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FC Bayern:Ein Kovac-Aus würde auf die Bosse zurückfallen

Im vergangenen Herbst entließ der FC Bayern früh in der Saison den Trainer nach einer Ergebniskrise. Aber diesmal sind die Umstände völlig andere.

Kommentar von Claudio Catuogno

Als Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge vor einem Jahr den knuffigen Bayern-Trainer Carlo Ancelotti rauswarfen, war das zwar außergewöhnlich früh in der Saison. Sie hatten den Italiener da aber schon 14 Monate im Haus gehabt. Sie hatten ihn mehrmals zu etwas mehr Arbeitseifer aufgefordert, und dass sie seinem Fitnesscoach das Rauchen im Kabinentrakt verbieten mussten, war am Ende nur eine Groteske von vielen. Als Ancelotti dann auch noch die Führungsspieler gegen sich aufbrachte, erschien die Trennung unausweichlich. Man muss sich das noch mal vergegenwärtigen, wenn man die Herbstkrise 2017 mit der Herbstkrise 2018 vergleicht.

Ja, es gibt zwei Gemeinsamkeiten, erstens die Jahreszeit und zweitens den Grad der Verunsicherung. Ansonsten sind die Umstände völlig andere.

Der Krise, in die sich Niko Kovac nun hineinmanövriert hat, gingen nicht 14 anstrengende Monate, sondern sieben Siege in sieben Spielen voraus. Ein Traumstart. Kovac sprechen sie im Klub weder den Arbeitseifer ab noch zweifeln sie an der Glaubwürdigkeit seiner Ansprache. Dass seine taktischen Vorgaben womöglich nicht allzu komplex sind? Nun ja. Das können sie ihm bei Bayern schwerlich vorwerfen, wo doch auch ihr Präsident gern gegen eine Überakademisierung des Fußballs polemisiert. Und dass Kovac sich gezwungen sieht, viel zu rotieren, um keine Verletzungen zu provozieren, hat auch mit dem recht schlanken Kader zu tun, den sie ihm überlassen haben.

Und nicht zuletzt muss man sich noch mal an jene Phase zwischen November 2017 und April 2018 erinnern, die in die Geschichte des Klubs als die "Wie sagen wir's Uli?"-Monate eingingen. Weil Hoeneß damals jedes Werben um einen neuen Trainer verbot - in dem exklusiven Irrglauben, sein alter Lieblingscoach Jupp Heynckes müsse bloß ausgiebig umschmeichelt werden, um doch noch ein Jahr dranzuhängen. Als sich schließlich auch Hoeneß auf Trainersuche begab, hatte Thomas Tuchel schon in Paris unterschrieben und widerstand allem Flehen, das zu überdenken. Julian Nagelsmann steckte mit Hoffenheim im Tief, was sie in München darin bestätigte, dass dieser talentierte Jüngling ihnen doch zu grün hinter den Ohren ist. (Das Tief hatte sich dann bald verflüchtigt; für 2019 steht Nagelsmann bei RB Leipzig im Wort.) Und Jürgen Klopp? Der wartet lieber ab, bis die Führungsstruktur bei Bayern, nun ja: weniger komplex ist als gegenwärtig.

So landeten sie damals bei Kovac. Das spricht nicht für und nicht gegen ihn. Es ist aber der Rahmen, der ihn nun schützt. Denn das ist der Unterschied zu Ancelotti: Würden sich die Bayern-Bosse nun von Nico Kovac trennen, fiele das in vielerlei Hinsicht auf sie selbst zurück. Auf ihr Handeln - und ihr Unterlassen.

© SZ vom 08.10.2018/schm
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