Michel Platini und die Fußball-EM:Wenn der Gastgeber auf der eigenen Party fehlt

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Michel Platini

Wird sich nicht recht auf die EM 2016 freuen können: Michel Platini

(Foto: dpa)

Es sollte die Michel-Platini-EM werden - mit vielen kleinen Teilnehmern. Doch im Gegensatz zu Island und Wales verpasst der Uefa-Präsident wohl das Turnier.

Kommentar von Johannes Aumüller

Ganz knapp haben es die Zimmermänner und Fischer von den Färöer verpasst. Sechs Punkte holten sie, so viele wie seit Beginn des Jahrtausends nicht mehr in der Qualifikation für ein großes Turnier, aber für die EM-Endrunde 2016 in Frankreich reichte es trotzdem nicht.

Ganz ähnlich bilanzieren die jüngsten Monate auch andere kleinere Fußballnationen wie Luxemburg (immerhin nicht Tabellenletzter), San Marino (immerhin ein Punkt), Gibraltar (immerhin erstmals dabei gewesen) oder Holland (immerhin anders als beim Scheitern in der Qualifikation für die WM 2002 bis zum letzten Spieltag mit Hoffnungen auf die Endrunde).

Färöer und San Marino bei einer EM? Ein beliebter Gag

Eine EM mit den Färöern und San Marino, dieser Gag war vor acht Jahren sehr beliebt. Damals köderte Michel Platini im Kampf um die Präsidentschaft in Europas Fußball-Union (Uefa) das Wahlvolk mit einer Aufstockung des EM-Tableaus von 16 auf 24 Teams, einem Klassiker unter den sportpolitischen Manövern. Jetzt steht das Teilnehmerfeld der Michel-Platini-EM weitgehend, und unabhängig vom Ausgang der Playoff-Spiele lassen sich ein paar Punkte festhalten:

a) Dank der Holländer verlief die Qualifikation nicht ganz so langweilig wie befürchtet;

b) Platinis Strategie erfüllte sich, 2016 gibt es zahlreiche Teams, die ihre EM-Premiere erleben, wenn auch nicht die Färöer und San Marino;

c) Zumindest manche Neulinge wie Wales oder Island dürfen die These vertreten, dass ihre Qualifikation vordergründig nichts mit dem Modus zu tun hat, sondern mit einer Kräfteverschiebung im Fußball-Mittelfeld Europas;

d) Die Teilnehmeraufstockung erweist sich auch als Rettungsanker für vermeintlich etablierte Fußballnationen wie Schweden oder Dänemark, die jetzt noch in die Relegation dürfen.

In der Vorrunde droht Langeweile

Der problematischere Teil des neuen Formats steht ja ohnehin noch bevor. Die Vorrundengruppen bei der Europameisterschaft werden für die Favoriten in der Tendenz leichter sein als bisher. Zudem kommen neben dem Sieger und dem Zweiten auch die vier besten Dritten weiter. Nicht nur der deutsche Nationalelf-Manager Oliver Bierhoff sieht daher die Gefahr, dass das Turnier etwas verwässert und erst ab der K.-o.-Runde richtig interessant wird - so ähnlich wie die Champions League.

Platini selbst plagen in Gestalt von Strafermittlern und Fifa-Ethikern derzeit ohnehin ein paar andere Probleme, und das ist durchaus eine nette Pointe: Da dürfen dank des Franzosen so viele Menschen wie nie zu einer EM, aber dass er selbst die Michel-Platini-EM in einem offiziellen Fußball-Amt verfolgt, ist unwahrscheinlicher als die Qualifikation der Färöer fürs nächste große Turnier.

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