Süddeutsche Zeitung

Kommentar:Für kein Geld der Welt

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Der Rauswurf von Bambergs langjährigem Geschäftsführer Rolf Beyer wirkt noch immer bizarr. 43 Stunden vergingen, ehe den Klubverantwortlichen dämmerte, wie ungeheuerlich die fehlende Präzision des Vorwurfs war.

Von Philipp Schneider

Michael Stoschek macht sich offenbar keine allzu großen Sorgen, dass er eines Tages keine guten Leute mehr findet, die sich von ihm einstellen lassen wollen. Sei es in Stoscheks Weltkonzern, dem Automobilzulieferer Brose. Sei es beim Basketball-Bundesligisten in Bamberg, dessen Aufsichtsratsvorsitzender Stoschek und dessen wichtigster Geldgeber Brose ist. Und warum auch sollte sich Stoschek sorgen? Dem 70-Jährigen wird das fähige Personal wohl wirklich nie ausgehen: Er kann es sich ja kaufen.

Wegen einer netten Arbeitsatmosphäre, wegen respektvollem Miteinander auf der Geschäftsstelle wird so schnell keiner mehr unterschreiben beim neunmaligen Meister. Nicht nach diesem bizarren Rauswurf des langjährigen Geschäftsführers Rolf Beyer. Dem Rauswurf eines Geschäftsführers, der gar nicht mehr rausgeworfen werden musste, weil er von sich aus gegangen wäre. Eines Geschäftsführers, der zum Ende des Jahres schon gekündigt hatte, weil er offensichtlich keine Lust mehr hatte auf die Stelle.

Ist die Pressemitteilung zum Rauswurf Beyers deshalb mit so viel Schaum vor dem Mund verfasst worden? Weil sich hier einer nicht länger mit Geld zum willfährigen Untertan machen lassen wollte und verkündet hatte: Adios, liebe Basketballfreunde, ich habe jetzt was Besseres gefunden? Lässt einer wie Stoschek, der es mit seinem Einfluss sogar hinbekommen hat, dass die Stadt Coburg eine Straße nach dem eigenen Großvater benannte, obwohl Max Brose NSDAP-Mitglied war, so etwas auf sich sitzen?

Viel Inhalt hatte das Kommuniqué nicht. Nur sieben dürre Zeilen. Genug Platz immerhin für eine ungeheuerliche Formulierung, die durchaus justiziabel sein könnte. Als Grund für die Trennung von Rolf Beyer gab der Klub an, es habe "finanzielle Unregelmäßigkeiten" gegeben. Ungeheuerlich war nicht so sehr der Vorwurf an sich. Ungeheuerlich war die fehlende Präzision der Formulierung. Was, bitteschön, sind finanzielle Unregelmäßigkeiten? Hatte hier jemand sein privates Abendessen versehentlich mit der Klub-Kreditkarte bezahlt? Die Reinigungskraft aus der Halle auch zu Hause putzen lassen? Sich bei der Addition der Sponsoreneinnahmen verrechnet? Oder hatte hier einer im großen Stil Einnahmen veruntreut und in der eigenen Tasche verschwinden lassen? Die Mitteilung zum Rauswurf eines Geschäftsführers, der gar nicht mehr rausgeworfen werden musste, warf Fragen auf, Antworten gab sie keine. Und so wirkte sie, wie sie offensichtlich wirken wollte: als Mitteilung zur Diskreditierung eines Mannes, der in seinen Jobs davon leben muss, zuverlässig und seriös zu arbeiten.

43 Stunden vergingen, ehe es den Klubverantwortlichen wohl dämmerte, dass sie besser noch eine Präzisierung nachschieben sollten. Beyer habe es trotz des höchsten Etats aller Vereine in der BBL nicht geschafft, zum Jahresende einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen, hieß es in einer zweiten Mitteilung. Erst seit wenigen Tagen sei dem Aufsichtsrat bekannt, dass Ende 2018 Mittel in Millionenhöhe fehlen werden - wie übrigens schon in den Jahren zuvor.

Das klang so, als habe der Geschäftsführer Beyer einen Fehler gemacht: Er hat sich verkalkuliert. Bemerken können hätte dies eigentlich der Vorsitzende des Aufsichtsrats: Stoschek, der Milliardär.

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Quelle:
SZ vom 01.12.2018
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