Deutsche Nationalmannschaft Kroos: Özils Erklärung enthält "viel Quatsch"

  • Toni Kroos hat die Art und Weise des Rücktritts seines langjährigen Nationalmannschaftskollegen Mesut Özil kritisiert.
  • "Der Anteil, der in seiner Erklärung gut und richtig angesprochen wird, wird leider durch den wesentlich höheren Anteil an Quatsch überschattet", so Kroos.
  • Seine eigene Karriere im DFB-Trikot will Kroos fortsetzen. Genauso wie Nebenmann Sami Khedira.

Toni Kroos hat Mesut Özil für dessen Rücktritt aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft kritisiert. "Ich habe viele Jahre mit Mesut gespielt und weiß, dass er ein lieber Kerl ist", sagte Kroos der Bild-Zeitung: "Die Art und Weise seines Rücktritts war aber nicht in Ordnung. Der Anteil, der in seiner Erklärung gut und richtig angesprochen wird, wird leider durch den wesentlich höheren Anteil an Quatsch überschattet."

Kroos erklärte weiter, Özil wisse sicher selbst, "dass es Rassismus innerhalb der Nationalmannschaft und des DFB nicht gibt. Ganz im Gegenteil: Wir setzen uns ja immer wieder aus Überzeugung für Vielfalt und Integration ein. Mesut war dafür ein gutes Beispiel, wie viele andere unserer Mitspieler auch."

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Özil sei zu Recht für das einige Wochen vor WM-Beginn entstandene Erdoğan-Foto kritisiert worden. "Trotzdem wurde er von der sportlichen Leitung und im Mannschaftskreis absolut unterstützt", betonte Kroos.

Özil hatte in seiner dreiteiligen Rücktrittserklärung unter anderem Rassismus-Vorwürfe gegen den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und dessen Präsidenten Reinhard Grindel erhoben. "Ich werde nicht länger als Sündenbock dienen für seine Inkompetenz und seine Unfähigkeit, seinen Job ordentlich zu erledigen", erklärte Özil an die Adresse von Grindel. Er werde "schweren Herzens" nicht mehr für Deutschland spielen, "so lange ich dieses Gefühl von Rassismus und Respektlosigkeit verspüre".

Kroos will bis zur EM 2020 weitermachen

Kroos selbst wird seine DFB-Karriere nach dem WM-Debakel fortsetzen. "Ja, ich werde den Weg bis zur EM 2020 weitergehen und habe mir selbst als großes Ziel gesetzt, dass wir dort deutlich erfolgreicher sind als zuletzt", sagte der Mittelfeldspieler von Champions-League-Sieger Real Madrid. Allerdings betonte der 28-Jährige, dass er künftig "mehr Ruhepausen brauche als in den vergangenen fünf, sechs Jahren, um auch in den kommenden Spielzeiten auf dem gleichen Niveau zu bleiben". Dies habe er bereits Bundestrainer Joachim Löw mitgeteilt.

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"Ich hatte ein sehr gutes Gespräch mit Jogi Löw, der Verständnis für meine Überlegungen und Erklärungen hatte. Und der trotzdem dafür gekämpft hat, dass ich ihm erhalten bleibe", sagte Kroos: "Wir werden gemeinsam Lösungen finden, damit ich auch hier und da eine notwendige Ruhepause bekomme."

Kroos sagte weiter, er habe sich "schon vor der WM - und speziell danach - viele Gedanken" zu einem Karriereende im DFB-Team gemacht "und alle möglichen Entscheidungen in Erwägung gezogen. Und zwar grundsätzlich, unabhängig von Erfolg oder Misserfolg in Russland". Nach dem Vorrunden-Aus bei der WM im Sommer habe er sich zuerst mit seiner Frau Jessy beraten, erklärte Kroos. Sie sei die Erste gewesen, "die gesagt hat: Schatz, so kannst du nicht zurücktreten." Auch sein Sohn "wollte unbedingt, dass ich für Deutschland weiterspiele".

Kroos' Nebenmann auf der Doppelsechs Sami Khedira steht ebenso für einen Neustart der Nationalmannschaft zur Verfügung, würde aber auch das Aus beim viermaligen Weltmeister klaglos hinnehmen. "Wenn es aktuell Bessere gibt, dann werde ich das akzeptieren, dafür habe ich Verständnis", teilte der 31-Jährige über die sozialen Netzwerke mit. Grundsätzlich könne Bundestrainer Joachim Löw aber weiter auf ihn zählen, so der Mittelfeldspieler von Juventus Turin.

"Sollte ich nominiert werden, weil der Bundestrainer der Meinung ist, dass ich dem DFB helfen könnte, dann ist das für mich immer zugleich Ehre und Verpflichtung. Dann werde ich auch weiterhin mit Stolz, Freude und Willen zur Nationalmannschaft reisen, um alles zu tun, um meinen Teil zum sportlichen Erfolg Deutschlands beizutragen", schrieb Khedira.

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