Süddeutsche Zeitung

Lars und Sven Bender:"Wir tun einfach alles, um jedes Drecksspiel zu gewinnen"

Erstmals seit acht Jahren spielen die Zwillinge Lars und Sven Bender wieder für denselben Klub. Im SZ-Interview sprechen sie über Risiko im Fußball, ihren Stil - und was sie sich von Talenten wünschen.

Von Moritz Kielbassa und Christof Kneer

Vor acht Jahren haben sich die Wege von Sven und Lars Bender getrennt, der eine wechselte vom TSV 1860 München zu Borussia Dortmund, der andere zu Bayer 04 Leverkusen. Nun feiern die Zwillinge, inzwischen 28, ihre ganz persönliche Wiedervereinigung: Nach Sven Benders Wechsel zu Bayer Leverkusen spielen beide zum ersten Mal seit damals wieder im gleichen Verein. Dennoch legen beide im SZ-Doppel-Interview (Wochenend-Ausgabe) großen Wert darauf, dass sie "nicht mehr als Paket wahrgenommen" werden, wie Sven Bender sagt. "Wir sind acht Jahre unseren Weg unabhängig voneinander gegangen und haben uns zu Persönlichkeiten entwickelt", sagt Lars Bender, "und das wollen wir auch im selben Team so beibehalten."

Gemeinsam sollen sie nun aber die Mentalität des begabten, zuletzt aber durchaus labilen Leverkusener Teams stärken. Er wolle auch als Neuzugang "führen und vorangehen", sagt Sven Bender, während sein Bruder als Kapitän von den jungen Spielern "erwartet, dass sie den Übergang vom Status eines Talents zu Verantwortung und Führung schaffen. So, wie wir vor ein paar Jahren".

Gemeinsam appellieren sie an die neue Generation von Talenten, sich ruhig etwas von der Einstellung der Benders abzuschauen. "Wir freuen uns, wenn ein paar Prozent davon auf unsere Mitspieler abfärben", sagt Sven Bender. Im Profifußball gehe es allen zu gut, ergänzt Zwillingsbruder Lars, "und wer das nicht zu schätzen weiß, der geht vielleicht nicht über Grenzen. Genau das solltest du aber: Dir sollte immer bewusst sein, wie deine Gegenleistung auszusehen hat".

Mit ihrer leidenschaftlichen Einstellung und ihrem riskanten Spielstil erklären die Brüder auch die Vielzahl an Verletzungen, unter denen sie zuletzt immer wieder zu leiden hatten. "Wir gehen aber nie, nie, nie von dieser Spielweise weg", sagt Lars Bender, "wir wären ohne sie nie da oben im Fußball angekommen. Wenn es irgendwann aus Verletzungsgründen nicht mehr geht, dann müssen wir das akzeptieren. Dann gehen wir halt." Man wolle sich aber "nie den Vorwurf machen, irgendwann den Fuß weggezogen zu haben oder irgendwo feige hochgesprungen zu sein". Und Sven Bender sagt: "Wir tun einfach alles, um jedes Drecksspiel zu gewinnen. Da denkst du nicht über deine Spielweise nach."

Gleichzeitig räumt Lars Bender ein, wie sehr ihn die vergangene Saison in Leverkusen belastet hat, in der er insgesamt neunmal ausgefallen war. "Immer wieder Reha, immer wieder Rückschläge, ich muss gestehen: Manchmal habe ich mir Gedanken gemacht, wie es weitergehen soll. Geht's überhaupt noch richtig weiter? Wird der Fuß nochmal?" Trotz seiner vielen Fehlzeiten habe er sich als Kapitän "für das ganze Team und die ganze Problematik" verantwortlich gefühlt, "aber wo sollst du die Energie hernehmen, wenn du selber verletzt bist? An manchen Tagen war ich wirklich ausgebrannt."

Im SZ-Interview sprechen die beiden auch darüber, wie all die Talente sie aus der Nationalmannschaft verdrängt haben und warum ihnen beim Anblick des TSV 1860 München das Herz blutet.

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