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Volleyballerin Krystal Rivers:"Es ist schwierig, gerade nicht helfen zu können"

Als sie 19 war, gerade am College, kam dann der Krebs. Hodgkin-Lymphom, fortgeschrittenes Stadium. Lymphknoten in Hals, Brust und Hüfte waren befallen, sechs Monate Chemotherapie folgte. Rivers besiegte auch diese tückische Krankheit. Danach öffnete sich für sie die Tür ins Profigeschäft, über Béziers, wo sie französische Meisterin wurde, kam sie 2018 nach Stuttgart. "Die Geschichte ist ein Teil von mir", sagt Rivers am Telefon, "und ich möchte mit ihr zeigen, dass es immer weitergeht, egal, wie schwer es ist."

Rivers ist immer offen gewesen zu ihren Teamkolleginnen in Stuttgart, sie sieht sich auch als Motivatorin. "Keep going, keep going", erzählt sie, es muss immer weitergehen. "Krystal ist auch mental sehr stark. Wenn sie sagt, es geht nicht, dann wissen wir, dass es ernst ist", sagt Sportdirektorin Renkema. In den letzten Wochen ging es nicht bei Rivers, die trotz ihres Fehlens mit 5,23 Punkten im Schnitt pro Satz weiterhin beste Scorerin der Liga ist.

Es ist eine zutiefst amerikanische Geschichte, vom Leiden und Aufstehen, in einem Klub, der zudem beste Kontakte zum US-Volleyball pflegt. So fügte es sich prima, dass der geschwächte Meister, dem auch Nationalspielerin Pia Kästner (Verschleißerkrankung der Wirbelsäule) und Channon Thomson (Knieoperation) fehlen, kürzlich Simone Lee verpflichten konnte. Die 23-Jährige gilt als eines der größten Talente im Außenangriff, zudem war sie Rivers' Zimmergenossin in der US-Auswahl.

Weil ihr japanischer Klub Kurobe die Saison bereits beendet hat, wechselte Lee ablösefrei nach Stuttgart. "Die Freundschaft zu Krystal hat auch hineingespielt", sagt Renkema. Lee hat seitdem auch Rivers glänzend ersetzt. Das Problem ist nur, dass sie im Pokalfinale nicht spielberechtigt ist, weil sie bislang in diesem Wettbewerb nicht zum Einsatz kam. Stuttgart braucht Rivers also in diesem Spiel, und auch danach: Am Dienstag will der Klub mit einem Sieg im letzten Vorrundenspiel gegen Khimik Yuzhny ins Viertelfinale der Champions League einziehen. "Ich bin glücklich hier, auch weil ich Champions League spielen kann", sagt Rivers: "Und es ist schwierig, gerade nicht helfen zu können." Die Frau, die als Kind nicht laufen konnte, die den Krebs überwand, sie wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich wieder auf dem Feld zu stehen.

© SZ vom 14.02.2020
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