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Korruptionsvorwürfe gegen Uefa und Fifa:Angebote für Marangos

Die angekündigte Verleumdungsklage der Uefa gegen den angeblichen Bestechungszeugen Spyros Marangos lässt auf sich warten - unterdessen bekommt der Funktionär aus Zypern Hilfe angeboten.

Thomas Kistner

Es brodelt im internationalen Fußballgeschäft, die Dachverbände Fifa und Uefa taumeln in das nächste turbulente Wochenende. Letzterer, Europas Fußball-Union, droht dem angeblichen Bestechungszeugen Spyros Marangos aus Zypern mit einer Verleumdungsklage, doch hatte dessen Anwalt Neoclis Neocleus in Limassol bis Freitag nichts vorliegen. Dafür erhielt Marangos Hilfe von der Antikorruptionsbehörde Transparency International.

Spyros Marangos

Spyros Marangos hält weiter an seinen Vorwürfen gegen die Uefa fest.

(Foto: AP)

Deren Schweizer Sprecherin Anne Schwöbel sagte am Freitag: "Wir können ihm Vertrauensanwälte - Ombudsleute - vorschlagen, die seine Belege unabhängig und fachkundig prüfen." Zugleich holt den Weltverband Fifa, der mit Korruptionsvorwürfen bezüglich der WM-Vergaben 2018/2022 ringt und schon sechs Funktionäre suspendiert hat, die Vergangenheit ein. Nach SZ-Informationen sollen einige der von der Sunday Times als Berater angeheuerten Fifa-Insider Beschuldigungen in Hinblick auf die Vergabe der WM 2006 an Deutschland erhoben haben.

Marangos Anwalt Neocleus sagte am Freitag, er sei "überglücklich, dass die Uefa Zivilklage gegen meinen Mandanten erheben will" - jedoch liege ihm noch nichts vor. Er selbst habe die Uefa schon am Mittwoch informiert, Marangos werde seine Papiere nur noch in Zypern vorlegen: gegenüber einem von der Uefa zu entsendenden Disziplinarinspektor, wie im Regelwerk vorgesehen, sowie im Beisein einer "unabhängigen öffentlichen Person". Dies könne "ein von Transparency benannter Ombudsmann sein".

Marangos habe seine Bereitschaft, die Uefa zu informieren, erschöpfend bewiesen, mittels jahrelangem Schriftverkehr und auch mit der Bereitschaft, im August den damaligen Uefa-Disziplinarchef Peter Limacher in Genf zu treffen; jener Termin wurde kurzfristig storniert. Jetzt habe Marangos "kein Vertrauen mehr in die Uefa". Er will über Zeugenaussagen verfügen, dass vier Uefa-Vorständler in einer zyprischen Anwaltskanzlei für ihre Stimmen bei der Vergabe der EM 2012 an die Ukraine und Polen mit insgesamt elf Millionen Euro geschmiert worden seien.

Ermittlungen in Rumänien

Die Uefa hatte dem Zeugen erst Montag, nachdem er seine intensiven Anzeige-Bemühen publik gemacht hatte, ein 48-Stunden-Ultimatum gesetzt, Beweise zu liefern. Marangos Vorwürfe sind ungeprüft und unbewiesen, das bisherige Prozedere aber bringt die Uefa unter Druck.

Das Votum bei der EM-Vergabe im April 2007 endete überraschend 8:4 für das Osteuropa-Duo, Favorit Italien unterlag. Jetzt ermittelt eine rumänische Anklagebehörde wegen Korruptionsverdachts gegen Mircea Sandu, Chef des Nationalverbands und Mitglied der Uefa- Exekutive. Ein Amtssprecher bezog sich laut Agenturberichten dabei auf Marangos' Vorwürfe. In Uefa-nahen Kreisen heißt es, diese Ermittlungen seien länger bekannt. Den Eindruck, dass im Hintergrund diverse Ermittlungsbehörden mit der Causa befasst sein könnten, bestätigte nun auch Marangos' Anwalt: "Wir haben in den letzten Tagen einige Hilfsangebote von unerwarteter Seite erhalten."

Derweil hielt die Fifa-Exekutive am Freitag an der Doppelvergabe der WM 2018 und 2022 am 2. Dezember fest, trotz massiver Korruptionsvorwürfe, die es im Hinblick auf einen Stimmen-Pakt der Kandidaten Spanien/Portugal (2018) und Katar (2022) geben soll. In den Fokus sollen überdies pikante Umstände der WM-Vergabe an Deutschland rücken. Angeblich haben von der Sunday Times ausgehorchte Fifa-Insider Vorwürfe konkretisiert, die schon damals von den Bewerbern bestritten wurden. Damals ging es um angebliche Avancen gegenüber dem damaligen OzeanienVertreter Dempsey, der den deutschen 12:11-Sieg gegen Südafrika durch seine Abreise inmitten der Wahl ermöglicht hatte; oder teure TV-Deals für wertlose Testspiele in Ländern von Wahlleuten. Auch soll die Frau eines asiatischen Exekutivmitglieds in den Besitz einer Autovertretung gelangt sein.

© SZ vom 30.10.2010/jbe
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