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Korruption bei der Fifa:Wo sollten die übrigen Voten herkommen?

Die acht Stimmen des europäischen Blockes durften sie schnell als sicher erachten: vor allem als Revanche für den Ausgang der Fifa-Präsidentenwahl 1998, als der europäischen Kandidat Lennart Johansson überraschend Blatter unterlegen war. Doch wo sollten die übrigen Voten herkommen? Von den afrikanischen Mitgliedern des Gremiums wegen des Gegenkandidaten Südafrika eher nicht. Von den amerikanischen eher auch nicht, weil deren einflussreichsten Leute damals eng an der Seite von Blatter standen.

Transfers in der Sommerpause

Neulinge aus Thailand und der Schweiz

Das soll nicht heißen, dass die deutschen Strategen bei den Funktionären aus diesen Kontinenten gleich aufgaben. Als wenige Wochen vor der Abstimmung Mitarbeiter von Kirch in vier ausgesuchten Verbänden die Verwertungsrechte für Freundschaftsspiele mit Beteiligung des Beckenbauer-Klubs FC Bayern erwarben, zählten dazu auch die von Tunesien und Trinidad & Tobago, woher die beiden Fifa-Wahlmänner Slim Chiboub und Jack Warner kamen. Doch in erster Linie richtete sich der Blick der Strippenzieher auf eine andere Gruppe: den asiatischen Block.

Vier Asiaten saßen damals im Exekutivkomitee: Mohammed Bin Hammam (Katar), Abdullah Al-Dabal (Saudi-Arabien), Chung Mong-joon (Südkorea) und Worawi Makudi (Thailand). Einerseits war dieses Quartett noch sauer, weil Fifa-Chef Blatter dem asiatischen Verband einen versprochenen zusätzlichen WM-Startplatz verwehrte. Doch zugleich war merkwürdig, was sich in den Wochen vor der Züricher Entscheidung auf dem politischen und wirtschaftlichen Terrain abspielte. Da stieg beispielsweise DaimlerChrysler, das über Mercedes-Benz zu den wichtigsten Sponsoren des DFB zählt, beim südkoreanischen Autohersteller Hyundai ein - Fifa-Wahlmann Chung ist der sechste Sohn des Hyundai-Gründers.

Da verkaufte eine Firma des Thailänders Makudi plötzlich deutsche Edelkarossen - wobei: Es war gar nicht seine Firma, wie er später erklärte, sondern die Firma seiner Frau. Da kam es zu diversen Investitionen deutscher Dax-Konzerne in Asien. Und da fällte der Bundessicherheitsrat unter Kanzler Schröder nie dementierten Berichten zufolge den Beschluss, 1200 Panzerfäuste nach Saudi-Arabien zu liefern, zu dessen Königshaus auch der Fifa-Vorstand Al-Dabal zählt. Ein Zusammenhang wird von allen Beteiligten bestritten, und doch stimmte das asiatische Quartett in der entscheidenden Sitzung geschlossen für Deutschland, wie Bin Hammam später selbst zugab.

Das Problem: Selbst die Voten der acht Europäer und der vier Asiaten reichten noch nicht. Nun stand es ja erst zwölf zu zwölf, bei einer Pattsituation würde die Präsidentenstimme Sepp Blatters entscheiden. Noch sprach immer alles für eine WM 2006 in Südafrika. Musste nun noch einer der vorher umgarnten Kandidaten aus Afrika oder Amerika umkippen, um die Mehrheit für Deutschland zu sichern?

Nein. Denn plötzlich verließ der Neuseeländer Charles Dempsey das Fifa-Hauptquartier.