Kölns 0:6 in Hoffenheim "Mit solchen Leistungen bleiben wir nicht in der Liga"

Sichtlich niedergeschlagene Kölner nach der desaströsen Niederlage gegen die TSG Hoffenheim.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
Von Tobias Schächter, Sinsheim

Der Kölner Sport-Geschäftsführer Armin Veh saß lässig auf einem Stuhl im Stadion der TSG Hoffenheim, die Beine übereinandergeschlagen und die Arme vor der Brust verschränkt, als der Kölner Trainer Stefan Ruthenbeck von einem "rabenschwarzen Tag" seiner Elf sprach. Mit 0:6 (0:1) war der Effzeh in Hoffenheim untergegangen. Das Ergebnis wirkte angesichts der Überlegenheit und der vergebenen Chancen des Gegners fast glimpflich für die Gäste - und ist ein herber Dämpfer für den FC im Kampf um den Klassenverbleib.

Ruthenbeck wusste, dass ohne eine Leistungssteigerung der Klassenerhalt nicht möglich sein wird. Armin Veh, seit Dezember als Geschäftsführer beim FC und zuvor fast ein Vierteljahrhundert Trainer, sagte: "Das war mit Abstand unser schlechtestes Spiel, heute waren alle zehn Feldspieler überfordert. Ich glaube, es macht keinen Sinn, diesen Auftritt bis zum Ende durchzuanalysieren."

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Auch Ruthenbeck riet seinen Spielern noch auf dem Platz, dieses Spiel "schnell zu verdrängen. Wir haben keine Zeit, uns großartig damit zu beschäftigen." Schon am nächsten Wochenende steht die womöglich vorentscheidende Partie um den Klassenverbleib gegen den FSV Mainz 05 an. Vor dem aktuellen Spieltag lagen zwischen dem FC auf dem ersten direkten Abstiegsplatz und den Mainzern auf Relegationsplatz 16 fünf Punkte. Die Mainzer können ihren Vorsprung am Sonntag noch ausbauen.

Ruthenbeck haderte, dass nach dem 2:0 vor der Länderspielpause gegen Leverkusen die Stimmung in Köln "viel zu positiv" gewesen sei. Der Erfolg im Derby sei, so der Trainer, auch deswegen zustande gekommen, weil der Gegner lange in Unterzahl gespielt habe. In Hoffenheim nun wirkte es von der ersten Sekunde an so, als hätten die Kölner einen Spieler weniger auf dem Platz. In den letzten zehn Minuten leisteten sich die Hoffenheimer sogar den Luxus, freiweillig nur zu zehnt zu spielen: Trainer Julian Nagelsmann hatte schon drei Mal gewechselt und schonte dann beim Stand von 6:0 in der Schlussphase den überragenden, aber angeschlagenen Serge Gnabry. Der schnelle Stürmer erzielte die beiden ersten Tore der TSG (22., 47.) und bewies, warum er in der nächsten Saison beim FC Bayern München ein Herausforderer für einen Stammplatz werden kann. Gnabry ist ja nur bis Saisonende vom Rekordmeister an Hoffenheim ausgeliehen.

Der Kölner Torhüter war der einzige FC-Profi mit Normalform

Eine "Frechheit" nannte Torhüter Timo Horn die Leistung seiner Elf, er war der einzige FC-Profi mit Normalform. Diese Tatsache sagt nach einem 0:6 fast alles über die trostlose Vorstellung des FC. "Das kam heute einer Aufgabe gleich", sagte Horn, dem die Fans "leid taten", die mit nach Hoffenheim gereist waren. "Mit solchen Leistungen bleiben wir nicht in der Liga."

Noch sechs Spiele sind zu spielen, und Mut macht nach diesem dunklen Wochenende für den FC nur wenig. Horn sagte, seine Mannschaft sei in dieser Saison schon oft nach Rückschlägen wieder vom Boden aufgestanden. Trainer Ruthenbeck meinte: "Wir müssen hoffen, auf Mannschaften zu treffen, die weniger Speed haben als Hoffenheim." Doch das alleine wird nicht genügen: So schlecht wie an diesem Ostersamstag darf sein Team in der Bundesliga wohl gegen keinen Gegner verteidigen.

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