Korruption bei der Fifa:Viele leben zu gut mit dem Geschäft

So traf es etwa den SV Wilhelmshaven, der seit sieben Jahren mit der Fifa streitet, weil er eine Ausbildungsentschädigung für einen Spieler nicht zahlen will. Vor allen Sportgerichtsbarkeiten hat der Verein verloren - als er aber vor ein ordentliches Gericht zog, bekam er erstmals recht.

Das ist ein sehr kleines Beispiel dafür, warum die Korruptions-Ermittlungen gegen die Fifa wichtig sind: Sie muss gezwungen werden, sich mit dem Rechtsverständnis der realen Welt zu befassen. Auf eine Reform von innen hat man lange genug gewartet. Zu viele leben zu gut von dem Geschäft mit dem Fußball, das der Verbandskonzern auf maximalen Ertrag getrimmt hat. Geld kann eine Waffe sein. Auch von den deutschen Würdenträgern war lange nicht viel zu erwarten.

Da fehlte einer wie Uli Hoeneß, der schon vor Jahren öffentlich die Absetzung Blatters gefordert hat - jetzt folgt ihm immerhin Liga-Präsident Reinhard Rauball in dieser Meinung. Ansonsten bestimmten den dezenten Ton die hinlänglich bekannten Franzeleien Beckenbauers, oder Karl-Heinz Rummenigge, Vorsitzender des FC Bayern München, der erst neulich der BBC erklärte, Blatter könne sich ändern. Jener Blatter, der dem Männerbund seit 1998 vorsitzt, die Bezeichnung Diktator als Schmeichelei empfindet und nun behauptet, mit dem Skandal auf seinem Territorium nichts zu tun zu haben.

Was nun? Es bliebe ein Weg, den Verbraucher schon oft gegangen sind. Es ist der Weg des Verzichts. Kein Verband ist Zwangsmitglied der Fifa. Kein TV-Sender muss die Rechte kaufen. Und kein Zuschauer ist gezwungen, eine Fifa-Veranstaltung zu besuchen. BSE in der Kuh, Weichmacher im Spielzeug, Wahnsinn in der Fifa: Der Verbraucher hat die Macht, das zu ändern. Tut halt weh, der Verzicht auf Steak und Stollenschuhe.

Zuerst aber sollten jene Funktionäre, die im Baur au Lac unbehelligt zu Ende frühstücken durften, aufstehen. Blatters Wahl würde das System in die Unendlichkeit verlängern - sie darf jetzt nicht stattfinden, zu Beginn solcher Ermittlungen. Es liegt an den großen Verbänden, mindestens eine Verschiebung zu beantragen. Der größte ist der Deutsche Fußball-Bund mit Wolfgang Niersbach an der Spitze. Das wäre zwar nur ein Signal - aber eines, auf das Fußballfreunde warten.

© SZ vom 28.05.2015/jbe
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