Kritik am FC Bayern Van Gaals Kompagnon klagt an

Andries Jonker, früherer Co-Trainer beim FC Bayern, schaltet sich in die Debatte um die Jugendarbeit der Münchner ein und bemängelt die fehlende Strategie. Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge räumt unfreiwillig ein, dass die Kritik berechtigt ist.

Von Benedikt Warmbrunn

Andries Jonker zupfte sich die Hose zurecht, und so sah er nun wirklich sehr adrett aus: das Gesicht wohl gebräunt, das blonde Haar zum Scheitel gelegt, natürlich lächelte er auch. Der nette Herr Jonker saß an der Seite von Felix Magath, er ist inzwischen Co-Trainer beim VfL Wolfsburg, aber das soll nicht täuschen. Jonker ist Fan des FC Bayern, das hat er selbst bekannt, und als solcher hat er nun auf einen Fehlstand hingewiesen, der im Zentrum der Debatten steht, die den FC Bayern in diesem Sommer bewegen.

Bayern-Trainer Andries Jonker (2011): "Ein steifes Bein"

(Foto: AFP)

Jonker war von Juli 2009 an Co-Trainer von Louis van Gaal beim FC Bayern, nach van Gaals Entlassung führte er das Team in den letzten fünf Spielen der Saison 2010/11 als Interims-Trainer auf den zweiten Tabellenplatz. In der vergangenen Saison betreute er die zweite Mannschaft des FC Bayern, das Jahr wurde als eines des Übergangs ausgerufen, der FCB II wurde 14. in der Regionalliga Süd, und danach bekam Jonker kein neues Vertragsangebot, zumindest nicht als Trainer der zweiten Mannschaft. Jonker also kennt den FC Bayern, er kennt ihn sogar sehr gut.

Die Bild-Zeitung veröffentlichte am Donnerstag Auszüge aus einer E-Mail, die der Niederländer am vergangenen Freitag den Verantwortlichen des FC Bayern geschickt hat.

Er schreibt darin, dass er drei "tolle Jahre" gehabt habe, er formuliert aber auch eine ganz wesentliche Kritik: die an den Mängeln der Nachwuchsarbeit. Jonker bezeichnet den Klub als "das goldene Fußballpferd", für ihn das potenziell "beste und schnellste Pferd der Fußballwelt". Dieses habe "drei Superbeine", nämlich die Profi-Abteilung, die Finanzen und das Marketing, aber eben auch "ein steifes Bein": die Jugendausbildung. Dort fehlt Jonker eine Idee, eine Strategie; er kritisiert, dass keine einheitliche Linie vorgegeben und befolgt werde. Die Jugendarbeit werde "einfach mitgeschleppt".

Diese Kritik trifft den Kern der Umstrukturierungen der Nachwuchsarbeit des Vereins. Zwar hat die eigene Jugendabteilung auch in den vergangenen Jahren immer wieder Spieler in die erste Mannschaft geführt, Spieler wie Thomas Müller oder Holger Badstuber. Viele Talente, gerade aus der Region München, entdeckte aber nicht der FC Bayern, sondern der TSV 1860; inzwischen ist der ehemalige Jugendleiter des Lokalrivalen, Jürgen Jung, Junioren-Scout beim FC Bayern.

Auch dass Matthias Sammer als neuer Sportvorstand geholt wurde, ist ein Indiz für die Missstände in der Nachwuchsförderung. Sammer, der zuvor als Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes für die Junioren zuständig war, ist auch für die Jugend des FC Bayern verantwortlich; Jonker schreibt, dass der "neue Reiter" dafür sorge werde, dass "das steife Bein auch ein Weltklassebein wird". Nach der Rückkehr von der China-Reise an diesem Freitag will Sammer auch die Leitlinien der Juniorenabteilung überdenken.

Wie berechtigt Jonkers Kritik ist, das gestand am Donnerstag der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge gegenüber der Nachrichtenagentur dapd unfreiwillig ein. Rummenigge wirbt weiter um Lars Bender von Bayer Leverkusen, er sagte: "Dass der Spieler großes Interesse hat, nach München zu kommen, das wissen wir. Der ist ja praktisch bei uns vor der Haustür geboren, in Rosenheim."

Bender, ausgebildet beim TSV 1860, hatte am Dienstag jedoch betont, dass er in Leverkusen bleiben wollte. "Man muss heute eben auch mal ein wenig Geduld haben", sagte Rummenigge.

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