Man stelle sich vor, die Vereinigung der Vertragsfußballer ließe darüber abstimmen, ob nach dem Hawk-Eye generell der Videobeweis eingeführt, das passive Abseits abgeschafft und das Handspiel auch für den Torwart außerhalb des Fünfmeterraums verboten werden solle. Absurd klar, andererseits darf es, zumal in der Krise, keine Denkverbote geben - und da sich in der Formel 1 geradezu die Existenzfrage stellt angesichts des Missverhältnisses zwischen Kostenexplosionen und Zuschauerschwund ist es nur konsequent, dass die Fahrergewerkschaft GPDA nun die größte Umfrage in der Geschichte des Motorsports erstellen ließ.
217 000 Fans aus 194 Ländern kamen zu einem verheerenden Urteil: Zu teuer, zu technologisch, vor allem zu langweilig ist sie, die sogenannte Königsklasse - in Wahrheit längst eine Formel Gähn. Die Fans wünschen sich die Tankstopps und den Reifenkrieg zurück, also weitere Reifenlieferanten, dazu vor allem: mehr Rad-an-Rad-Duelle auf der Strecke und echte Spannung im Titelkampf, also das Ende der Mercedes-Dominanz.
Nun kann man fragen, warum ausgerechnet die Fahrer selbst diese Umfrage in Auftrag gaben und nicht der Formel-1-Verband, der die Regeln verabschiedet und am Donnerstag immerhin ankündigte, die technischen Hilfsmittel in der kommenden Saison einschränken und womöglich ein Sprintrennen am Samstag einführen zu wollen. Ob das die Serie rettet? Es waren schließlich die Hersteller selbst, die auch durch die Einführung des Hybrid-Systems nach der Red-Bull-Ära die Mercedes-Alleinherrschaft ermöglichten; sie haben zudem durch die willkürliche Verteilung der Einnahmen die Zwei-Klassen-Gesellschaft zementiert, bei der die kleinen Teams auf der Strecke bleiben; und Basisdemokratie lehnen sie ohnehin kategorisch ab.

Umfrage:Formel-1-Fans finden die Formel 1 langweilig
Eine weltweite Umfrage bringt ernüchternde Ergebnisse für den Motorsport. Trevor Mbakwe verlässt die Brose Baskets Bamberg. Claudia Pechstein hat finanzielle Probleme und wirbt um Spenden.
Wirtschafts-Darwinismus als Geschäftsprinzip der Formel 1: Die Großen sollen die Kleinen fressen. Schwierig wird es, wenn der Konsument nicht mitspielt und das Produkt ablehnt, selbst im Autoland: Den Großen Preis von Deutschland gibt es 2015 nicht mehr, der Spektakelsender RTL kürzt die Übertragungszeit, Pay-TV-Sender prüfen den Ausstieg.
An den Kosten alleine kann es nicht liegen. Der Fußball wird auch immer teurer, aber er spielt das Geld wieder ein, die Stadien sind voll. Ein gesellschaftliches Phänomen? Womöglich hat sich die Formel 1 selbst überholt, sie sollte ja Katalysator sein im Technologietransfer für die Automobil-Industrie, will aber jetzt wieder zurück zu laut lärmenden Motoren, während zukunftsweisende Elektroantriebe weder in Formel E noch im normalen Straßenverkehr reüssieren.
Im wirklichen mobilen Leben übrigens ist längst Car-Sharing angesagt. Vielleicht wäre das mal eine Idee für Hamilton, Rosberg & Co.
