Korruption bei der Fifa Infantino spürt Unterstützung nur noch in autokratischen Ecken

Unabhängig von den Strafen gegen einzelne Sünder geht es in diesem Prozess aus Fifa-Sicht um Wesentlicheres. Denn die Ermittlungen der US-Justiz im Weltfußball-Sumpf laufen nach dem sogenannten Rico-Gesetz, das als Grundlage zur Bekämpfung krimineller Vereinigungen wie der Mafia dient. Bisher stufte die US-Justiz die Fifa selbst darin als Opfer ein, nicht als Täter. Aber der Weltverband muss hart darum kämpfen, dass der Opfer-Status bleibt; sollte er ihn verlieren, wäre dies das Ende des Weltverbandes. Von nun an können Hinweise in Chens Urteilsbegründungen - etwa zur Frage, wie leicht Marin & Co. ihre korrupten Aktivitäten gemacht wurden - Fingerzeige bieten, wie hoch die Gefahr für die Fifa ist, diesen Status zu verliefen. Haben ihre Spitzenleute durch intensives Wegschauen und fahrlässig wenig Kontrolle dem System Vorschub geleistet?

Bei der Fifa braut sich aber noch mehr zusammen. Zu Wochenbeginn ging nach Auseinandersetzungen mit der aktuellen Führung der langjährige Chefjurist und stellvertretende Generalsekretär Marco Villiger von Bord. Er war der letzte Verbliebene aus der Ära des Langzeit-Präsidenten Sepp Blatter, und seit Ausbruch von Fifagate auch der Zuständige für die Kooperation mit US-Justizbehörden. Er galt als unbescholten, offenkundig war er nicht mehr gewillt, alles mitzumachen, was der neue Boss Infantino so umsetzte und plante.

In der Fifa wird über eine neue Struktur diskutiert

Der Gegenwind gegen den Schweizer wird immer stärker; Unterstützung findet er fast nur noch in autokratischen Ecken der Welt, von den Konföderationen hält allein Südamerika zu ihm. Die Spitzen der Erdteilverbände Europas (Uefa) und Asiens (AFC) verbindet seit längerem eine Allianz gegen den Fifa-Herrscher. Seit gut einem Jahr werden auch Strukturreformen diskutiert: die Rückführung der Fifa auf ihr Kerngeschäft, die WM-Ausrichtung. Für diese Aufgabe würde eine rund 50 Leute starke Einheit völlig ausreichen, geführt von einem starken Generalsekretär - wie es laut Fifa-Reform ja ohnehin sein sollte.

Die Gefahr, dass sich nach Blatter und Infantino der nächste Alleinunterhalter auf den Präsidententhron schwingen könnte, ließe sich dann so regeln, dass das Präsidentenamt, als echtes Ehrenamt, alljährlich zwischen den Kontinentalverbänden rotiert. Innerhalb von zwölf Monaten kann niemand alle Macht an sich reißen, und die wäre auch nicht mehr so attraktiv, wenn es nur um Organisatorisches ging. Ein hoher Fußball-Funktionär sagte der SZ, es sei zwar eine hohe Hürde, weil beim Fifa-Kongress eine Zweidrittelmehrheit nötig ist. Das lässt sich zwar erreichen, wenn Europa, Asien und halb Afrika zusammenstehen, aber so ein Vorstoß müsse im richtigen Moment gestartet werden.

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