Kovac-Entlassung in Monaco:Eine der unterkühltesten Trennungen der Branche

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Kovac-Entlassung in Monaco: Niko Kovac muss in Monaco gehen.

Niko Kovac muss in Monaco gehen.

(Foto: Francois Mori/dpa)

Platz sechs, die Mannschaft im Aufwind - und doch wirft Monaco Niko Kovac als Trainer raus. Zwischen dem ehemaligen Bayern-Coach und seiner Elf scheint es atmosphärische Störungen gegeben zu haben.

Von Jonas Beckenkamp

Das weitgehend unglamouröse Jahr 2021 ist gerade Geschichte, da beginnt auch 2022 mit ein paar eisigen Luftzügen - zumindest in Monte Carlo und zumindest für Niko Kovac. Bis zum Silvestertag war er Trainer beim fürstlichen Fußballklub AS Monaco, doch schon an Neujahr musste der 50-Jährige ein Trennungsstatement seines Arbeitgebers lesen, das zu den unterkühltesten in der Geschichte der Branche gehören dürfte.

"Niko Kovac verlässt AS Monaco", stand dort geschrieben. Gefolgt von sieben kargen Zeilen des Vollzugs. Man habe als Klub entschieden, sich von Kovac zu trennen und ihm dies Ende des Jahres mitgeteilt. Das Aus kommt für den ehemaligen Bayern-Coach nach insgesamt 74 Partien als Cheftrainer - ohne jede Form von Dank und ohne gute Wünsche. Rumms, da muss also irgendwas passiert sein, was bleibt ist nun Undurchsichtigkeit.

Wie die französische Nachrichtenagentur AFP mit Verweis auf Quellen innerhalb des Vereins berichtet, soll der Belgier Philippe Clement die Nachfolge antreten. Der 47-Jährige ist seit 2019 Cheftrainer des belgischen Meisters und aktuellen Tabellenzweiten FC Brügge - er gilt neben dem unlängst in Leipzig geschassten Jesse Marsch als der aussichtsreichste Kandidat.

Dass Kovac beim Tabellensechsten der Ligue 1 so plötzlich gehen muss, kommt überraschend. Sein Vertrag war eigentlich bis 2023 datiert, er selbst hätte wohl gerne weitergemacht am leichtlebigen und gut bezahlten Standort Monte Carlo. Und doch war in den vergangenen Tagen in französischen Medien bereits über seine Freistellung berichtet worden - noch vor der offiziellen Bestätigung.

Das Sportmagazin L'Équipe enthüllte Kovacs Aus bereits am Donnerstagabend, kurz zuvor sei der gebürtige Berliner vom Klub unterrichtet worden. Kovac, einst Spieler und Trainer in Berlin, Hamburg, Leverkusen, Frankfurt und beim FC Bayern, sei demnach nicht akut geschockt gewesen - getroffen habe ihn die Sache schon. Zuletzt hatte er nach mäßigem Saisonstart durchaus Argumente für seinen Verbleib geliefert, immerhin drei der vergangenen vier Ligaspiele konnte er gewinnen - beim 2:1 gegen den Tabellenvierten Rennes traf vor Weihnachten auch der deutsche Nationalstürmer Kevin Volland.

Doch dieser Erfolg hielt Monacos Verantwortliche um Sportdirektor Paul Mitchell und Vizepräsident Oleg Petrov nicht davon ab, den Kroaten zu beurlauben. Man hielt Kovac auch nicht zugute, dass er mit seinem Team in der Europa League immerhin im Achtelfinale steht. Oder dass Monaco in seiner ersten Saison weitgehend gut abgeschnitten hatte. Kovac war mit einer der jüngsten Mannschaften in Europas Topligen Dritter geworden. Kurz vor Schluss schien sogar der Titel möglich, doch der ging letztlich ans Überraschungsteam des OSC Lille.

Der Fußball, den Kovac im Fürstentum spielen ließ, war typisch für ihn: physisch, diszipliniert, meist auf Konter über Volland und Sturmkollegen Wissam Ben Yedder ausgerichtet. Das funktionierte im Fürstentum - zumindest bis zum vergangenen Sommer. Da scheiterte Monaco gegen Schachtjor Donezk in der Qualifikation für die Champions League. Vor allem Klubchef Dmitri Jewgenjewitsch Rybolowlew, ein russischer Multimilliardär, hätte sein Investment gerne auf höchstem Niveau vertreten gesehen.

Diese verpasste Teilnahme am großen Geschäft hat man Kovac nie ganz verziehen. Die Erwartungen waren hoch, die Investitionen ins Team beträchtlich, doch das Spektakel blieb oft auf der Strecke. Monaco-Fußball war Gegen-den-Ball-Fußball, so wie man es aus der Bundesliga kennt. Gerade gegen die Topteams tat sich die Elf schwer, daran konnten auch die Deutschen Alexander Nübel (von den Bayern ausgeliehen), Ismail Jakobs (früher Köln) und Volland (aktuell fünf Saisontore) nichts ändern.

Atmosphärische Störungen zwischen Kovac und Teilen des Teams sollen zugenommen haben

Woran Kovac konkret scheiterte, ist Gegenstand von Spekulationen. In seinem ersten Jahr galt er noch als cleverer Vermittler zwischen Monacos Veteranen und den vielen Talenten. Doch in den letzten Tagen hatte es Gerüchte über wachsende Unzufriedenheit mit ihm gegeben. Ausbleibende Weiterentwicklung des Teams ist wohl ein Faktor, den man ihm intern vorwarf. Doch auch im Umgang mit einzelnen Spielern soll es Schwierigkeiten gegeben haben. Laut L'Équipe häuften sich atmosphärische Störungen zwischen dem Englisch sprechenden Kovac und Teilen des Teams. Das Verhältnis zu seiner Elf sei "zerrissen", so die Zeitung.

Die Rede ist gar von einem "quasi-militärischen" Führungsstil des Coaches, der mitunter zu laut geworden sei und so Verunsicherung ausgelöst habe. Manches erinnert an Kovacs Ablösung bei den Bayern: Auch dort hatte er nach anfänglichem Erfolg letztlich die Kabine verloren, als einige Etablierte (etwa beim Champions-League-Aus gegen Liverpool) mit seiner abwartenden Taktik haderten.

Wer nun wirklich der Neue an der Seitenlinie der Monegassen wird, hat der Klub bislang noch nicht offiziell bestätigt. Fest steht aber: Niko Kovac muss sich eine neue Aufgabe suchen - und diesmal sollte es ein Standort sein, an dem sein Fußball geschätzt wird. Eine Rückkehr nach Deutschland würde Sinn ergeben. Aber ausgerechnet in seiner Heimatstadt Berlin wurde die Planstelle bei Hertha BSC gerade erst an Tayfun Korkut vergeben.

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