Kontakte nach Katar Auf allen Ebenen wird hart gedealt

Der erfolgreiche, öffentlich bisher nicht bekannte Kanzler-Vorstoß beim Emir zeigt, dass Deutschland nicht nur wegen schöner Stadien, der Aussicht der Fifa auf Milliardenerlöse und Franz Beckenbauers Einsatz als Bewerbungschef die WM erhielt. Sondern auch, weil im Hintergrund viele Strippenzieher am Werke waren, bis hin zu Kanzler Schröder. Dessen Fürsprache beim Emir belegt zudem, dass Blatters stete Parole, wonach Sport und Politik sauber getrennt werden müssten, sich auch in diesem Fall als leeres Gerede erweist.

Bei der Vergabe von Weltmeisterschaften und anderen Großereignissen bis hin zu den Olympischen Spielen wird mit allen Kräften und auf allen Ebenen politisch hart gedealt. Jeder Bewerber versucht, sich Vorteile zu verschaffen; nicht selten fließt Schmiergeld. Die Fifa ist seit langem von Korruption durchsetzt. Schweizer Staatsanwälte gehen dem Verdacht von Geldwäsche und Untreue bei den WM-Vergaben 2018 an Russland und 2022 an Katar nach. Die US-Justiz untersucht weitere Fälle: Die Vergabe der Turniere 1998, 2002 und 2010 stehen derzeit zur Debatte.

Theo Zwanziger Katar verklagt Theo Zwanziger
Ex-DFB Präsident

Katar verklagt Theo Zwanziger

Katar sei das "Krebsgeschwür des Weltfußballs" - für diese Worte wird sich Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger wohl vor Gericht verantworten müssen. Der umstrittene Ausrichter der WM 2022 spricht von Verleumdung und will klagen.

Für den Einsatz illegaler Mittel bei der deutschen WM-Bewerbung gibt es keine Hinweise. Auch Schröders Vorstoß beim Emir verstieß gegen kein Gesetz. Der Regierungschef wollte Gutes tun für sein Land. Aber man wüsste schon gerne, worüber bei dem Staatstreffen im Mai 1999 sonst noch gesprochen wurde. Deutsche Konzerne hatten kurz vor dem WM-Zuschlag große Geschäfte mit Thailand und Südkorea angekündigt oder besiegelt. In Thailand wie auch in Malta absolvierte der FC Bayern Anfang 2000 Freundschaftsspiele, bei denen nebenbei satte TV-Honorare für die Gastgeber flossen. Auch der Fifa-Mann aus Malta stimmte wohl für Deutschland.

Und was ist mit Katar? Deutsche Firmen exportieren vor allem Autos, Anlagen und Maschinen an den Golf; der Ölstaat hält Anteile an Konzernen wie Volkswagen und Siemens. Es liegt auf der Hand, dass Kanzler Schröder mit dem Emir nicht nur über Fußball, sondern auch über Wirtschaftsthemen sprach. Schröder äußert sich dazu nicht. Der Ex-Regierungschef gebe "zu Gesprächen, die er während seiner Amtszeit als Bundeskanzler mit Staats- und Regierungschefs geführt hat, grundsätzlich keine Auskunft", teilt sein Büro mit. Die SZ fragte auch beim Bundespresseamt an, was damals besprochen wurde: Gab es Absichtserklärungen, gar Übereinkünfte zu Wirtschaftsvorhaben? Nein, antwortet eine Regierungssprecherin und lässt ansonsten offen, ob generell über wirtschaftliche Interessen gesprochen worden sei.

Kontakte nach Katar gelten im Sportgeschäft inzwischen als heikel. Die Verdachtsmomente in Hinblick auf die WM-Vergabe 2022 an Katar häufen sich, und dass Bin Hammam konkret in diverse unsaubere Geldflüsse verwickelt war, ist sogar schon von der Fifa-Ethikkommission eruiert worden. Der Katarer wurde 2012 für alle Fußballtätigkeiten lebenslang gesperrt.

Als Schröder den Emir das nächste Mal traf, am 21. November 2000, Monate nach dem WM-Zuschlag, bedankte er sich für die Unterstützung. Der Emir erwiderte, er freue sich über den Zuschlag für Deutschland. Das habe dem Außenminister von Katar zwar einige Probleme mit anderen arabischen Ländern bereitet, vor allem mit Marokko, das bei der Vergabe gescheitert war. Aber schlaflose Nächte hat der Emir nicht gehabt: Das Kanzleramt notierte, der Emir habe "scherzend" auf die Probleme seines Außenministers hingewiesen.