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Joshua Kimmich in der Nationalelf:Erinnerungen ans Bernabéu

Gegen die Holländer zeigte der Profi des FC Bayern über 85 Minuten eine wirklich gute Partie. Kimmich präsentierte sich gewohnt stark in der Balleroberung, war aber auch immer eifrig dabei, die schnellen Angriffe des DFB-Teams zu forcieren oder einzuleiten. Ging Kroos nach vorne, sicherte Kimmich ab, umgekehrt lief es genauso. Dass sich beide gut verstehen, ist der Sache kaum hinderlich. Noch im Frühjahr, als die Bayern bei Real Madrid aus der Champions League ausschieden, standen beide nach dem Spiel noch lange auf dem Rasen des Bernabéu, unterhielten sich, klatschten einander ab, bevor jeder in seine Kabine ging.

Kimmich selbst hat die Position neben Kroos nie eingefordert, die Sechs aber schon immer als sein Lieblingsgebiet auf dem Fußballplatz bezeichnet. "Er ist prädestiniert für diese Position, er hat die Zweikampfführung und das Spielverständnis", sagt Kroos über Kimmich. Teamkollege Mats Hummels hatte bei anderer Gelegenheit erwähnt, Kimmich habe "wirklich alles" für eine erfolgreiche Karriere auf der Sechserposition. Allerdings könne man Kimmich überall hinstellen, "es kommt immer was dabei raus".

Fragt sich bloß, ob sie auch beim FC Bayern erkennen, dass Kimmichs strategisches Gespür auf der Planstelle des Rechtsverteidigers gar nicht zur Geltung kommen kann. 2017 beerbte Kimmich den in den Ruhestand getretenen Philipp Lahm, er blieb der Position über alle Trainerwechsel hinweg treu. Zuletzt bekräftigte Niko Kovac, dass er weiter mit Kimmich hinten rechts plant, auch wegen des Überangebots an Mittelfeldspielern beim Rekordmeister. Ein Versuch mit Kimmich im Zentrum in der Liga ging kürzlich zudem ziemlich daneben. Der Nationalspieler selbst sagte damals: "Das Spiel gegen Freiburg war in dreieinhalb Jahren mein schwächstes Spiel bei Bayern München."

Wobei man die Sache auch so sehen kann: Mit Kimmich auf der Sechs macht die Nationalelf gerade einen Schritt nach vorne. Die Bayern sind aktuell nur Bundesliga-Fünfter, der Rückstand auf Tabellenführer Dortmund ist auf sieben Punkte angewachsen - und das Freiburg-Spiel mag ein Ausrutscher gewesen sein. Ein Schritt nach vorne wäre allmählich keine ganz schlechte Idee.

© SZ.de/jbe/rus
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