanaprabha im Jahr 2016

(Foto: AFP)

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