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Klub-WM in Katar:Noch ein Turnier reingequetscht

Club World Cup - Final - Liverpool v Flamengo

Aus einer anderen Zeit: Der katarische Scheich Joaan bin Hamad Al Thani überreicht Liverpools Mohamed Salah die Trophäe für die Klub-WM im Dezember 2019. Fifa-Präsident Gianni Infantino (links) schaut zu.

(Foto: Ibraheem Al Omari/Reuters)

Aller Kritik zum Trotz reist der FC Bayern im Februar zur Klub-WM nach Katar - die Belastung steigt abermals: In der Bundesliga werden dafür wohl keine Partien verschoben.

Von Johannes Aumüller

Positive Wortmeldungen über Gianni Infantino gibt es dieser Tage kaum. Zahllose Affären hat der Präsident des Fußball-Weltverbandes (Fifa) in den vergangenen Jahren aufgetürmt, inzwischen laufen in der Schweiz sogar strafrechtliche Ermittlungen gegen ihn. Die Kritik an seinem Gebaren ist immens, aber immerhin auf freundliche Töne aus Deutschland kann sich der Patron verlassen. "Ich möchte mich bei der Fifa und ihrem Präsidenten Gianni Infantino bedanken, dass es auch in Zeiten von Corona möglich ist, um diesen Titel zu spielen", ließ sich am Dienstagabend Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, auf der Internetseite der Münchner zitieren.

Dieser Titel, das ist die Fifa-Klub-Weltmeisterschaft, die der Weltverband vom 1. bis 11. Februar in Katar ausspielen lässt - mit dem Champions-League-Gewinner FC Bayern als einem von acht Teilnehmern. Der sportliche Wert der Veranstaltung hält sich in überschaubaren Grenzen. Aber beim FC Bayern verkaufen sie das so, dass sie jetzt "weiter Geschichte schreiben" können, weil sie nach Meisterschaft, Pokal und Europapokal sowie zwei Supercups erstmals sechs Titel in einem Jahr gewinnen könnten. Das gelang bisher nur dem FC Barcelona 2009.

Es ist bemerkenswert, dass und wie das Turnier noch ins Corona-Jahr gequetscht wurde. An der generellen Ausrichtung des Events wurde trotz des dichten Terminkalenders nicht gerüttelt; ebenso wenig am Ausrichterort, obwohl der WM-2022-Gastgeber Katar wegen des riesigen Bestechungsverdachtes bei der Turniervergabe und der Menschenrechtslage massiv umstritten ist. Erst am Mittwoch zeigte Amnesty International in einem Bericht erneut auf, dass die Missstände rund um die Rechte von Arbeitsmigranten trotz aller Besserungsversprechen weiter immens sind. Tausende von Arbeitnehmern seien "der Gnade skrupelloser Arbeitgeber" ausgeliefert, Missbräuche blieben häufig unbestraft. Aber die Fifa und ihr Boss Infantino sind Katar fest verbunden, ebenso der FC Bayern: durch jährliche Trainingslager und den Sponsor Qatar Airways.

Auf den FC Bayern warten wohl sechs Spiele in 17 Tagen

Gewöhnlich findet die Klub-WM zwischen allen kontinentalen Champions-League-Siegern kurz vor Weihnachten statt, das ist wegen der vielfältigen Corona-Folgen diesmal aber nicht möglich. Stattdessen sind es die ersten anderthalb Wochen im Februar. Der FC Bayern steigt am 8. Februar ein (der Gegner steht noch nicht fest), und sollte er das Spiel erwartungsgemäß gewinnen, stünde er am 11. Februar im Finale. Das erhöht den Druck im ohnehin engen Terminplan, denn in dieser Zeit läuft auch der nationale Betrieb weiter.

So ist für den 2./3. Februar die dritte Runde des DFB-Pokals geplant, für die sich der FC Bayern noch im Spiel gegen Holstein Kiel qualifizieren muss. In der Bundesliga tangiert der neue Termin der Klub-WM die Münchner Partien bei Hertha BSC (20. Spieltag/5. bis 8. Februar) und gegen Arminia Bielefeld (21./12. bis 15. Februar). Vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) und von der Deutschen Fußball Liga (DFL) gibt es bisher keine offiziellen Stellungnahmen bezüglich etwaiger Verlegungen. Nach SZ-Informationen ist allerdings eine Lösung denkbar, in der es ganz ohne Verschiebungen gehen würde.

Das Programm könnte dann so aussehen: Samstag, 30. Januar: Bundesliga gegen Hoffenheim; Dienstag, 2. Februar: Pokal; Freitag, 5. Februar: Bundesliga gegen Berlin; Montag, 8. Februar: Halbfinale der Klub-WM; Donnerstag, 11. Februar: Finale der Klub-WM; Montag, 15. Februar: Bundesliga gegen Bielefeld. 17 Tage, sechs Spiele, das ist der in diesem Jahr fast durchgehend übliche Rhythmus. Ein solches Szenario ist auch deswegen wahrscheinlich, weil es aufgrund des engen Kalenders so gut wie keine zeitnahen Ausweichmöglichkeiten gibt.

Wer alles bei der Klub-WM mitspielt, ist noch unklar

Zwischen Anfang Februar und Ende März sind nur zwei Termine unter der Woche theoretisch vakant - die zwei von vier Champions-League-Achtelfinal-Wochen, in denen der FC Bayern nicht spielen muss. Ein Ligaspiel gegen ein Spiel der Königsklasse anzusetzen, verbietet sich üblicherweise, es kam bislang nur sehr selten vor. Rücken die Münchner ins Viertelfinale der Champions League vor, ist sogar bis Ende April alles geblockt. In jedem Fall steigt die Belastung für die FCB-Spieler noch einmal an - auch wenn sie jetzt erklären, wie sehr sie sich auf das Turnier in Katar freuen.

Dessen genaues Teilnehmerfeld ist nach wie vor unklar. Neben dem FC Bayern sind nur Auckland City (Ozeanien) und al-Duhail SC als Vertreter Katars fix. In Afrika steigt erst Ende November das Endspiel, in Nordamerika Ende Dezember die Finalrunde. In Asien wartet Persepolis Teheran (Iran) auf einen Finalgegner, in Südamerika - also dem Kontinent, dessen Vertreter üblicherweise neben dem europäischen ins Endspiel einzieht -, hängt die Copa Libertadores noch im Achtelfinale und steht der Sieger sogar erst Ende Januar fest.

Das Turnier in Katar ist die letzte Klub-WM, die mit acht Mannschaften stattfinden soll. Danach ist der Wechsel auf ein Format mit 24 Teams vorgesehen, das Fifa-Boss Infantino ausgeheckt hat. Ursprünglich war dessen Premiere für den Sommer 2021 in China vorgesehen - nun ist es auf einen unbestimmten Zeitpunkt vertagt.

© SZ vom 19.11.2020/ebc
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