bedeckt München 23°
vgwortpixel

Kricket-WM: Indien vs. Pakistan:Unter Erzfeinden

Vor dem politisch überhitzten WM-Duell versuchen sich Indien und Pakistan auf den Sport zu konzentrieren. Doch die schwierige Beziehung zwischen den beiden kricketverrückten Staaten macht aus dem Halbfinale mehr als nur ein Spiel.

Falls ihr Team verlieren sollte, gibt es einen Becher Milch vor dem Schlafengehen. Sonst nichts. Eine Niederlage würde dem männlichen Teil der Familie Ansari wie Millionen Landsleuten schon schwer genug im Magen liegen. Falls ihre Mannschaft allerdings gewinnt, führen die vier Brüder ihre Frauen in ein feines Restaurant aus - so das Versprechen. Dass den Damen dann allerdings noch der Sinn nach einem gemütlichen Abend stehen wird, ist unwahrscheinlich. Die Schwestern kommen aus Pakistan. Sie leben mit ihren Männern in Indien, seit sie vor mehr als 20 Jahren alle vier in die Ansari-Familie eingeheiratet haben.

Fans attend a special prayer ceremony for the victory of Indian cricket team in Jammu

Einstimmung auf einen extremen Wettkampf: Indische Fans halten vor dem "Spiel der Spiele" eine spezielle Beschwörungszeremonie ab. So wollen sie spirituellen Einfluss auf die Partie gegen Erzfeind Pakistan ausüben.

(Foto: REUTERS)

An diesem Mittwoch werden sich die Ehepartner nicht gemeinsam im Wohnzimmer das Halbfinale der Kricket-WM Indien gegen Pakistan ansehen. Zeitungen in beiden Ländern geben dem Match einen "epischen" Charakter und nennen es "die Mutter aller Spiele", ähnlich sehen es die Ansaris. Einer der Brüder hat einen extra Fernseher gekauft, damit die Damen in einem anderen Raum schauen können oder: müssen. Das hat Naeemullah Ansari im Gespräch mit der Times of India zur Notwendigkeit erklärt: "Wir würden uns sonst nur streiten."

Die Kricket-WM ist in diesem Teil der Welt mindestens so bedeutend wie eine Fußball-WM in Europa. Die Sportart, die dem Baseball ähnelt, entspricht in Südasien einem Lebensgefühl. Die Kinder spielen es auf der Wiese und in Hinterhöfen. Friseure vergessen ihre Arbeit, wenn sie über die Haltung der Schlagmänner räsonieren. Es gibt mehrere Sportkanäle in Indien, die nichts anderes als Kricket im Programm haben. Und die auf Hochglanz polierten Shopping-Malls in Delhi sind während der wichtigsten Spiele auffallend leer.

Indien gegen Pakistan, das ist, als träfe Deutschland im Fußball auf England - ohne die stabilen Beziehungen, die die europäischen Länder zueinander pflegen. Denn mehr noch auf politischer als auf sportlicher Ebene sind die Nachbarn Erzfeinde. Dabei waren Indien und Pakistan bis zum Abzug der Briten vom Subkontinent im Jahr 1947 ein Land. Es gab bei der Teilung blutige Geburtswehen, Hunderttausende Menschen starben.

In Pakistan entstand ein muslimischer Staat, der inzwischen von Terroristen an den Rand des Kollapses gebracht worden ist. Auf der anderen Seite der Grenze wächst Indien, das trotz aller Unzulänglichkeiten zu den großen Mächten aufschließt. Das Trauma der Geburtsstunde haben sie bis heute nicht überwunden, hinzu kommt der ungelöste Konflikt um die Region Kaschmir, das beide Seiten vollständig für sich beanspruchen.

Aber der Sport kann auch Feinde zumindest auf der Tribüne eines Stadions zusammenbringen. Das wird an diesem Mittwoch im nordindischen Mohali der Fall sein. Indiens Premierminister Manmohan Singh hat seinen Amtskollegen Jusuf Raza Gilani eingeladen, das Aufeinandertreffen der Männer auf dem Rasen gemeinsam zu verfolgen. Der pakistanische Regierungschef wird zum ersten Mal nach Indien reisen, seit Terroristen im Jahr 2008 in Mumbai 170 Menschen töteten. Die Angriffe waren von Pakistan aus geplant worden.

Asienspiele: Sepak Takraw

Fußball auf asiatisch