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Fifa: Unter Korruptionsverdacht:Zwei von vielen

Es ist ein wenig unfair, mit dem Finger auf die unter Korruptionsverdacht stehenden Reynald Temarii und Amos Adamu zu zeigen, die entscheidende Frage lautet: Warum geht es nur um die beiden?

Es ist ein wenig unfair, so offen mit dem Finger auf die Fifa-Leute Reynald Temarii aus Tahiti und Amos Adamu aus Nigeria zu zeigen. Woher in aller Welt sollten die beiden wissen, dass die Angebote, ihre Stimmen für die WM-Vergabe zu erwerben, nicht echt waren? Als anständiger Fifa-Funktionär kann man doch erwarten, dass Versprechen ernst gemeint sind.

Wegen WM-Vergabe: FIFA droht Korruptionsskandal

Das Fifa-Hauptquartier in Zürich: Zwei hohe Funktionäre sollen ihre Stimmen für die Vergabe der Fußball-WM 2018/2022 zum Verkauf angeboten haben.

(Foto: dpa)

Gut, es gab da diese Ausnahme: Im Jahr 2000 stellte das Satiremagazin Titanic den Funktionären Würste, Schinken und eine schöne Kuckucksuhr in Aussicht, wenn sie die WM 2006 nach Deutschland vergeben würden. Die in solchen Fragen erfahrenen Komiteeleute haben das Fax der Titanic aber sogleich als Scherz enttarnt. Der Langzeitfunktionär Jack Warner sagte damals: "Die Briefe waren schlecht getippt und sahen ziemlich komisch aus. Sie sollten nicht ernst genommen werden."

Warner weiß, wann etwas ernst zu nehmen ist: Bei der WM 2006 verdiente seine Familie durch Weiterverkäufe von Tickets rund eine Million Dollar. Diese WM fand übrigens tatsächlich in Deutschland statt, weil bei der Abstimmung im Jahr 2000 der Funktionär Charles Dempsey nicht mehr, wie vom ozeanischen Verband beschlossen, für Südafrika stimmen mochte, sondern sich enthielt. Die deutschen Lobbyisten waren froh über so viel Glück.

Es ist auch deshalb ein wenig unfair, mit dem Finger auf Reynald Temarii und Amos Adamu zu zeigen, weil in den Foren des Internets bereits die entscheidende Frage diskutiert wird: Warum geht es jetzt nur um die beiden? Haben die Reporter der Sunday Times den Rest nicht gefragt? Temarii und Adamu - um das nochmals zu betonen - wollten das Geld, wie sie ausführten, selbstverständlich nicht für sich, sondern für "Projekte" in ihren Ländern und Verbänden.

Ihr Tun entsprang also der Sorge ums heimische Gemeinwesen. Genau aus diesem Grund wäre zu erwarten gewesen, dass die Times bei mehr Mitgliedern des Exekutivkomitees hätte landen können, denn deshalb sind diese Männer ja Funktionäre, die ihre Freizeit dem Amt, dem Sport, dem Ideal opfern: weil sie sich ums Gemeinwesen sorgen.

Die Fifa wird Temarii und Adamu wohl ein wenig ermahnen, weil sie sich so in den Vordergrund gespielt haben. An ihren guten Absichten wird in der Fifa aber sicherlich niemand zweifeln: Denn die haben ja alle in der Regierung des Weltfußballs.

© SZ vom 19.10.2010
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