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Länderspiel-Gegner Israel:Wie der "Deutsche" Israel trainiert

Israel ist ein kleines Fußballland, eine Niederlage im Testspiel gegen Deutschland gilt als selbstverständlich. Doch Coach Eli Guttman will in Zukunft mehr erreichen als nur Siege gegen Malta. Wegen seines Hanges zu Ordnung und Disziplin gilt der Fußballlehrer in seiner Heimat fast schon als deutscher Wertarbeiter.

Vereine und Verbände schmücken sich im Fußball gern mit Pokalen. Je voller die Vitrinen, desto größer der Stolz. Im Hauptquartier des Israelischen Fußballbundes (IFA) in Tel Aviv jedoch schmücken keine Trophäen die Räume, sondern Mannschaftsfotos - von Manchester United, von Ajax Amsterdam, von Bayern München.

Israel's Shechter reacts after scoring a goal against Czech Republic during their international friendly soccer match in Hartberg

Verdient sein Geld in Deutschland - noch: Israels Itay Shechter.

(Foto: REUTERS)

Jeder Mitarbeiter bekennt sich so zu seinem Lieblingsklub in Europa, der Stolz auf den eigenen Fußball ist dagegen offenbar eher wenig ausgeprägt. "Wir hatten keine gute Saison", sagt mit zerknirschter Miene der Verbandssprecher Amir Ephrat. Tatsächlich, die Liga war vom Krawall geprägt, die Nationalelf hat die Qualifikation für die EM verpasst - und nun geht es im Länderspiel in Leipzig auch noch gegen Deutschland, das in Israel als Favorit gilt für das EM-Turnier. "Hoffentlich seid ihr gnädig mit uns", sagt Ephrat.

Israel ist ein kleines Land und im Fußball auf Platz 58 der Fifa-Weltrangliste abgerutscht. Ein Sieg gegen Malta löst hier schon größte Freude aus, eine Niederlage gegen Deutschland gilt als selbstverständlich. Drei Mal sind die Teams bislang aufeinander getroffen, drei Mal gewann die Mannschaft mit dem Bundesadler auf der Brust - 1987 mit 2:0, 1997 mit 1:0 und 2002 mit 7:1. Den einzigen israelischen Treffer schoss bislang Olli Kahn per Eigentor.

Doch nicht nur deshalb ist ein Spiel gegen Deutschland immer anders als gegen Malta. Bei diesen Treffen geht es ja nicht nur um das Ergebnis, sondern immer auch um die Geschichte. Israels Trainer Eli Guttman hat dies seiner Auswahl noch einmal gesagt: "Ihr wisst, was es heißt, unsere Nationalhymne auf deutschem Boden zu hören."

Shechter einsam im Sturm

Dabei sind die Zeiten vorbei, da die Israelis bei großen Turnieren den deutschen Gegnern die Daumen drücken. "Der Tag nach dem WM-Finale 1974 war bei uns ein Trauertag", bekennt Amir Ephrat. Das sei noch die Zeit gewesen, in der deutsche Fußballer international gern mit Panzern verglichen wurden. "Heute ist das anders", sagt Ephrat, "heute ist der deutsche Fußball attraktiv, das hat auch in Israel das Bild verändert."

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