Kurzbahn-WM in Doha:Von Weltrekorden überschwemmt

Swimming Short Course World Championships

Katinka Hosszú bei ihrem vierten Weltrekord in Doha.

(Foto: dpa)

Bei der Kurzbahn-WM in Doha purzeln die Weltrekorde: In vier Tagen werden 23 neue Bestmarken aufgestellt. Auch das ist wieder ein Rekord. Warum die Schwimmer so viele Spitzenzeiten erzielt haben.

Von Saskia Aleythe

Viel Zeit zum Warmklatschen hatte das Publikum nicht. In Doha, dem neuen Mekka der Sportwelt, braucht der Sportzuschauer schon ein bisschen, um in einen Eskalationsmodus der Begeisterung zu kommen. Also gab es für Mireia Belmonte, Spaniens Schwimm-Ikone, eher verhaltenes Handgeklapper, ein bisschen Gejohle, das war schon alles. Dabei leuchtete an der Anzeigetafel etwas, was in der Regel nur wenigen Menschen gelingt und demnach auch nur wenige Menschen am Ort miterleben dürfen: ein Weltrekord.

Es war schon der zweite für Belmonte, innerhalb von 42 Minuten hatte sie gleich am Eröffnungstag der Kurzbahn-WM erst die Bestmarke über 200 Meter Schmetterling und dann die über 400 Meter Lagen geknackt. Dass so etwas nicht jedem Schwimmer täglich gelingt, muss den Zuschauern erst noch vermittelt werden: Schließlich wurden in vier Tagen gleich 23 neue Weltrekorde aufgestellt. Auch das ist wieder: ein Rekord.

"Da waren schon Weltrekorde dabei, die haben es in sich", sagt Petra Wolfram, die als Trainerin von Markus Deibler und seiner Bestzeit über 100 Meter Lagen selbst an der Rekordjagd beteiligt war.

Welche Erklärung gibt es für diese Inflation von Weltrekorden?

  • Besetzung mit Top-Schwimmern so gut wie nie

Top-Schwimmer haben vor allem einen Fokus: bei den Olympischen Spielen Medaillen zu ergattern. Bei Olympia wird in Becken geschwommen, die 50 Meter lang sind - WMs und EMs über diese Distanz sind also perfekt, um sich auf das große Ereignis vorzubereiten. Die Kurzbahn über 25 Meter ist hingegen relativ unbeliebt: Eintauchen, Gleiten, Wenden - das alles muss angepasst werden, es ist ein komplett anderes Schwimmen.

"Die meisten verzichten auf die Kurzbahn oder nehmen dort nur die Weltcups mit zum Geldverdienen", erklärt Harald Gehring, Sprecher des Deutschen Schwimmverbandes. In diesem Jahr war die Kurzbahn-WM allerdings so gut besetzt wie noch nie: Aus der Weltspitze fehlten nur wenige Athleten. Belmonte, Sarah Sjöström und Florent Manaudou sorgten jeweils für zwei Weltrekorde, auch Südafrikas Chad Le Clos gelang einer. Und die Ungarin Katinka Hosszú, die den Gesamtweltcup auf der Kurzbahn verblüffend klar dominiert hatte, schaffte sogar vier.

Warum die WM plötzlich so gut besucht war? "Die Leute wollen sich messen eineinhalb Jahre vor Olympia", erklärt Gehring, "sie waren deshalb auch top vorbereitet". Trainerin Wolfram sieht das ähnlich: "Die Leistungsdichte nimmt zu, wenn es auf die Olympischen Spiele zugeht." Und je mehr Spitzenathleten für ein solches Event zusagen, umso besser wird die Vergleichbarkeit der Leistung - auch wenn es nur 25 Meter im Becken sind.

  • Viele neue Staffelwettbewerbe

Schwimmen ist zwar ein Einzelsport, doch bei internationalen Großveranstaltungen wird der Mannschaftsgeist geweckt: In Staffelwettbewerben kämpfen ganze Nationen gegeneinander. Bei der diesjährigen Kurzbahn-WM gab es gleich 14 dieser Wettkämpfe, acht davon waren neu im Programm. Das heißt nicht, dass jede geschwommene Zeit sofort zum Weltrekord wird, bei den Weltcups gibt es schließlich auch den ein oder anderen Staffellauf. Aber die Vergleichszeiten sind nicht gerade üppig, zumal der Weltverband Fina in manchen Wettbewerben Rekorde auch erst seit einigen Jahren führt.

Ganze sechs Weltrekorde gab es in den neu ausgetragenen Wettbewerben - dass solche auch in den Vorläufen gewertet werden, trägt zur Dichte bei. So kam allein die niederländische Frauenstaffel auf vier Weltrekorde. Über 4 x 200 m Freistil, 4 x 100 m Freistil sowie über 4 x 50 Meter Freistil - im Vorlauf und Finale.

Elf Weltrekorde für Ausnahmeathleten, sechs in neuen Staffelwettbewerben - schon wirkt die Medaillenflut weniger mysteriös. Dass die Kurzbahn-WM in Doha auch eine lukrative Veranstaltung ist, könnte den ein oder anderen zusätzlich zur Teilnahme motiviert haben: Abgesehen von den 7000 Dollar Preisgeld für den ersten Platz springen für jeden Weltrekord 15 000 Dollar raus. Katinka Hosszú hat so allein mit ihren Rekorden an vier Tagen 60 000 Dollar gemacht.

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