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WM-Achtelfinale:Subasics Paraden retten Kroatien

Der kroatische Torwart Danijel Subasic beim Elfmeterschießen im WM-Spiel 2018 gegen Dänemark.

Kroatiens Torwart Danijel Subasic pariert den Elfmeter von Lasse Schöne.

(Foto: Getty Images)
  • Kroatien erreicht im Elfmeterschießen gegen Dänemark das Viertelfinale bei der Fußball-WM.
  • Beide Torhüter halten mehrere Elfmeter: Kroatiens Subasic drei im Elfmeterschießen, Dänemarks Schmeichel zwei im Elfmeterschießen und einen in der Verlängerung.
  • Kroatien trifft nun auf WM-Gastgeber Russland.
  • Hier geht es zu allen Ergebnissen der WM.

Am Sonntagabend hat Age Hareide, der norwegische Trainer der Dänen, innerhalb von drei Minuten zweimal lachen müssen, danach mehr als zwei Stunden nicht mehr. Dann noch einmal, ganz kurz, als sein Torwart Kasper Schmeichel einen Elfmeter hielt. Aber am Ende war es doch ein trauriger Abend.

In der 1. Spielminute musste Hareide lachen, weil sich der kroatische Torwart Danijel Subasic den Ball ins eigene Netz geschaufelt hatte nach einem Schuss von Mathias Jörgensen. 1:0 für die Dänen - Hareide lachte wie ein beschwingter Zirkusbesucher, wenn der Clown die Torte ins Gesicht kriegt. In der 4. Minute musste Hareide lachen, weil der dänische Verteidiger Henrik Dalsgaard den Ball im eigenen Strafraum Christian Eriksen an den Wamst schoss: Mario Mandzukic staubte ab für Kroatien, 1:1. Nun lachte Hareide wie derselbe Zirkusbesucher, der, während er noch über den Tortenclown schmunzelt, hinterrücks vom Stuhl fällt. Hareides Lachen machte den grotesken Anblick wohl erträglicher.

Was den Unterhaltungswert angeht, hatte dieses Achtelfinale zwischen Kroatien und Dänemark vielversprechend begonnen, aber es dauerte bis zur 116. Minute, ehe es ein Drama wurde. Da hatte es Luka Modric auf dem Fuß, Kroatien per Foulelfmeter ins Viertelfinale zu bringen - doch er scheiterte an Dänemarks Keeper Kasper Schmeichel. So musste am Ende auch Russlands Gegner durch zehn Versuche vom Punkt ermittelt werden: Es sind die Kroaten, sie siegten im Elfmeterschießen 3:2.

Um Unterhaltung war es vor allem den Dänen aber eh nicht gegangen. Sie hatten sich in dieses Achtelfinale mehr geschlichen als gespielt, mit einem 1:0 gegen Peru, einem 1:1 gegen Australien und einem 0:0 gegen Frankreich. Im Spielaufbau sind sie sicher am Ball, aber je weiter es nach vorne geht, desto weniger wissen sie mit ihm anzufangen, so war es auch gegen Kroatien. "Wir müssen ein höheres Risiko eingehen, weil es ein K.-o.-Match ist", hatte Age Hareide als schlüssige Parole ausgegeben. Ernst machten sie damit aber erst in der zweiten Halbzeit, angetrieben vor allem vom Leipziger Yussuf Poulsen, dessen Vorlagen Martin Braithwaite aber mehrmals nicht verwerten konnte.

Schlüssig war auch, dass sich die Dänen bei allem Risiko weiter auf ihre eigentliche Stärke besannen: Sie hatten in diesem Jahr erst zwei Gegentore kassiert, waren in 18 Spielen unbesiegt. Den dänischen Fans auf der Tribüne war dieser Erfolgsminimalismus definitiv Unterhaltung genug.

Je länger das Spiel dauerte, desto mehr dominierte Angst vor dem Ausscheiden

Anders die Kroaten. Drei Siege, 7:1 Tore, diese Bilanz brachten sie als Referenz mit aus der Vorrunde. Aber mit zunehmender Spieldauer kam ihnen diese Leichtigkeit abhanden. Ein Versuch von Ivan Perisic blieb lange die beste Gelegenheit: Schmeichel hatte zuvor einen Schuss von Ivan Rakitic nicht festhalten können, doch Perisic zielte deutlich zu hoch (29.). Je länger dieses Achtelfinale dauerte, desto mehr dominierte die Angst vor dem Ausscheiden. Es stand eben auch eine Menge auf dem Spiel.

So, wie die aktuelle dänische Generation bis heute mit den Europameistern von 1992 verglichen wird, so müssen die Kroaten die Parallelen zum Jahr 1998 aushalten, als die Elf um den heutigen Verbandschef Davor Suker bis ins WM-Halbfinale vorgedrungen war. Zwanzig Jahre her! Und wann, wenn nicht jetzt, sollte der aktuellen Generation um Luka Modric, 32, von Real Madrid, Ivan Rakitic, 30, vom FC Barcelona und Ivan Perisic, 29, von Inter Mailand Ähnliches gelingen? Den Stürmer Mario Mandzukic, 32, nicht zu vergessen, über den der Trainer Pep Guardiola mal gesagt hat, er sei der beste Stürmer der Welt (ehe er einschränkte: "beim Kopfball").

Aber solche Erwartungen können auch lähmen. Bloß nicht die nächste Torte, das war ab der 4. Minute das Motto, ein paar Weitschüsse da, ein paar nicht zu Ende gespielte Kombinationen dort - dann Verlängerung, dann Elfmeterschießen. Erst einmal nur ein Elfmeter, der für Kroatien, weil Mathias Jörgensen Ante Rebic von hinten umgemäht hatte, als der den Ball nur noch einschieben musste. Modric schießt nach halbrechts, Schmeichel pariert. Jetzt war es ein Drama.

Modric ist später erneut angetreten, wieder schoss er schwach - doch diesmal ging der Ball rein. Auch Kramaric und Rakitic trafen; dass Schmeichel gegen Badelj und Pivaric parierte, war am Ende unerheblich. Denn bei den Dänen vergaben gleich drei Spieler: Eriksen, Schöne, Nicolai Jörgensen.

Und ihr Trainer Age Hareide lachte nicht mehr.

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