Coronafolgen für den Sport:Ein Verlust für die gespaltene Gesellschaft

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Während der Corona-Pandemie hat der organisierte Sport 800 000 Mitglieder verloren - vor allem die Jüngsten bleiben weg.

(Foto: Michael Hundt / Matthias Koch; imago/imago/Matthias Koch)

Fast 800 000 Mitglieder hat der deutsche Sport 2020 verloren - das ist ein Problem, das alle angeht. Denn Vereine haben die Kraft, zu kitten, was die Pandemie auseinanderreißt.

Kommentar von Thomas Gröbner

Die Zeichen waren deutlich: Die Jogger-Horden auf den Straßen, die ausverkauften Rennräder in den Geschäften, man hat es kommen sehen. Jeder läuft und tritt für sich allein, und der Rest, so scheint es, hat sich einen Hund angeschafft während der Pandemie. Klar, der innere Schweinehund wird dann nicht auch noch gefüttert, und doch überrascht die Wucht der Zahl: Fast 800 000 Mitglieder hat der deutsche Sport verloren im Corona-Jahr 2020, und es wird weitergehen mit dem Schwund, damit rechnet Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Ein "herber Rückschlag" für Sportdeutschland sei das. Das ist erstaunlich harmlos formuliert.

Denn wenn der Breitensport leidet, ist das nicht nur ein Problem des Spitzensports und der Goldhoffnungen von morgen. Sondern ein Schmerzpunkt der Gegenwart. Als "Kitt der Gesellschaft", als "soziale Tankstelle", so bewarben die Verbände den organisierten Sport während der Pandemie. Nun muss man festhalten: Der Kleber löst sich. Der Treibstoff geht zur Neige.

Die Sportverbände saßen oft nicht am Verhandlungstisch der Politik

Der Schulsport wurde rabiat abgesagt, die Kinder wurden abgemeldet beim Turnen, und nun droht eine ganze Generation verloren zu gehen für den Sport. Bis zu ein Viertel der unter Sechsjährigen fehlen laut der Zählung der Vereine, die Jüngsten bleiben weg. Die Folgen sind jetzt schon spürbar. Schwimmtrainer klagen, dass sie den Kindern nach dem Lockdown erst einmal wieder Laufen beibringen müssten, an ein Seepferdchen-Abzeichen ist nicht zu denken. Deutschland wird aus einem Volk der Dichter, Denker und Vereinsmeier zu einem Land der Nichtschwimmer.

Es ist ja nicht so, dass die Verbände nicht Alarm geschlagen hätten. Nur Gehör gefunden haben sie bei der Politik kaum, oft saßen sie nicht einmal mit am Tisch bei den Verhandlungen, nach denen dann die Baumärkte geöffnet und die Sportplätze versperrt wurden. Schaffte es der Sport dann doch auf die Tagesordnung, ging es meist darum, das Millionengeschäft des Profifußballs zu beatmen. Und nun? Brummt der Fußballbetrieb wieder, und auch die Jugendmannschaften haben weiter Zulauf. Aber im Schatten von König Fußball wird es dunkel: Die Großvereine in den Ballungszentren darben, zehn Prozent ihrer Mitglieder haben ihnen den Rücken gekehrt, es fehlen die Ehrenamtlichen, die das System tragen.

Dabei haben die Sportvereine die Kraft, wieder zusammenzubringen, was die Pandemie auseinandergerissen hat. Denn auf den Tennisplätzen und in den Turnhallen klatschen sich Impfgegner und Befürworter ab (Hände waschen nicht vergessen!), und vor den Fußballtoren auf dem Bolzplatz sind alle gleich. Einer gespaltenen Gesellschaft darf es deshalb nicht egal sein, wenn ihre Sportvereine leiden.

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