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Bundesliga:Der 1. FC Köln ist wieder auf Sendung

1. FC Köln - Bayer Leverkusen

Der Sportdirektor jubelt mit: Horst Heldt (l.) neben Kingley Ehizibue (oben) und Torschütze Jhon Cordoba nach dem Tor zum 1:0.

(Foto: Marius Becker/dpa)
  • Der 1. FC Köln gewinnt überraschend im rheinischen Derby gegen Bayer Leverkusen.
  • Die Kölner profitieren dabei auch von zwei Leverkusener Platzverweisen.
  • Leon Bailey verärgert mit seiner roten Karte selbst Mitspieler.

Als der erste Jubel langsam verebbte, merkten die euphorisierten Kölner Zuschauer, dass der Grund ihrer Freude in Frage stand: Das gerade erzielte Führungstor ihres 1. FC Köln gegen Bayer Leverkusen wurde videotechnisch überprüft, es war offenbar eine knappe Situation, und plötzlich kamen die Erinnerungen an all die Videobeweise, die in dieser Saison gegen Köln entschieden wurden, kollektiv hoch. Das skeptische Raunen wurde immer lauter. Eine gute Minute dauerte das Warten, dann zeigte Schiedsrichter Manuel Gräfe... zum Mittelkreis. Der FC führte im Derby 1:0.

Die Szene in der 73. Minute stand für ein Spiel, das 2:0 (0:0) endete und in dem die Werkself für ihre unerklärliche Leistung bestraft wurde (Trainer Bosz: "Wir waren schlecht") und in dem der krasse Außenseiter - anders als im bisherigen Saisonverlauf - praktisch jede knappe Entscheidung für sich reklamieren konnte. Das fing an in der 41. Minute. Da gelang den fahrigen Gästen zum ersten Mal ein Pass in die Tiefe. Nationalspieler Kai Havertz drang in den Strafraum ein und stürzte, auf den ersten Blick ein Foulelfmeter. Doch Gräfe entschied auf Schwalbe, und in der Tat hatte Verteidiger Sebastiaan Bornauw bei seiner Grätsche den Gegner nicht getroffen - wenn auch nur, weil Havertz abhob, bevor er getroffen werden konnte. Wäre der Leverkusener einfach weitergelaufen, wäre der Kontakt unvermeidlich gewesen.

Der eingewechselte Risse leitet beide Tore ein - bevor er wieder ausgewechselt wird

Im Gegenzug erhielt Gästeverteidiger Dragovic die gelbe Karte, obwohl der Kölner Dominick Drexler ihn gefoult hatte - eine unscheinbare Szene, die 20 Minuten später eine spielentscheidende Note bekam. Denn nach einem Foul an Cordoba, das wirklich eines war, wurde Dragovic mit Gelb-Rot bedacht. Der Schiedsrichter habe sich "bei mir entschuldigt", sagte Dragovic später, aber die erste gelbe Karte "konnte er ja nicht mehr zurücknehmen".

In Unterzahl wurden die Gäste noch konfuser, und die Kölner immer mutiger. Trainer Markus Gisdol, der viele erfahrene Spieler auf die Bank gesetzt und dafür zwei Teenager (Noah Katterbach, 18, sowie Jan Thielmann, 17) und den 20-Jährigen Ismail Jakobs aufgeboten hatte, wechselte Marcel Risse ein. Der in dieser Saison selten aufgebotene Flügelspieler kippte die Waage endgültig in eine Richtung: mit einem genialischen Lupfer hinter die Bayer-Abwehr, den Jonas Hector zum ebenfalls eingewechselten Torschützen Jhon Cordoba weiterleitete.

Der Leverkusener Bailey leistet sich die nächste Tätlichkeit

Vier Minuten später lieferte Leon Bailey das i-Tüpfelchen auf den verdorbenen Nachmittag der Leverkusener. Gerade erst von einer mehrwöchigen Sperre wegen einer Tätlichkeit zurückgekehrt, leistete sich der Jamaikaner nach einer Provokation des Kölners Kingsley Ehizibue einen Schlag ins Gesicht des Kölners (77.). Mitspieler Havertz umschrieb es noch freundlich, als er zu der Szene sagte: "Das war sicher nicht seine klügste Aktion." Kapitän Lars Bender wurde deutlicher: "Mit zehn wird's schwer, mit neun unmöglich. Da sind Jungs auf dem Platz, die sich 70 Minuten auskotzen und dann in der Folge zu neunt dagegenhalten müssen. Es ist nicht seine erste rote Karte, und ich erwarte da eine Entschuldigung." Sportchef Rudi Völler, der nach dem Abpfiff minutenlang mit Referee Gräfe über die Dragovic-Szene debattiert hatte, und sonst nie um klare Statements verlegen ist, sagte über Bailey: "Bei ihm fehlen mir die Worte." Dann fiel ihm aber doch noch ein: "Das war genau das, was wir vorher gesagt hatten: nicht provozieren lassen."

Kurz nach dem Platzverweis lieferte Risse die Vorlage für das i-Tüpfelchen eines traumhaften Kölner Nachmittags: eine seiner berüchtigten Freistoß-Fackeln, die in diesem Fall den Kopf von Bornauw fand, der zum 2:0 abschloss (84.). Drei Minuten später verließ Risse nach nur 31 Minuten Spielzeit den Rasen, eine Oberschenkelverletzung sorgte dafür, dass er es mit verärgertem Gesichtsausdruck tat. Gisdol hatte das Gesicht seines nach dem 2:0 ekstatisch jubelnden Sportdirektors Horst Heldt vor Augen: "Die Erleichterung war groß, nur sein Gesicht war nicht so schön." Etwas ernsthafter analysierend schickte er hinterher: "Zum ersten Mal habe ich den Eindruck gehabt, dass jeder bis in die letzte Zelle gespürt hat, was die Situation bei uns erfordert. Wir waren von der ersten Minute an komplett auf Sendung." Ganz im Gegensatz zu den Gästen.

Später wurde diskutiert, ob Leverkusen den Kölnern diesen Sieg nicht zu leichtgemacht hatte und sich zu wenig gewehrt hatte. "Wir haben auch bei elf gegen elf keinen guten Fußball gespielt", sagte Peter Bosz. "Das hatte auch mit Köln zu tun, aber vor allem mit uns." Havertz brachte es mit weniger Worten auf den Punkt: "Wir waren dumm."

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