Kombination der Frauen:Das Versprechen der Kristallkugel

FIS Nordic World Ski Championships

Pionierin auf der Schanze und in der Loipe: Die Norwegerin Gyda Westvold Hansen auf dem Weg zum ersten Weltmeistertitel in der Kombination für Frauen.

(Foto: Kai Pfaffenbach/Reuters)

Das WM-Debüt der Nordischen Kombiniererinnen zeigt, wie überfällig eine Förderung der Frauensparte in diesem komplizierten Sport ist.

Von Volker Kreisl, Oberstdorf

Wie jeder Spitzensport, so werden nun auch in der Nordischen Kombination der Frauen Auszeichnungen für die Siegerinnen vergeben. Abzeichen, kleine Pokale und Medaillen erhalten auch die Besten in diesem neuen Angebot für Wintersportlerinnen. Und selbstverständlich wird nun auch die Siegerin auf höchster Ebene, nämlich im Weltcup, mit der berühmten Kristallkugel der besten Winterathleten am Ende der Saison entlohnt.

Die Amerikanerin Tara Geraghty-Moats aus West Fairlee/Vermont hat dafür indes nicht allzu viele Siege einfahren müssen, genau genommen war es nur einer, nämlich jener im einzigen Weltcup in der Ramsau/Österreich, der in der Pandemie überhaupt stattfinden konnte. Das kann man als absurd empfinden, oder auch als Zeichen werten dafür, dass der junge Wettbewerb endlich ernstgenommen wird. Es ging ja alles ziemlich schnell. Nach kleineren regionalen Serien, dem zweitklassigen Continental Cup sowie dem Weltcup gab die Frauen-Kombi nun auch in Oberstdorf ihre Premiere bei nordischen Ski-Weltmeisterschaften.

Sportarten, die sich neu auf großer Bühne präsentieren, haben es nicht leicht. Sie sollen Werbung für sich machen, also einen spannenden Wettkampf bieten, andererseits ist das Teilnehmerfeld oft noch klein und der Kreis der Favoriten auch. In Oberstdorf erwischte dann die einzige große Favoritin Geraghty-Moats auch noch einen miserablen Sprung, rund zwei Minuten Rückstand in der Loipe konnte auch sie nicht mehr aufholen, weshalb drei Norwegerinnen - Gyda Westvold Hansen vor Mari und Marte Leinand Lund - auf dem Podium standen, dahinter die restlichen Pionierinnen dieses Sports.

Im Weltverband hatten manche Funktionäre Vorbehalte - wie beim Frauen-Skispringen

Dass die Deutschen, trainiert vom Thüringer Klaus Edelmann, nicht unter die besten Zehn kamen, war zuvor schon absehbar. Bis auf die ehemalige Sprungspezialistin Svenja Würth sind alle noch Teenager, wie im Übrigen der Rest des Feldes. Cindy Haasch verpasste knapp den Sprung unter die Top Ten, auch die anderen DSV-Läuferinnen ordneten sich noch unter den besten Zwanzig ein. Edelmann sagte, "wir konnten uns punktuell präsentieren", das musste als erster Lohn reichen.

Es könnte dauern, bis die Nordischen Kombinierinnen solch denkwürdige Wettkämpfe vorführen wie die Männer mit ihrer mehr als 120-jährigen Tradition. Trotzdem war es dringend nötig, den Sport auf der obersten Stufe nun zu präsentieren. Zum einen, weil die Verspätung auch durch das Zögern im Weltverband zustande kam, in dem ja manche Führungskraft anfangs auch Vorbehalte gegen das Frauen-Skispringen hatte. Zum anderen, weil es beim Nordischen Kombinieren darum geht, zwei gegensätzliche Fähigkeiten unter einen Hut zu bringen. Zwischen Fliegen und Hetzen muss man die richtige Balance erst finden, was Jahre dauert. Dafür dient eine WM auch als Werbung.

In Oberstdorf hatten zum Beispiel die jungen Deutschen schon nach dem Springen keine Chance mehr auf den Sieg. Mehr als im Schnitt eine Minute Rückstand konnten sie in der Loipe nicht wettmachen. Denn Edelmanns Schülerinnen stecken gerade mittendrin in der Suche nach dem Gleichgewicht. Schnell kann es passieren, dass ein Teil des Programms vernachlässigt wird, zuletzt eben das Springen. Somit gab es Überraschungen. Haasch, erst 16 Jahre alt, war die Beste und natürlich aufgeregt, sagte aber, irgendwann "konnte ich das auf der Strecke alles ausblenden". Am Ende war sie Elfte. Die anderen blieben selbstkritisch und dachten ans nächste Training. "Ich hab noch viel Zeit", sagte die 18 Jahre alte Jenny Nowak, "nächste Saison mach ich's besser." Und die einstige Skispringerin Svenja Würth erinnerte daran, dass das Langlaufen auf höchstem Niveau auch Geheimnisse birgt: "Ich kann in acht Monaten nicht nachholen, was die anderen in zehn Jahren gelernt haben."

Soweit ist also alles im Plan, das Olympiadebüt bei den Spielen in Mailand und Cortina d'Ampezzo 2026 ist wahrscheinlich. Damit wäre der nächste Schritt zur Gleichberechtigung im Nordischen Skisport getan. Und wenn dann noch die Skispringerinnen einen Skiflug-Weltcup bestreiten, zudem bei der Vierschanzentournee in einer eigenen Serie mitspringen dürfen, dann wäre die Entwicklung dieses sehr alten Sports wohl abgeschlossen.

© SZ/jkn
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