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Fifa-Korruptionskandal:Blazer gesteht, Schmiergelder angenommen zu haben

FIFA corruption hearing

Chuck Blazer, Ex-Fifa-Funktionär gesteht, Schmiergeld angenommen zu haben.

(Foto: dpa)
  • Der ehemalige Fifa-Funktionär Chuck Blazer hat zugegeben, für die Vergabe der WM in Frankreich 1998 und 2010 in Südafrika Bestechungsgelder erhalten zu haben.
  • Blazer entschloss sich 2011 zu einer Zusammenarbeit mit dem FBI, nachdem er wegen Verdachts auf Korruption und Steuerhinterziehung selbst ins Visier der Ermittler geraten war.
  • Auch Ex-Vizepräsident Jack Warner erhebt neue Vorwürfe gegen die Fifa und Sepp Blatter.

Bestechungsgelder für WM 1998 und 2010

Die Bestechungs-Krise im Fußball-Weltverband Fifa zieht immer weitere Kreise. Der ehemalige Funktionär Chuck Blazer hat den US-Behörden als "Whistleblower" gestanden, dass er und andere Funktionäre Bestechungsgelder für ihre Stimme bei der WM 1998 und 2010 angenommen haben. Außerdem hätten er und andere Gelder im Zusammenhang mit der Vergabe von TV-Übertragungsrechten für verschiedene "Gold Cup"-Turniere zwischen 1998 und 2003 angenommen. Das geht aus dem offiziellen Vernehmungsprotokoll aus dem Jahr 2013 hervor, das auf Anordnung eines US-Gerichts inzwischen veröffentlicht wurde.

Die Endrunde der Weltmeisterschaft vor 17 Jahren in Frankreich war bisher noch nicht in Verdacht geraten. Aus anderen Dokumenten in dem Verfahren ginge hervor, dass Blazer und andere Verantwortliche von Bewerber Marokko bestochen worden sein sollen. schreibt die New York Times. Dennoch siegte am Ende Frankreich und durfte die WM ausrichten.

Erkenntnisse über eine Verstrickung von Fifa-Präsident Blatter ergeben sich aus dem 40-seitigen Protokoll aber nicht.

Funktionärs-Gespräche aufgezeichnet

Blazer war langjähriges Mitglied des Exekutivkomitees des Fußball-Weltverbandes. Nach der Anklage durch die US-Justiz zeigte er sich kooperativ und soll unter anderem bei den Olympischen Spielen 2012 in London heimlich Funktionärs-Gespräche aufgenommen haben.

Der 70-Jährige war 2011 ins Visier der US-Ermiuttler geraten. Blazer hatte zuvor zwei Jahrzehnte lang den Nord- und Mittelamerikaverband Concacaf geführt - gemeinsam mit dem nun wegen Korruptionsvorwürfen gesuchten Funktionär Jack Warner. Bekannt war Blazer vor allem für seinen aufwändigen Lebenstil und seine Vorliebe, sich in ausgefallenen Kostümen fotografieren zu lassen.

Warner poltert und droht der Fifa

Auch Ex-Vizepräsident Jack Warner hat im Korruptionsskandal der Fifa nachgelegt. Der Fußball-Weltverband soll seine Independent Liberal Party auf Trinidad und Tobago im Wahlkampf vor fünf Jahren finanziell unterstützt haben, sagte Warner. Fifa-Funktionäre hätten davon gewusst, darunter auch Blatter, behauptete er. "Nicht mal der Tod wird die Lawine stoppen, die kommt", prophezeite der 72-Jährige vor Anhängern auf Trinidad: "Die Würfel sind gefallen."

Die entsprechenden Schecks und anderes Beweismaterial habe er an seine Anwälte übergeben, schrieb die Zeitung Trinidad and Tobago Guardian. Er habe Angst um sein Leben, meinte Warner und entschuldigte sich, sein Wissen über die angeblichen Vorgänge nicht vorher schon öffentlich gemacht zu haben. Nach seinem Ausschluss aus dem Fifa-Machtzirkel im Jahr 2011 hatte er bereits einen "Tsunami" an brisanten Informationen angekündigt - allerdings ohne Taten folgen zu lassen.

Warner war in der vergangenen Woche in seinem Heimatland kurzfristig festgenommen worden. Gegen eine Kaution von 2,5 Millionen Dollar kam er wieder auf freien Fuß. Der ehemalige Minister für Sicherheit in Trinidad und Tobago gehört zu denjenigen, denen von der US-Justiz Korruption, Verschwörung und organisiertes Verbrechen vorgeworfen wird. Die USA haben auch die Auslieferung Warners beantragt. In der Aussage von Chuck Blazer wurde Warner allerdings nicht namentlich genannt. Dem Vernehmen nach soll der einstige Fifa-Vize aber der Mitverschwörer sein, der Schmiedergeld vom späteren WM-Gastgeber Südafrika erhalten haben soll.

© SZ.de/dpa/sid/cmy/fued
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