In den hinteren Reihen der bis auf den letzten Holzbankplatz gefüllten Kirche hat es sich vielleicht so angehört, als hätte der Monsignore soeben die Gemeinde „im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geißbocks“ begrüßt, aber ganz so weit reichte die Verneigung vor der Instanz, die am Freitagvormittag das Haus beehrte, dann doch nicht. Domdechant Robert Kleine folgte der Liturgie und behielt die originale trinitarische Formel bei. Seinerseits wusste auch der 1. FC Köln die Form zu wahren, indem er Geißbock Hennes IX zu Hause im Stall ließ.
Ansonsten waren die Angehörigen des ersten Fußballklubs der Stadt so vollzählig wie möglich zur Messe im Dom erschienen: Funktionäre, Geschäftsführer und Familienmitglieder auf den reservierten Plätzen vornean, im Hauptschiff des Gotteshauses jene FC-Fans, die das Glück hatten, eines der kostenlosen Einlass-Billetts erlangt zu haben. Der Veranstalter, das Erzbistum Köln, verzichtete auf eine Durchsage wie im Stadion, andernfalls hätte der Conférencier triumphierend „ausverkauft“ ausrufen dürfen. Rund 4000 Menschen hatten sich zur jährlichen, sogenannten FC-Andacht im Dom versammelt, nicht wenige wahrscheinlich mit dem Hintergedanken, der Herr werde angesichts so vieler Kirchgänger dafür sorgen, dass die Gegner in der Bundesliga öfter bloß den Pfosten treffen.

Köln steigt in die Bundesliga auf:König Friedhelm, der Siebte
Der 1. FC Köln behält die Nerven und kehrt in die Bundesliga zurück. Trainer Friedhelm Funkel vollendet mal wieder eine spezielle Mission erfolgreich – es ist der siebte Aufstieg in seiner Karriere.
Schon zum Ende der vorigen Saison hatten die Diener der Kathedrale beobachtet, dass die Zahl der Kerzenstiftungen in den Kapellen deutlich zugenommen hatte. Die FC-Anhänger beteten für den Aufstieg, und siehe: Es betrat der Retter Friedhelm Funkel das Geißbockheim, das Trainer Gerhard Struber und Manager Christian Keller gerechterweise verlassen hatten.
Jenseits frommer und theologischer Aspekte vollzog sich nun im gotischen Dom zu Köln ein weiteres Mal die Markenvereinigung zweier Glaubensgemeinschaften. Schon zum elften Mal erhielt der FC den Segen der Kirche. Es lässt sich nicht sagen, welche Institution den größeren Nutzen davon hat, und in Anbetracht der harten Tatsachen im Jahr 2025 stellt sich vielleicht sogar die ketzerische Frage, wer die größere Gefolgschaft hinter sich vereint. Außer der Christmette an Heiligabend ist keine Messe im Dom so gut besucht wie die FC-Andacht.
Während die Menschen früher im schwarzen Anzug oder Kleid in die Kirche gingen, kamen sie am Freitag im schwarzen Fußballtrikot. Auch dafür mussten sie allerdings zum Kreis der Glücklichen gehören, die auf Anhieb ein Exemplar des Sondertrikots erringen konnten, das der Verein zum Anlass seines Bündnisses mit der katholischen Kirche herausgebracht hat. Denn dies war ja kein gewöhnlicher Freitag im August, sondern es war präzise der 777. Jahrestag der Grundsteinlegung im Dom; und als ob es Fügung wäre, ist dieses Jahr auch kein gewöhnliches Jahr, sondern das 77. seit der Gründung des 1. FC Köln Anno Domini 1948. „777 und 77, das sind jecke Jubiläen, die man in Köln einfach feiern muss“, verkündete Dechant Kleine, der als Vertreter des Bischofs fungierte. Er meinte das ganz und gar wörtlich, denn auf einmal präsentierte Kleine die legendäre lokale Band „Bläck Föös“ (bzw. deren legitime Epigonen), die unter anderem das altbekannte Lied „En unserem Veedel“ spielte, eine wunderbare Ballade, die bis ans Ende aller Menschheitstage die Kölner Herzen ergreifen wird.

Vor der Show hatte Kleine nicht versäumt, dem FC und dessen Werbepartnern für eine großzügige Spende an den Dombauverein zu danken (sinnigerweise 77 777 Euro). Dieser ist für den kostspieligen Erhalt der Kirche zuständig und benötigt ständig Unterstützung. Auf 20 Euro beläuft sich der Jahresbeitrag für Mitglieder, und mal ehrlich, so lockte geschickt der Priester: Allenfalls in Kölsch könne man sein Geld ähnlich gut anlegen – „aber wie viel Kölsch kann man für 20 Euro trinken?“ Es folgte dann auch noch eine Lesung aus einem Brief des Apostels Paulus und eine Predigt mit ernsten Tönen, doch spätestens bei den Fürbitten ging es wieder um die Hauptsache, um Fußball. Als nämlich Stadionsprecher Michael Trippel Gott um Gehör für seinen Wunsch bat, den Schiedsrichtern „den Geist der Klugheit zu schenken“.
Am Ende der Messe, das ist Tradition, spielt der Organist die Vereinshymne, und die Gemeinde hält die Schals hoch und singt den Text – ein Zeugnis für die Kraft dieser kölschen Fusion. Den Spielern hätte die Zeremonie sicherlich gefallen, doch sie mussten am Geißbockheim trainieren, am Sonntag spielt der 1. FC Köln im Pokal bei Jahn Regensburg. Auftakt in eine Spielzeit, die der 1. FC Köln mit geistlichem Beistand angeht. Dechant Kleine ersuchte um „Segen für eine friedliche und erfolgreiche Saison“.

