Niko Kovac vor dem Saisonfinale Ein angeschlagener Mann

  • Bayern-Trainer Niko Kovac geht in die letzten beiden Saisonspiele - ob er in der kommenden Spielzeit noch auf der Bank sitzt, weiß er nicht.
  • "Es war sehr aufschlussreich, sehr lehrreich - ich habe viel mitgenommen", sagt er über sein Jahr in München.
  • All die Kritik trifft ihn, das gibt Kovac indirekt zu.
Von Benedikt Warmbrunn

"Ich gebe Ihnen mal ein Beispiel", sagt Niko Kovac: "Wenn ich Ihnen jetzt eine kleben würde, dann hätten Sie kurzzeitig Schmerzen." Kovac streicht sich über die linke Wange. "Es würde vorübergehen." Er macht eine Pause. "Aber wissen Sie, was das Schlimme ist? Die Seele."

Donnerstagmittag, das Pressestüberl des FC Bayern. Kovac, in seiner ersten Saison Trainer des FC Bayern, hat eingeladen zur Runde vor dem letzten Spieltag, dem Heimspiel an diesem Samstag (15.30 Uhr) gegen Eintracht Frankfurt. Ein Punkt würde reichen, und Kovac hätte die erste Saison mit der Meisterschaft abgeschlossen, er wäre dann der Zweite, der mit dem FC Bayern als Spieler und als Trainer Meister geworden ist; der Erste war Franz Beckenbauer. Am Samstag in einer Woche könnte Kovac im Pokalfinale gegen Leipzig noch das Double gewinnen. Es sind sportlich hochinteressante Tage für den Trainer. Doch um den Sport geht es fast nicht, außer um den verletzten Torwart Manuel Neuer (spielt am Samstag nicht) sowie um die sich verabschiedenden Arjen Robben und Franck Ribéry (spielen am Samstag vermutlich nicht von Beginn an).

Es geht um viel mehr.

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Kovac hat sich in München nie verbogen

Obwohl Kovac vor zwei Titelgewinnen in acht Tagen steht, geht er in diese letzte Saisonwoche auch als ein Trainer, dem das Vertrauen des Vereins fehlt, zumindest das unmissverständlich öffentlich ausgesprochene Vertrauen. Im Grunde müsste das auch niemand sagen, der Vertrag von Kovac läuft bis 2021. Doch zu oft haben sich Verantwortliche um ein Bekenntnis gedrückt (Sportdirektor Hasan Salihamidzic) beziehungsweise nur bedingt subtil ihre Skepsis geäußert (Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge). Und so geht Kovac in diese letzten Tage der Saison auch als ein angeschlagener Mann. Weswegen er das Beispiel mit der Backpfeife wählt.

Kovac, das gibt er damit indirekt zu, ist getroffen von all der Kritik. Er ist auch getroffen davon, dass seine Zukunft so stark in den Medien thematisiert wird; er selbst wehrt Fragen dazu sonst mit dem Hinweis ab, dass es sich dabei um "Nebensächlichkeiten" handle. Daher also: die Seele.

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"Das tut viel mehr weh", sagt Kovac, "das geht nicht weg." Er atmet einmal durch die Nase ein. "Da müssen wir wieder hinkommen: dass wir mehr den Menschen sehen. Und nicht immer nur drüberfahren, und nicht immer nur draufhauen. Noch mehr und noch mehr." Kovac schwingt seine rechte Hand durch die Luft.

"Der Mensch ist schon eine schwierige Spezies", sagt Kovac

Der Trainer des FC Bayern, der da am Donnerstag spricht, wird in die Geschichte eingehen als einer, der sich nie verbogen hat. Kovac prahlt nicht, er macht niemandem was vor, er erniedrigt nicht, um selbst größer zu erscheinen. Er ist, wer er ist, ein höflicher, intelligenter Mann, der sich zu all dem, was um ihn herum geschehen ist, auch seine Gedanken gemacht hat. "Es war sehr aufschlussreich, sehr lehrreich - ich habe viel mitgenommen", sagt Kovac über sein erstes Jahr als Trainer in München. Er gibt zu: "Ich habe auch gemerkt, wie schwierig es ist, Mensch zu bleiben. Der Mensch ist schon eine schwierige Spezies."

Ob Niko Kovac einen Titel gewinnt, zwei oder keinen, ob er Trainer bleiben darf oder nicht, all das liegt nicht mehr alleine an ihm. Aber eines wird er sich nicht nehmen lassen können: Er ist trotz aller Widrigkeiten der Mensch geblieben, als der er gekommen ist.

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