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Kurioser Spielplan des VfB Stuttgart:Pro-15:30-Bewegung in Schwaben

VfB Stuttgart v 1899 Hoffenheim - Bundesliga

Dürfen Samstags nur selten spielen: die Stuttgarter Alexandru Maxim (links) und Vedad Ibisevic beim Torjubel.

(Foto: Daniel Kopatsch/Getty)

Samstag, 15.30 Uhr: Das ist seit 50 Jahren Bundesliga der klassische Spielbeginn. Nun wundern sich der VfB Stuttgart und sein Manager Fredi Bobic, dass sie diesen Termin in der Hinrunde dieser Saison nur dreimal zugeteilt bekommen. Denn das kostet Zuschauer.

Von Christof Kneer

Bevor Fredi Bobic Manager beim VfB Stuttgart wurde, war er Manager beim bulgarischen Erstligisten Tschernomoretz Burgas, und davor war er Fernsehexperte. Ganz davor war er auch noch ein ziemlich guter Fußballspieler, aber irgendwann zwischen der Fernsehexperten- und der Burgas-Periode hat er noch eine Weiterbildung bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) absolviert.

Er ist dort durch die Abteilungen gelaufen, und in einer hat er Götz Bender kennengelernt. Das ist jener geheime Mensch, in dessen Ressort die Spielpläne der Bundesliga fallen, die, wie sich herumgesprochen hat, nicht mehr im Hobbykeller mit Schere und Tesa zusammengebastelt werden. Bobic kennt auch Götz Benders Computer, in dem alle relevanten Fakten aufbewahrt werden: wann ein Klub sonntags spielen will, weil er donnerstags noch einen Termin in der Europa League hat; wann ein Klub auswärts antreten muss, weil das eigene Stadion von Andrea Berg belegt ist; welche Nachbarklubs auf keinen Fall am selben Tag ein Heimspiel haben dürfen, weil sich die verfeindeten Fans sonst an der Autobahnraststätte treffen.

Man kann also sagen, dass Bobic mehr Verständnis für den Alltag eines Spielplaners aufbringt als jeder andere Manager. Bobic ist ein heißblütiger Mensch, er kann sich ganz wunderbar über Schiedsrichter aufregen, manchmal auch über Unparteiische oder Referees. Aber dank seines Insiderwissens gelingt es ihm, den schrägen Spielplan mit professioneller Gelassenheit zu nehmen. "Sehr ordentlich" mache Götz Bender seinen Job, sagt Bobic; ansonsten sagt er nur, dass er den Dienstplan des VfB "ein bisschen kurios" finde und dass es "schade" sei "für unsere Fans, dass wir so selten samstags spielen".

Samstag, 15.30 Uhr - das ist der klassische Termin seit 50 Jahren Bundesliga, und diesen Klassiker hat der VfB in 17 Vorrunden-Spielen nur dreimal zugeteilt bekommen. Ansonsten: vier Freitagsspiele, darunter die Partie jetzt gegen Nürnberg - dazu sieben Sonntagsspiele, zwei Samstagabend-Spiele und ein Spiel an einem Mittwochabend im Januar; dieses Spiel wird fällig, weil der FC Bayern wegen der Klub-WM in Marokko nicht wie geplant am 17. Spieltag (21.12.) in Stuttgart vorbeikommen kann. Auch die Klub-WM steht in Benders Computer.

Vor allem die zahlreichen Sonntagsspiele haben die Stuttgarter mit Erstaunen zur Kenntnis genommen, sie kommen sich vor wie ein Europa-League-Teilnehmer, obwohl sie in der Vor-Qualifikation für diesen Wettbewerb gescheitert sind. "Als die ersten Liga-Spieltage terminiert wurden, sah es halt noch so aus, als wären wir europäisch dabei", sagt Bobic, "und danach hat uns der Computer Frankfurt und Freiburg zugeteilt, die tatsächlich in der Europa League spielen." Bobic wittert keine Verschwörung, er kennt die Zwänge, denen Götz Benders Computer ausgeliefert ist, aber kraft Amtes muss ihm so mancher Termin missfallen.

Am vorigen Sonntag, beim 3:3 in Hamburg, hat er in die VfB-Kurve geschaut, "und die war nicht so brechend voll wie sonst beim HSV". Der Sonntag kostet Zuschauer, das merken sie auch bei den Heimspielen, fünf- bis zehntausend fehlen pro Spiel, schätzt Bobic. "Unser Hinterland reicht bis zum Bodensee", sagt er, "und wer montags arbeiten muss, verzichtet sonntags halt mal aufs Stadion."

Bobic sagt, er habe diese Termin-Schieflage in aller Freundschaft bei der DFL hinterlegt, und er gehe davon aus, "dass sich das in der Rückrunde ausgleicht". Dann wird Götz Benders Computer sicher häufiger den Klassiker ausspucken, samstags, um 15.30 Uhr.

© SZ vom 25.10.2013/fued
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