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Neue Saison der Premier League:Klopp stichelt vor dem Start in England

Jürgen Klopp findet nicht alles gut, was bei Chelsea passiert.

(Foto: Matthias Schrader/AP)

Liverpools Coach wundert sich über den Kaufrausch bei Chelsea und sieht sein Team gerüstet für die Titelverteidigung - aber brauchen die "Reds" nicht noch Verstärkung?

Von Jonas Beckenkamp

Wer sich gefragt hat, was eigentlich Jürgen Klopp vor dem Start der Premier League an diesem Wochenende so umtreibt, der musste dieser Tage nur etwas Fernsehen gucken. Die alte Tante BBC hatte den Liverpooler Meistertrainer zum großen Auftakt-Gespräch geladen und natürlich ist Klopp keiner, der an solcher Stelle interessante Antworten schuldig bleibt. Er ist im Sommer 53 geworden, aber was bedeutet das schon - nach dem Titelgewinn in der vergangenen Saison, der ersten Meisterschaft der "Reds" seit sagenhaften 30 Jahren, gilt er auf der Insel ohnehin als unsterblich.

Also erzählte Klopp offen wie immer, wie er die Dinge sieht. Und er hatte ein paar klare Ansagen parat. Etwa zu den Rivalen FC Chelsea und den Manchester-Klubs und deren luxuriösen Shoppingtouren in diesem Sommer. Vor allem das Abramowitsch-alimentierte Chelsea hat bekanntlich auf vermeintliche Corona-Demut gepfiffen und seine ganze Wirtschaftskraft eingesetzt, um es endlich wieder ernsthaft mit Liverpool und ManCity aufzunehmen. Aber ob die "Big Spender" damit Erfolg haben? Klopp äußerte Zweifel.

"Die einen kaufen Spieler, die anderen arbeiten gemeinsam daran, sich zu verbessern", sagte der Teammanager des Titelverteidigers, der in seiner Liverpool-Zeit aber durchaus auch schon mal etwas Geld ausgeben durfte. Erinnert sei an die geschätzten 85 Millionen Euro für Verteidiger Virgil van Dijk oder jene fast 63 Millionen für Torhüter Alisson. Aber zur neuen Saison, und das ist der große Unterschied zur Konkurrenz, herrscht bei Klopps Klub eben eher Sparsamkeit.

Zum Vergleich: Liverpools bislang einziger Zukauf ist der griechische Linksverteidiger Kostas Tsimikas, 24, der für schnuckelige 13 Millionen Euro von Olympiakos Piräus kommt. "Schnäppchen" wäre noch eine untertriebene Beschreibung für diesen großen Unbekannten. Chelsea dagegen hat im Zuge eines wahren Kaufrausches unter anderem Kai Havertz (aus Leverkusen), Timo Werner (Leipzig), Ben Chilwell (Leicester) und Hakim Ziyech (Ajax) für etwa 220 Millionen verpflichtet, dazu kam ablösefrei Thiago Silva von Paris Saint-Germain.

Klopp hätte gerne Timo Werner in Liverpool gehabt

ManUnited gönnte sich immerhin Donny van de Beek (Ajax) und wirkt auch aufgrund des drohenden Abschieds von Paul Pogba fest entschlossen, weiter am Kader zu schrauben. Und auch ManCity ist nach den Transfers von Nathan Aké (Bournemouth) und Ferran Torres (Valencia) lange nicht fertig: Für Neapels Wuchtbrumme Kalidou Koulibaly sind um die 80 Millionen Euro im Gespräch.

Zumindest Timo Werner hätte Klopp für seine Flitzer-Offensive wohl auch gerne gehabt, doch der deutsche Nationalstürmer wurde zu teuer für Liverpool. Und auch der Wechsel von Klopps dritter Wunschoption Jamal Lewis (Norwich City) ließ sich nicht realisieren. Freilich kursiert noch immer der Name Thiago durchs Gefilde an der Mersey, doch auch bei ihm ist Liverpool keineswegs am Transferziel. Für den Bayern-Taktgeber interessiert sich offenbar auch United erheblich, während eine Barcelona-Rückkehr unwahrscheinlich erscheint. Thiagos Äußerungen zuletzt lassen indes auch den Schluss zu, dass er einfach in München bleiben könnte.

Klopp vertraut derweil auf den Stamm seiner Meisterelf. Warum auch nicht, nachdem mit diesem der Titel samt 18-Punkte-Vorsprung heraussprang. "Wir verteidigen keine Titel, wir wollen neue holen", erklärte er, "wir haben gerade erst angefangen mit dem Gewinnen." Und dieser neue Anfang nimmt nun mit dem Heimspiel gegen Aufsteiger Leeds United um deren Deutschland-Import Robin Koch am Samstag (18.30 Uhr im SZ-Liveticker) seinen Lauf.

Klopp sieht sein Team "mittendrin" in der Entwicklung, ein Ende des Zyklus um Sadio Mané, van Dijk oder Mo Salah - alle schon jenseits der 28 - sieht er im Gegensatz zu einigen Experten nicht. TV-Vorredner Gary Neville zum Beispiel vermisst etwas "frisches Blut". Er fände es eine "übermenschliche Leistung", sollte der Titel erneut nach Liverpool gehen.

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