LeBron James in der NBA:Er hat geniest!

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Überlebensgroß, drunter macht es Hollywood nicht: LeBron James auf einer Häuserwand in Los Angeles. (Foto: REUTERS)
  • Der beste aktive Basketballer der Welt, LeBron James, startet seine Saison bei den Los Angeles Lakers.
  • Er wird in der Filmstadt mit einem monströsen Hype empfangen. Ungewöhnlich für eine Stadt, die normalerweise mit Stars umgehen kann.
  • Die Lakers starten aber zunächst mit drei Niederlagen in die Saison. Und mit einer Prügelei.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Und dann, vier Minuten vor dem Ende dieser Partie zwischen den Los Angeles Lakers und den Houston Rockets, da sprangen sogar die Promis am Spielfeldrand auf. Schauspieler Jack Nicholson war da, Sänger Adam Levine, Boxer Floyd Mayweather, Unternehmerin Kendall Jenner, aber sie waren eigentlich nicht wegen der Prügelei gekommen, die sich Lakers-Spielmacher Rajon Rondo und Rockets-Aufbauspieler Chris Paul nun lieferten. Es war ein eher zünftiges Handgemenge, die beiden und Lakers-Spieler Brandon Ingram (den die NBA als Initiator der Schlägerei ansah) wurden von der Liga mit Sperren über mehrere Spiele belegt. Aber die Prominenz in der Halle wollte eigentlich keinen verkappten Kampfsport sehen, sondern was seit Monaten unter dem PR-Begriff LakeShow vermarktet wird: ein neues Zeitalter bei den Lakers, das mindestens so spektakulär und erfolgreich sein soll wie die Showtime-Ära in den 1980er Jahren.

Wer die Dimension des Fan-Ansturms und die Stimmung am Samstagabend im Staples Center einordnen will, sollte bedenken, was sonst noch los war in Los Angeles an diesem Wochenende. Countrybarde Willie Nelson gab in der Hollywood Bowl ein Konzert, Rapper Drake und Rockmusiker Nick Cave gaben je eines im Forum. Auf dem Messegelände fand Politicon statt, die bedeutsamste politische Veranstaltung vor den Kongresswahlen, den Midterms. Es gab College-Football in der Rose Bowl und Profi-Football im Coliseum, Eishockey im Staples Center und Fußball im neuen Stadion. Zudem: Filmfestival, Foodfestival und einen Stern auf dem Walk of Fame für den Unternehmer Richard Branson.

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Es ist immer zu viel los in dieser Stadt, und dabei fällt das Heimspiel eines Basketballteams sonst nicht auf. Zumal eines Teams, das gerade kaum Chancen auf den Titel hat, und daher die Partie auch verlor. Andererseits handelt es sich hier um die Los Angeles Lakers, die nicht wenige Menschen (bei allem Respekt für Manchester United oder den New York Yankees) als bekanntesten Sportverein dieses Planeten bezeichnen. Und es war das erste Heimspiel mit LeBron James, dem (bei allem Respekt für James Harden, Steph Curry und Kawhi Leonard) noch immer besten aktiven Basketballer der Welt.

Einen Hype wie in den vergangenen Wochen hat diese Stadt noch nicht gesehen, zumal wegen einem, der hier noch nichts erreicht hat. Ein Sportler muss sich die Gunst dieser Metropole eigentlich erst mit vielen Meisterschaften erspielen. Der Fußballer Zlatan Ibrahimovic bekam das zu spüren. Bei seiner Ankunft schaltete er eine ganzseitige Anzeige in der Los Angeles Times mit einem gönnerhaften "You're welcome" ("Bitteschön"), daraufhin gaben die meisten Einwohner an, sich nicht daran zu erinnern, sich bei diesem unbekannten Typen je bedankt zu haben. Bei James liegen die Dinge nun anders. Zwar haben die Lakers 16 Titel gewonnen, was Rekord ist. Dabei waren Ausnahmespieler wie Magic Johnson, Kareem Abdul-Jabbar, Wilt Chamberlain, Shaquille O'Neal, Kobe Bryant. Doch die vergangenen Spielzeiten waren wieder derart erfolglos, dass James nun als Heilsbringer gefeiert wird.

In Los Angeles prangen bereits fünf Meter hohe Wandgemälde - mit dem Konterfei von James

"Ich weiß nicht, wie das damals war - aber so stelle ich mir die Beatlemania vor", verglich Rondo die Lage mit der Ankunft der Beatles in den USA vor fünf Jahrzehnten: "Wohin wir auch kommen, stehen auf beiden Straßenseiten Leute und jubeln, und wenn LeBron niest, wird das von mindestens zehn Experten analysiert." In Los Angeles prangen bereits fünf Meter hohe Wandmalereien mit James' Konterfei, im Lakers-Shop sind neun von zehn Artikeln auf den Mann ausgerichtet, der den Spitznamen "The Chosen One" (der Auserwählte) auf den Rücken tätowiert hat.

Als Streitschlichter (li.) bremst LeBron James Houstons zürnenden Chris Paul. Paul behauptete, von Gegner Rajon Rondo (re.) bespuckt worden zu sein. (Foto: AP)

Es fehlt nur noch, dass sie ihm am nördlichen Eingang des Staples Center schon eine Statue hinstellen, zwischen Magic und O'Neal. Der aktuelle Kader jedoch ist eher ein Versprechen auf eine grandiose Zukunft als eine Garantie für die Gegenwart. Mit dabei sind die jungen Aufbauspieler Lonzo Ball, Kentavious Caldwell-Pope und Josh Hart, die jungen Flügelspieler Brandon Ingram und Kyle Kuzma, und die deutschen Liga-Neulinge Moritz Wagner (noch am Knie verletzt) und Isaac Bonga (gegen Houston nicht im Kader). In dieser Saison dürfte es nur um den Einzug in die Playoffs gehen, mit ein paar hochkarätigen Zugängen im Sommer - im Gespräch sind Kawhi Leonard (Toronto) und Kevin Durant (Golden State Warriors) - sollen die Lakers dann zum Titelkandidaten werden.

Trotzdem war schon am Samstag viel los in der Arena, denn die Leute erwarten schon jetzt Außergewöhnliches von James und den Lakers. Gewöhnlich erscheinen viele Zuschauer 30 Minuten zu spät zu Sportereignissen und verlassen die Arena deutlich vor Spielende - der Sport selber ist vielen wohl nicht so wichtig. Doch diesmal war das Staples Center bereits zur Nationalhymne fast voll besetzt, und alle blieben bis zum Ende und erlebten das Handgemenge zwischen Rondo und Paul, das entstand, weil der Erste den Zweiten bespuckt haben soll.

James aber äußerte sich eher zur spannenden Partie: "Ich bin wirklich nicht enttäuscht, wir haben alles gegeben, es war ein aufregendes Spiel - wir sind nun mal noch nicht auf einem Niveau mit den Rockets." Er selbst schaffte 24 Punkte, fünf Rebounds und fünf Zuspiele, aber trotz spektakulärer Dunkings und eines monströsen Blocks blieb der erste Heimauftritt des Auserwählten doch eher gewöhnlich. Ein paar Tage später waren es gegen die San Antonio Spurs immerhin 32 Punkte (acht Rebounds, 14 Zuspiele), aber unterm Strich stand die dritte Niederlage im dritten Spiel für die Lakers (142:143 nach Verlängerung).

Als James nach der Prügelei die Kabine verließ, trug er eine blaue Dodgers-Mütze, auf der die Buchstaben LA und zwei Palmen aufgestickt waren - ein dezenter Hinweis darauf, dass er sich wohl fühlt in seiner neuen Heimat. An der Seite der Mütze stand aber auch eine deutliche Botschaft von James, eine Antwort auf die Frage, was sein neuer Klub werden muss: "Better", stand da. Besser.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir im unteren Bild fälschlicherweise den Rockets-Spieler Chris Paul als "Paul Gasol" bezeichnet. Letzterer heißt korrekt Pau Gasol und spielt bei den San Antonio Spurs.

© SZ vom 22.10.2018 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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