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Kommentar:Reiche Klubs werden noch reicher

FC Bayern Muenchen AG - Annual General Meeting

Karl-Heinz Rummenigge betrachtet die Trophäen-Sammlung des FC Bayern 2013.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Die Reform der Champions League nützt vor allem den Vereinen, die eh schon viel haben. Karl-Heinz Rummenigge bastelt weiter an der sportlichen Unantastbarkeit des FC Bayern.

Kommentar von Philipp Selldorf

Soeben haben sich die Europäische Fußball-Union Uefa und die European Club Association (ECA) auf eine Reform der Champions League geeinigt, die ab 2018 in Kraft treten und zunächst drei Jahre Bestand haben soll. Aber auch auf Reformen trifft die ewige Sepp-Herberger-Weisheit zu, weshalb es heißt: Nach der Reform ist vor der Reform. So kündigte der ECA-Vorsitzende Karl-Heinz Rummenigge, hierzulande auch als Vorstandschef des FC Bayern bekannt, schon jetzt Gespräche über die nächsten Umbauten am attraktivsten Klub-Wettbewerb der Welt an. Sie werden sich dem Drei-Jahres-Zyklus widmen, der 2021 beginnt.

Rummenigge bezeichnete die anstehenden Gespräche als "eine Art Garantie, dass die Klubs unter dem Schirm der Uefa bleiben". Wohlgemerkt: Er hat nicht gesagt, dass sie eine Garantie darstellen, sondern "eine Art Garantie". Die Leute bei der Uefa wissen also, dass sie auch in der nächsten Verhandlungsrunde wieder mit Warnungen der Spitzenklubs rechnen dürfen, den Schirm der Uefa zu verlassen und in eine autonome europäische Superliga abzuwandern. Sie kennen das Ritual: Mit der Drohung einer Sezession und einer Superliga wurden sie 2007, 2011 und auch in diesem Jahr konfrontiert.

Niemand weiß, was bei der Reform der Reform herauskommen wird, aber eines weiß man mit Bestimmtheit: Die Rückkehr zu einem Modell, das mehr Chancengleichheit in den Europacups und in den nationalen Ligen herstellt, wird es nicht geben. Diese Gelegenheit hätte man auch jetzt ergreifen können, es gibt bekanntlich hinreichend Grund dazu: Wenn es um die Verteilung der Trophäen und um die Plätze in der Schlussphase der Champions League geht, dann beschränkt sich der Kandidatenkreis auf die immer gleiche Oligarchie von Spitzenklubs. Aber die ab 2018 gültigen Veränderungen sollen natürlich nicht bewirken, dass mehr Klubs an den voraussichtlich sprunghaft steigenden Profiten der Champions League partizipieren werden. Die höheren Preisgelder werden vor allem jenen finanzstarken Klubs zugutekommen, die ohnehin dauerhaft die Wettbewerbe in ihren Heimatländern und in Europa dominieren.

Misstrauen vor der nächsten Reform

Schon heute tut sich bei der Verteilung der Prämien zwischen Champions und Europa League ein Abgrund auf. Doch während das Verhältnis bisher circa 3:1 zugunsten der Champions League lautete, wird es ab 2018 mindestens 4:1 betragen. Und weil die Erlöse steigen, werden die Reichen noch etwas reicher. Wenn Rummenigge jetzt sagt, er sei "extrem zufrieden", wie sich das Verhältnis zur Uefa entwickelt habe, dann kann das nur Misstrauen vor der nächsten Reform wecken.

Man kann die Spitzenklubs dafür bewundern, wie sie die Situation in der seit dem Abtreten von Michel Platini und Gianni Infantino führungslosen Uefa für ihre Zwecke genutzt haben. Und man kann Rummenigge ("Mir reicht es langsam mit dem Schicksal") gratulieren, dass er seine Bayern Schritt für Schritt dem Wunschziel sportlicher Unantastbarkeit näher bringt. Aber es könnte der Tag kommen, an dem sich die Leute freuen, wenn die Spitzenklubs endlich in ihrer Superliga verschwinden, und der Fußball vor der Haustür wieder spannend wird.

© SZ vom 08.09.2016/schm
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