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Lance Armstrong bei Oprah über Doping:Geständnis ohne echte Entschuldigung

Der erste Teil des Interviews mit dem einstigen Radfahrer ist ausgestrahlt, Armstrong hat einiges über Doping gesagt. Viel interessanter ist jedoch, was er nicht gesagt hat. Klar wird: Da will sich einer moralisch rechtfertigen. Doch die Menschen wollen keine Sentimentalitäten hören. Sie wollen Namen. Sie wollen Details. Und sie wollen eine Entschuldigung.

Nach etwa 20 Minuten sagte Lance Armstrong den wohl wichtigsten Satz dieses Interviews. Er war gerade dabei, geschickt um eine direkte Frage der Moderatorin zu lavieren, da pausierte Armstrong kurz, sah Winfrey an und sagte: "Ich bin vielleicht nicht der glaubwürdigste Mensch auf Erden heute." Da dürften Millionen Menschen vor den Fernsehern den Kopf geschüttelt und gerufen haben: Nein, Mister Armstrong, das sind Sie nicht!

Der erste Teil des Interviews mit dem einstigen Radfahrer ist ausgestrahlt, Lance Armstrong hat einiges gesagt: Er gab zu, bei all seinen Tour-de-France-Siegen leistungsfördernde Mittel (Epo, Testosteron, Eigenblutdoping) genommen zu haben. Er gab an, dass eine derartige Leistung ohne Doping nicht möglich gewesen wäre. Er gestand, jahrelang gelogen zu haben.

Er sagt, dass er keine Angst gehabt habe, erwischt zu werden, weil die Tests damals nicht sehr ausgereift gewesen seien, die Kontrollen löchrig. Erst die Einführung des biologischen Passes habe die Einnahme verbotener Mittel deutlich erschwert. Doping, so Armstrong, sei so selbstverständlich wie "Reifen aufpumpen" gewesen. Er gab an, ein "arroganter Sack" gewesen zu sein, der andere herumgeschubst, beleidigt und verletzt habe - einer, der "um jeden Preis gewinnen wollte".

Interessanter ist, was er nicht sagt

Das hört sich zunächst spektakulär an, ist jedoch letztlich so, als hätte Armstrong gesagt, dass die Erde eine Kugel ist, die sich um die Sonne dreht. Das ist alles bekannt, nicht zuletzt durch das mehr als 1000 Seiten umfassende Dossier der amerikanischen Anti-Doping-Agentur Usada, die Armstrong vorwirft, für "das ausgeklügeltste, professionellste und erfolgreichste Dopingprogramm, das der Sport je gesehen hat", verantwortlich zu sein.

Viel interessanter und spektakulärer ist deshalb, was Lance Armstrong nicht gesagt hat. Zum Beispiel sagte er kein einziges Mal direkt in die Kamera: "Es tut mir leid!" Er kündigt immer wieder an, sich entschuldigen zu wollen - doch letztlich tut er es nicht.

Vielmehr wurden die Motive deutlich, dass er für seine Aussagen ein Hotelzimmer in Austin gewählt hat und keinen Gerichtssaal. Er möchte nicht wirklich erklären, was da passiert ist beim Dopen damals. Er will sich auch nicht von Schuld befreien. Er will sich nicht entschuldigen.

Armstrong möchte, das wird in diesen 65 Minuten deutlich, eine moralische Rechtfertigung abgeben für sein Tun. In den Vereinigten Staaten gilt das so genannte "coming clean", das Eingestehen der Fehler, als wichtigster Schritt auf dem Weg zur Rehabilitation. Schlimmer als die Tat selbst ist die Lüge - und nur wer das Lügengebäude in die Luft sprengt, dem kann verziehen werden.