Lausbuben-Frisuren in der Nationalelf:Ihr habt die Haare gleich

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Bundestrainer Joachim Löw legt mit seinem EM-Kader auch gleich den Frisurentrend des Jahres fest: Oben lang, seitlich kurz. Vor allem die jungen Spieler gehen offenbar zum gleichen Frisör. Nur die spanische Fraktion im Team setzt weiter auf Gelmatte.

Katharina Sorg

Sag mal, die gleichen sich ja bis aufs Haar! Am Montag hat Jogi Löw seinen vorläufigen EM-Kader benannt und dabei fiel auf: Er hat damit offensichtlich auch gleich die "Offizielle Spielerfrisur 2012" nominiert.

Fussballerfriesen

Mannschaftliche Geschlossenheit: Holger Badstuber, Mario Götze, Mario Gómez, Benedikt Höwedes, André Schürrle und Marco Reus (von links oben im Uhrzeigersinn) legen den Frisurentrend 2012 fest.

(Foto: dapd)

Löw selbst kann sich dem Trend noch entziehen und hält an seiner altbekannten Matte fest, doch allein sechs Spieler des Kaders sehen auf den offiziellen Bildern des DFB auf dem Kopf nahezu gleich aus. Der neue Mannschaftshaarschnitt geht so: An den Seiten kurz, oben lang und verwegen zur Seite gegelt. Das Wort Olaseku (oben lang, seitlich kurz) machte dafür schon die Runde.

In welche Richtung die Haare gestylt werden variiert. Marco Reus gelt seine klar nach links, ebenso wie André Schürrle. Mario Götzes Haare haben einen leichten Rechtsdrall mit Tendenz nach oben. Holger Badstuber trägt sie nach rechts frisiert, ebenso wie Mario Gómez. Der hat den Trend vor geraumer Zeit bereits vorgemacht. Undercut heißt der Schnitt, den Gomez trägt. Das Deckhaar ist dabei noch ein wenig länger als bei den jüngeren Kollegen.

So läuft der Spieler von heute auf den Platz: Gepflegt zum Lausbuben gegelt. Vorbei die Zeiten der Matten à la Günter Netzer oder Rudi Völler. Mit dem Ausfall des spanischen Haarkünstlers Puyol bei der EM verschwindet nun auch eine der letzten Mähnen von der Fußballbühne.

Seit David Beckham tragen Fußballer nicht mehr nur Haare auf dem Kopf, sondern Trends zur Schau. Beckhams aktuelle Haupthaar-Variationen ließen ganze Dorfmannschaften zum Friseur pilgern. Er stylte es vor, alle machten es nach. Doch die Vorgabe für die neue Nationalmannschafts-Frisur stammt nicht vom englischen Kicker. Der trägt es oben rum deutlich länger.

Kein Solo für Schweinsteiger mehr

Die neue Lausbuben-Einheit beendet auch die Ära eines anderen Frisurenmeisters. Vorbei ist nun das Solo für Schweinsteiger in der Nationalmannschaft. Bisher war er es, der mit seinen Variationen in Haarschnitt-und Farbe alle Aufmerksamkeit auf sich zog. Von silber bis wasserstoffblond war da schon alles zu sehen. Inzwischen gehört er zu den älteren Spielern und trägt seine Haare kurz und unauffällig. Understatement statt Igel-Frisur.

Die neue Generation ist damit auch an ihren Haaren zu erkennen, und bildet hier schon die von Löw geforderte Einheit. Die Frisur lässt keinen herausstechen, keiner stylt sich in den Vordergrund, die neue Frisur kleidet das Haupt des Teamplayers, der sich in die Mannschaft integriert. Man denke nur an den legendären Tiger am Hinterkopf, präsentiert von Stefan Effenberg - in dieser Mannschaft undenkbar.

Die Kollektivierung der Haarschnitte ist auch ein äußerliches Zeichen von Löws Spielerphilosophie. Allerdings gibt es Ausnahmen: Özil, Wiese und Khedira setzen weiter auf die Gelmatte, Cacau, Lahm und Podolski tragen weniger Frisur als schlicht Haare auf dem Kopf und Manuel Neuer, Lars Bender und Toni Kroos tendieren schon eher Richtung gelfreier Lausbuben-Einheit.

Fraglich bleibt, wer bei diesen Frisuren künftig bei Eckstößen für die Kopfbälle zuständig sein soll: Miroslav Klose, übernehmen Sie.

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